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NaturschauspielDie ersten wilden Narzissen blühen in der Eifel

Lesezeit 6 Minuten
Einige Narzissen blühen zwischen verdorrtem Gras und unter Zweigen.

An den sonnigen Südhängen blühen die Narzissen bereits, die vollständige Blüte wird in der kommenden Woche erwartet.

In den Gemeinden Hellenthal und Büllingen erwartet man viele Schaulustige zur Hauptblüte. Es gibt geführte Touren.

 Noch halten sie sich angesichts der kühlen Nächte vornehm zurück, doch die Hauptblüte der Narzissen im Oleftal steht kurz bevor. Auf den Südhängen sind die hübschen, gelben Blüten allerdings schon zahlreich zu sehen.

Für die Menschen in der Eifel ist das eine gute Nachricht, denn wenn die wilden Narzissen in den Tälern entlang der deutsch-belgischen Grenze das Regiment übernehmen, die Wiesen und Weiden mit ihren Blüten überfluten und immer wieder ein überwältigendes Naturschauspiel bieten, dann zieht der Frühling ein.

Narzissenblüte in der Eifel ist ein grenzübergreifendes Ereignis

Entsprechend groß ist das Interesse der Besucher, die sich diesen Anblick nicht entgehen lassen wollen. Sie so zu lenken, dass sie einerseits viel geboten bekommen, andererseits aber nicht quer über die Wiesen laufen, ist das Anliegen der Gemeinde Hellenthal, die sich gemeinsam mit dem Naturpark Nordeifel der Aufgabe angenommen hat. „Wir haben im letzten Jahr eine neue Beschilderung angebracht“, erläuterte Julia Schößler, die bei der Gemeinde für den Tourismus zuständig ist.

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Denn die Narzissenblüte ist ein grenzübergreifendes Ereignis, an dem auch die Gemeinde Büllingen einen wesentlichen Anteil hat. Schließlich befinden sich die meisten Flächen, auf denen die Narzissen wachsen, auf der belgischen Seite der Grenze. „Wir haben zahlreiche Touristen auf beiden Seiten der Grenze“, sagte Andreas Pflips, Schöffe im Gemeindekollegium Büllingen. Das Ereignis sei auch für die eigene Bevölkerung toll.

Schon 130 Tickets für die Narzissenwanderungen verkauft

Als Dienstleister der Gemeinde empfinde sich der Naturpark Nordeifel, der seit Jahrzehnten die Durchführung der geführten Wanderungen im Oleftal übernommen habe, führte der Vorsitzende des Naturparks, Manfred Poth, aus. „Hier ist ein Hotspot der Eifel“, sagte er.

Mit einem Projekt zur Digitalisierung von Bildung und Lenkung der Besucher habe der Naturpark in diesem Jahr den ersten Platz im Wettbewerb der Naturparke NRW belegt und ein Preisgeld von 400.000 Euro gewonnen. Doch auch wenn die Führungen zu den Narzissen nun digital aufgearbeitet sind, seien die Referenten nicht überflüssig. Seit dem vergangenen Wochenende bietet der Naturpark die geführten Wanderungen an, teilte Peter Gießeler mit.

Durchgeführt werden sie von Gabriele Griebel, Klaus Hermanns und Karl-Josef Hahn, die sich seit vielen Jahren der Aufgabe widmen und über eine Vielzahl von Themen zu informieren wissen. Rund sieben Kilometer ist die Strecke lang, die in drei bis vier Stunden erwandert wird. Das Angebot richte sich auch an Familien, allerdings sei die Strecke nicht überall für Kinderwagen geeignet, warnte Gießeler. Bisher seien bereits 130 Tickets für die Wanderungen verkauft. Gebucht werden könnten diese online.

Zwei Narzissenfeste finden im April statt

In der Regel jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag wird eine Führung angeboten, dazu weitere am Osterwochenende und eine zusätzliche kurz vor dem Ende der Narzissenblüte. Informationen über Wegeführung, Termine und eine Buchungsmöglichkeit gibt es auf der Internetseite der Gemeinde Hellenthal.

Gleich zwei Narzissenfeste finden am 13. April statt. Auf belgischer Seite wird in Rocherath die Narzissenblüte im Holzwarchetal gefeiert. Ebenfalls am 13. April findet in Deutschland in Höfen das Narzissenfest statt. Dann laden die NRW-Stiftung, die Stadt Monschau, der Naturpark Nordeifel, der Nationalpark Eifel und der Eifelverein Höfen ans Nationalpark-Tor und in die Vereinshalle ein. Nach der Eröffnung um 10 Uhr wird bis 17 Uhr ein buntes Rahmenprogramm für Kinder, Familien und Naturbegeisterte geboten. Es gibt Infostände, zu Gast sind unter anderem die Wildnis-Werkstatt des Nationalparks und die Rollende Waldschule.

