- Wie geht es weiter mit der Direktion des NS-Dokumentationszentrums? Die Stelle ist seit dem Ruhestand des ehemaligen Direktors Werner Jung unbesetzt.
- Der geht nun mit der Stadtverwaltung hart ins Gericht. Das derzeitige Verhalten sei „respektlos und unerträglich“.
Köln – Mehrfach, so erzählt es Dr. Werner Jung, einstiger Direktor des NS-Dokumentationszentrums, habe er in den vergangenen Wochen Anrufe von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus der Republik erhalten, die wissen wollten, was da in Köln gerade los sei. Jung kann dann nur mit den Schultern zucken und feststellen, dass Oberbürgermeisterin Henriette Reker noch immer keine Nachfolgeregelung für die Einrichtung gefunden hat. Sein Ärger darüber ist groß. „Die Stadt könnte stolz sein auf eine international gewürdigte Einrichtung. Das derzeitige Verhalten der Stadtspitze muss man jedoch als respektlos und unerträglich bezeichnen“, zürnt er und beklagt einen „frontalen Angriff auf das NS-Dok“.
Kein schneller Abschluss der Stellenbesetzung in Sicht
Gerade erst hatten vier Historiker der Universität in einem Offenen Brief an die Oberbürgermeisterin gemahnt, „die Direktoratsfrage ohne weiteren Aufschub in geordnete Bahnen“ zu lenken, am Mittwoch folgte eine Stellungnahme des Fördervereins des NS-Dokumentationszentrums. „Es darf nicht sein, dass die bisher außerordentlich erfolgreiche Arbeit des NS-Dok und seine Reputation zur Verfügungsmasse im Zusammenhang mit einem noch zu entwickelnden Konzept der Historischen Mitte werden“, heißt es dort. Das Verfahren zur Neubesetzung der Leitungsstelle ist im Herbst 2021 zum wiederholten Male gestoppt worden, dabei waren die Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bereits verschickt worden.
Doch nach einem schnellen Abschluss der Stellenbesetzung sieht es offenbar nicht aus. Wie die beiden Vorsitzenden des Fördervereins, Claudia Wörmann-Adam und Martin Sölle, mitteilen, hat der Kulturdezernent andere Pläne. In einem Gespräch in der vergangenen Woche habe er mitgeteilt, in den kommenden zwei bis drei Monaten solle eine Neuausschreibung der vakanten Stelle erfolgen. Falls es bis dahin ein abgestimmtes Konzept zur Historischen Mitte gebe.
Rätselraten: Was genau sind diese Synergien?
Die Verwirrung in der Stadtverwaltung ist groß, seitdem der Stadtrat im Dezember beschlossen hat, die Planungen zur „Historischen Mitte“ am Roncalliplatz voranzutreiben. Dabei handelt es sich unter anderem um das neue Kölnische Stadtmuseum. Es zieht aus dem sanierungsbedürftigen Zeughaus in den Neubau, das soll wohl 2029 so weit sein. Doch Grüne, CDU und Volt garnierten ihr Okay mit dem Auftrag, „Synergien“ der historischen Museen zu schaffen, also zwischen dem Stadtmuseum, dem Römisch-Germanischem Museum, der „MiQua“ und eben dem NS-Dok. Nun herrscht Rätselraten: Was genau sind diese Synergien? Soll es etwa einen Generaldirektor der Museen geben, oder einen „Kulturmanager“ , wie es im Rathaus heißt? In der Verwaltung herrscht teils Verwirrung, dort heißt es: „Der Beschluss hat die Büchse der Pandora geöffnet.“
Das NS-Dokumentationszentrum
1979 hat der Kölner Stadtrat die Restaurierung der einstigen Gefängniszellen der Gestapo beschlossen. Diese befinden sich im Keller des EL-DE-Hauses am Appellhofplatz 23–25. Zwischen 1935 und 1945 befand sich hier der Sitz der Kölner Gestapo. 1987 beschloss der Stadtrat die Einrichtung des NS-Dokumentationszentrums.
Das NS-Dok ist nicht nur Museum, sondern Gedenkstätte und politische Bildungseinrichtung. Zugleich befindet sich hier die „Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus“. Vor Beginn der Pandemie konnten die Besucherzahlen auf knapp 100 000 pro Jahr kontinuierlich gesteigert worden. In den vergangenen Jahrzehnten hat das Haus zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den „Museum of the Year“-Award im Jahr 2000. (EB)
Da passt es ins Bild, dass der Initiativantrag zur sofortigen Besetzung der Stelle am 8. März im Kulturausschuss von Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt ohne Begründung zurückgezogen wurde. „Für uns unverständlich“, heißt es in der Stellungnahme des Fördervereins.
Exakt vor 20 Jahren war die Zukunft des NS-Dok ähnlich ungewiss wie heute. Damals sollte die Einrichtung dem Stadtmuseum organisatorisch untergeordnet werden. Nach heftigem Protest aus der Stadtgesellschaft und von Historikern hatte der damalige Oberbürgermeister Fritz Schramma sich schließlich anders entschieden.
Formal obliegt die Personalentscheidung der Oberbürgermeisterin – ähnlich wie bei Amtsleitungsfunktionen. Bereits vor zwei Jahren lagen die Profile von drei Kandidaten für die Nachfolge von Dr. Werner Jung auf dem Schreibtisch von Henriette Reker. Die damalige Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach hatte zwei von ihnen bereits für ein Vorstellungsgespräch bei der Oberbürgermeisterin vorgeschlagen. Doch dann bestand die neue Leiterin des Personalamts auf einer Ausschreibung der Stelle.
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Auch dieses Verfahren wurde schließlich gestoppt. Nun soll offenbar Verfahren Nummer drei folgen.