Der Wasserverband Eifel-Rur zieht Jahresbilanz. Der Hochwasserschutz und die Platißbachtalsperre lassen jedoch weiter auf sich warten.
HochwasserschutzEifeler Wasserverband muss mehr Geld in seine Infrastruktur investieren

Das niederschlagsreichste Jahr der Verbandshistorie führte im Februar 2024 zur Öffnung des Rursee-Grundablasses.
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Die Flutkatastrophe von 2021 jährt sich in diesem Sommer bereits zum vierten Mal – auf ein flächendeckendes Hochwasserschutzkonzept müssen die Bürgerinnen und Bürger der Südkreis-Kommunen Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Nettersheim und Schleiden aber weiterhin warten. „Wir gehen davon aus, dass der Masterplan bis Ende des kommenden Jahres vorliegt“, sagte Dr. Joachim Reichert, Chef des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER), in der Jahrespressekonferenz des Verbands in Düren.
Man war bei der Bezirksregierung in Köln offensichtlich nicht darauf eingestellt, dass solche Maßnahmen nicht wie gewohnt von einer einzelnen Kommune, sondern vom WVER für alle Beteiligten beantragt werden.
Die genannten Kommunen aus dem Einzugsbereich von Urft und Olef hatten sich mit dem Kreis Euskirchen und dem WVER auf die Erarbeitung eines gemeinsamen Konzepts für den Hochwasserschutz verständigt, wobei der Verband die Koordination übernehmen sollte. Dieses Konstrukt war notwendig, da der WVER, anders als beispielsweise an den Flüssen Inde und Vicht, nicht selbst für die Gewässerunterhaltung zuständig ist.
Bürokratie ist laut WVER für „deutlichen Verzug“ verantwortlich
Doch warum dauert die Planung der möglichen Maßnahmen so lange? Ursache, so sagte Reichert, seien in erster Linie „bürokratische Hemmnisse“: „Man war bei der Bezirksregierung in Köln offensichtlich nicht darauf eingestellt, dass solche Maßnahmen nicht wie gewohnt von einer einzelnen Kommune, sondern vom WVER für alle Beteiligten beantragt werden.“ Für den „deutlichen Verzug“ sei zudem ein Generationswechsel in der Kölner Behörde mitverantwortlich: Mitunter habe man das Gefühl, dass die neuen Sachbearbeiter „noch formeller“ als ihre Vorgänger agierten.
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Untätig sei man in den vergangenen Jahren aber nicht gewesen: „Die Eifel-Kommunen haben dezentral an einzelnen, so genannten No-Regret-Maßnahmen, gearbeitet, die sich auf keinen Fall schädlich auf das Gesamtkonzept zum Hochwasserschutz auswirken“, so der WVER-Vorsitzende. Als Beispiel nannte den Bau einer Art Rechen, der an der Urft in Nettersheim Treibgut wie Äste oder Baumstämme von den Brücken fernhalten soll.
Machbarkeitsstudie zur Talsperre am Platißbach soll noch 2025 präsentiert werden
Auch bei der Machbarkeitsstudie für eine mögliche neue Talsperre im Bereich des Platißbachs in der Gemeinde Hellenthal geht es voran: In diesem Jahr will der WVER die bereits von vielen Anliegern wahlweise mit Hoffen oder Bangen erwartete Studie vorlegen.
Bislang ließen sich die Planer nicht in die Karten schauen, wenn es um den genauen Standort der neuen Talsperre ging. „Offen ist nach wie vor auch, ob es auf eine große Talsperre oder die Kombination mehrerer kleinerer Rückhaltebecken hinauslaufen wird“, sagte WVER-Sprecher Marcus Seiler. Der Zeitplan sehe vor, dass die Machbarkeitsstudie in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Wasserverbands
Unabhängig davon, was der Bau neuer Regenrückhaltebecken im Bereich von Urft und Olef oder gar der Neubau einer möglichen Platißbachtalsperre kosten wird, machte WVER-Chef Reichert keinen Hehl aus der Tatsache, dass der Verband in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld auch in den Unterhalt von Abwasseranlagen und Talsperren investieren muss: „Dieses notwendige Umdenken hat aber schon vor der Flutkatastrophe eingesetzt. Bis zum Jahr 2017 lagen die Investitionen sogar unterhalb der Abschreibung. Wir hatten also einen Werteverzehr.“
Bis zu 555 Millionen Euro, so WVER-Finanzdezernent Stefan Ruchay, sollen im Zeitraum von 2025 bis zum Jahr 2032 in die Infrastruktur im WVER-Gebiet investiert werden, dass sich von der Eifel im Süden bis nach Niederkrüchten im Kreis Viersen erstreckt.