Geführte Wanderungen gibt es als Frühaufsteherwanderung um 7 Uhr und als große Wanderung durch Perlbach- und Fuhrtsbachtal um 11 Uhr. Junior-Rangertouren für Familien über etwa fünf Kilometer werden um 11 und um 14 Uhr angeboten. Ein kostenloser Shuttleservice vom Nationalpark-Tor zu den Startpunkten der Wanderungen ist von 11 bis 16 Uhr eingerichtet.

Für die Frühaufsteherwanderung und die Junior-Ranger-Touren wird um Anmeldung per E-Mail gebeten. Im Rahmen der Eröffnung wird der Präsident der NRW-Stiftung, Eckhard Uhlenberg, einen Förderbescheid zur Neuanschaffung einer Anhänger-Teleskop-Arbeitsbühne zwecks Pflege und Erhaltung der Rotbuchenhecken im Ort überreichen.


Erinnerung an den Vater der Narzissenwiesen

Angesichts der Verdienste, die sich Prof. Dr. Wolfgang Schumacher um den Erhalt der Natur in der Eifel erworben hat, ist es eigentlich nur eine kleine Geste, die die Gemeinde Hellenthal mit der Erinnerungstafel geleistet hat. Doch der Zulauf, mit dem Weggefährten und Kollegen zur Enthüllung kamen, machte deutlich, wie viel Anerkennung und Zuneigung Schumacher auch noch zwei Jahre nach seinem Tod genießt.

Am Narzissenwanderweg, in dem Steinbruch, in dem die ersten Narzissenfeste gefeiert wurden, die heute noch einen legendären Ruf genießen, prangt nun unter dem Namen seiner Mitstreiterin Loki Schmidt die Tafel, mit der die Verdienste von Schumacher gewürdigt werden.

Auf einem Stein sind eine Gedenktafel und der Schriftzug: „Loki Schmidt-Weg“ angebracht.

Mit Gedenkstein und -tafel wird an Loki Schmidt und Prof. Dr. Wolfgang Schumacher erinnert.

Als junger Professor ist Schumacher vor 45 Jahren mit seinen Studenten in die Eifel gekommen und hat im Oleftal dafür gesorgt, dass die Fichten von den Narzissenwiesen entfernt wurden, erinnerte Hellenthals Bürgermeister Rudolf Westerburg an die Anfänge des Narzissenbooms. So sei die Mertenswiese als Erstes wieder zum Leben erweckt worden. „Das ist einzigartig in Deutschland“, betonte Westerburg.

Er selbst habe als junger Feuerwehrmann erste Kontakte gehabt, als er vor mehr als 40 Jahren beim Narzissenfest im Steinbruch die Gäste fahren durfte. Damals sei das ein reiner Behördentermin gewesen. Die Belgier hatten traditionell Reisfladen und ein Zehn-Liter-Fass Rotwein gestiftet, die Deutschen andere Getränke. „Es war Schumachers Idee, auch die Bevölkerung einzuladen und das Fest ans Hollerather Knie zu verlegen“, so der Bürgermeister. Noch heute wird das Fest jährlich im Wechsel mit Höfen ausgerichtet.

Rita Schumacher und Alois Sommer sitzen zusammen auf einer Bank im Freien.

Zur Enthüllung der Gedenktafel kamen auch Rita Schumacher und Alois Sommer, Ehrenvorsitzender des Naturparks Nordeifel.

Viele Anekdoten gibt es zu Schumacher und seiner Fähigkeit, Menschen zu begeistern und Probleme kreativ anzugehen. Westerburg erinnerte, dass die Mertenswiese, die in Belgien liege, einmal im Jahr von einem Landwirt aus Oberreifferscheid gemäht worden sei. Die Zufahrt   mit dem deutschen Traktor habe Schumacher mit den Behörden organisiert. Wie das finanziert sei, wollte Westerburg wissen. „Der bekommt Milchquote dafür“, habe Schumacher verraten. Auch der Wanderweg samt Übergang auf belgisches Gebiet sei seine Idee gewesen. Westerburg: „Ohne ihn könnten wir die Narzissen nicht so erleben.“

Philologe, Philosoph und Philanthrop sei Wolfgang Schumacher gewesen, würdigte Alois Sommer das Wirken des Geobotanikers. „Vater der Narzissen“, wie es auf der Bronzetafel steht – das stimme. Den Begriff „Narzissenpapst“ habe er aber nicht gemocht. Schumachers Witwe Rita erinnerte an die letzten Worte ihres Mannes: „Dort, wo ich hingehe, ist es auch schön.“