Der Holz-Hybrid-Schulbau in Ossendorf setzt neue Standards in Baugeschwindigkeit und Nachhaltigkeit durch einen innovativen Strategiewechsel.
Nach elf MonatenHolz-Hybrid-Schulneubau in Ossendorf feiert Richtfest

Die Visualisierung zeigt, wie die bunt verklinkerte Turnhalle und die Aula im nächsten Jahr aussehen sollen.
Copyright: Molestina Architekten + Stadtplaner GmbH
Wenn bei einem Schulbau nur elf Monate zwischen Grundsteinlegung und Richtfest vergehen, dann ist das schnell. Möglich macht das ein Strategiewechsel beim Schulbau, den Vergleich machen zwei Großbauprojekte in Ehrenfeld möglich. Der Neubau für die Gesamtschule Fitzmauricestraße und der für die Heliosschule.
Das neue Zuhause der Gesamtschule Ossendorf ist Teil eines Maßnahmenpakets mit General- und Totalunternehmern. Dabei hat die Stadt Köln eigentlich nur eine Ausschreibung anstatt sehr vieler zu erledigen. Denn der Totalunternehmer übernimmt Planen und Bauen für die Stadt. So muss die Verwaltung nicht alle einzelnen Gewerke vom Trockenbauer bis zum Landschaftsplaner einzeln und selbst ausschreiben. Das spart Zeit, aber vor allem Ressourcen beim Personal. Viele Stellen bei der Stadt sind vakant, die Rundschau berichtete.

Feiern Richtfest: (v.l.) Architekt Juan Pablo Molestina, OB Henriette Reker, die Kinder der Gesamtschule Ossendorf mit Direktorin Birgit Specht und Schuldezernent Robert Voigtsberger.
Copyright: Martina Goyert/Stadt Köln
Ausschreibungen sind aufwendig, denn die Verwaltung ist verpflichtet, Arbeiten europaweit auszuschreiben. Wo es hinführen kann, wenn alle Arbeiten einzeln vergeben werden, zeigt sich unter anderem an dem Projekt der Heliosschule. Dort kam es immer wieder zu Verzögerungen, weil zum Beispiel auf einzelne Ausschreibungen keine Angebote eingingen. Oder die Stadt musste sich aufgrund von Mangelleistung von Unternehmen wieder trennen und Arbeiten neu ausschreiben. Das ist das alte Modell. Dabei vergingen seit dem Spatenstich im Frühjahr 2020 bereits mehr als fünf Jahre und die Schule soll mittlerweile ebenso zum Schuljahr 2026/27 an den Start gehen wie die Gesamtschule Ossendorf.
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Im neuen Modell bewältigt all diese Widrigkeiten auch der beauftragte Totalunternehmer. Dieser ist zwar teurer – in der Regel stehen 20 bis 25 Prozent Zuschlag für die Unternehmen zu Buche –, aber die Verwaltung kauft sich damit Sicherheit ein, was Zeitplan und Kosten angeht. Ob der neue Weg der günstigere ist, ist fraglich. Aber er scheint der schnellere und zuverlässigere zu sein.
Wie die Rundschau jüngst berichtete, sind die Kosten beim Bau der Heliosschule auf mehr als 156 Millionen Euro angestiegen – ursprünglich waren nur 104,5 Millionen Euro geplant. Erst im September 2024 hatte die Verwaltung einen Generalunternehmer beauftragt, die Bauarbeiten fertigzustellen. Die Heliosschule soll Platz für 1100 Schülerinnen und Schüler bieten.
Hybrid-Bau setzt neue Maßstäbe
Die neue Gesamtschule an der Fitzmauricestraße auf dem früheren Kasernengelände am Butzweilerhof soll 1265 neue Plätze bieten. Der innovative Hybrid-Bau aus Holz und Beton, der sich über vier Lernhäuser erstreckt, wird insgesamt rund 160 Millionen Euro kosten, wie die Rundschau erfuhr. Dabei ist es laut Stadt der größte Holz-Hybrid-Bau in Deutschland.
„Wir können davon ausgehen, dass die Schule im Frühjahr 2026 fertig ist“, erklärt Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Um mehr solcher Projekte in Köln realisieren zu können, richtet Reker den Appell an die Bundesregierung: „Wir brauchen viel Geld aus dem möglichen Infrastrukturpaket der Bundesregierung. Es kann nicht die Finanzkraft der Stadt bestimmen, welche Qualität die Schulen haben oder wie viele es gibt.“
Schulleiterin Birgit Specht kam zum Richtfest mit einer Gruppe Schülerinnnen und Schüler sowie Teile ihres Kollegiums, der Elternpflegschaft und des Gründungsteams der neuen Gesamtschule Ossendorf. „Die Identifikation mit dem Gebäude wächst. Es erfüllt die Kinder mit Stolz, zu sehen, dass diese Schule für sie gebaut wird“, so Specht. Die Kinder hängten selbst geschriebene Wünsche an den Richtkranz, dazu gehörten unter anderem Fußballfelder, aber auch eine Bibliothek.
Sicher ist bereits, dass die Gesamtschule ein hochmodernes und nachhaltiges Zuhause erhält. Neben der Holzbauweise und ihren Vorteilen (siehe Infotext) ist viel Grün im Innenhof, aber auch an den Laubengängen und an der Außenfassade geplant. Auf den Dächern wird der Strom mit Photovoltaik selbst erzeugt. Im Innern legen die Architekten und Stadtplaner von Molestina den Fokus auf ein modernes Cluster-System, dass sich weiter vom starren Klassenraum entfernt hin zu mehr offenen Arbeitsforen.