Im Dürrejahr 2022 sank der Pegel der Rurtalsperre in den Sommermonaten deutlich ab.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Zu den Investitionsprojekten gehört auch der Umbau der Kläranlage in Heimbach. „Hierfür sind neun Millionen Euro eingeplant“, so Reichert. Noch teurer wäre es geworden, die aus den 1970er-Jahren stammende Anlage komplett durch einen Neubau zu ersetzen.
Talsperren sind trotz hoher Niederschlagsmengen nur unterdurchschnittlich gefüllt
Welche Wassermengen in den Kläranlagen im WVER-Gebiet bearbeitet werden müssen, hängt übrigens auch vom Wetter ab. „Das zurückliegende Jahr 2024 war das niederschlagsreichste überhaupt“, so Reichert: „Das hat dazu geführt, dass die Abwassermengen überall deutlich gestiegen sind. Denn weil viele Zuleitungen undicht sind, kommt bei hohen Niederschlagsmengen auch viel Fremdwasser in den Kläranlagen an.“
Die vier bestehenden Talsperren, um die sich der WVER kümmert (Olef-, Urft-, Rur- und Wehebachtalsperre), seien infolge der hohen Regenmengen im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gut gefüllt gewesen: „Die Talsperren haben im zurückliegenden Jahr ihre Aufgabe sehr gut erfüllt.“ Aktuell sehe die Lage jedoch ganz anders aus, so Reichert: „Die Zuflüsse lagen in den Monaten Februar und März auf einem sehr niedrigem Niveau, weshalb Olef-, Urft- und Rurtalsperre derzeit unterdurchschnittlich gefüllt sind.“
Die Abflussmenge aus den Talsperren sei daher seit dem 12. Februar auf fünf Kubikmeter pro Sekunde begrenzt. Sorgen müsse sich dennoch niemand machen, betonte Reichert: „Trotz derzeit noch unterdurchschnittlicher Füllstände ist die Trink- und Brauchwasserversorgung auch bei einem möglichen Trockenjahr 2025 sichergestellt.“
Abwassergebühren in der Stadt Heimbach steigen deutlich
In der Stadt Heimbach werden sich in den kommenden Jahren die Kosten für die Abwasserbeseitigung deutlich erhöhen. Hauptursache dafür sei die Kostensteigerung für den Umbau der Kläranlage, sagte Kämmerer Simon Merget auf Anfrage dieser Redaktion.
Der WVER hatte der Heimbacher Verwaltung und Bürgermeister Jochen Weiler unlängst die aktuelle Planung und die notwendigen Umbauarbeiten vorgestellt. Statt der im Jahr 2021 prognostizierten Kosten in Höhe von rund vier Millionen Euro gehen die Planer nun von insgesamt mehr als neun Millionen Euro aus – unter anderem, weil nach aktuellen Erkenntnissen auch eine Betonsanierung der Betriebsbecken notwendig ist.
Das Plus bei den Baukosten hat direkten Einfluss auf die künftigen Abwassergebühren der Stadt Heimbach. Kämmerer Merget geht davon aus, dass allein durch die Arbeiten an der Kläranlage des WVER die Abwassergebühr ab dem Jahr 2029 um 2,44 Euro je Kubikmeter steigen muss. Hinzu kommen dann auch noch Mehrkosten für das Niederschlagswasser. „Die allgemeine Preisentwicklung und eigene Investitionen der Stadt Heimbach sind bei dieser Kalkulation noch nicht eingerechnet“, so der Kämmerer.
Eine vierköpfige Musterfamilie müsste ab 2029 bei einem angenommenen Verbrauch von 180 Kubikmetern Wasser insgesamt rund 2000 Euro pro Jahr für Frischwasser, Abwasserentsorgung und Oberflächenwasser zahlen.