Wohnungs-Misere in KölnDas sind Kölns sechs große Neubaugebiete
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So könnte der Deutzer Hafen später einmal aussehen. Sogar ein Pool ist denkbar.
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Wohnraum ist knapp und wird immer wertvoller – neuer Wohnraum wird dringend benötigt.
Aber wo sollen die neuen Wohnungen gebaut werden? Es gibt Konflikte unter anderem mit der Industrie um die Nutzungen von freien Flächen.
Die Rundschau stellt die sechs großen Wohngebiete des nächsten Jahrzehnts in Köln vor!
Köln – Es geht darum, wie lebenswert Köln tatsächlich ist – zumindest wenn man Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) wörtlich nimmt. Reker sagt: „Qualitativer Wohnraum zu angemessenen Preisen ist ein entscheidendes Merkmal für eine lebenswerte Großstadt.“
Doch die Mieten steigen und allein bis 2030 braucht die Stadt 66.000 neue Wohnungen zusätzlich zu den aktuell 561.514 Exemplaren. 6000 neue Wohnungen will die Stadt jährlich erreichen, 1000 davon vom Land gefördert, damit sie billiger als die Marktmiete sind.
Die Stadt baut die Wohnungen nicht alle selbst, will aber die Bedingungen schaffen, dass Investoren oder Genossenschaft schneller bauen können – unter anderem durch schnellere Genehmigungen. Denn in den vorigen fünf Jahren waren es im Schnitt nur 3217 jährlich, also viel zu wenige.
Aber wo sollen die neuen Wohnungen gebaut werden, es gibt Konflikte unter anderem mit der Industrie um die Nutzungen von freien Flächen. Die Rundschau stellt die sechs großen Wohngebiete des nächsten Jahrzehnts in Köln vor:
1. Kreuzfeld
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Schon in den 70er-Jahren gab es erste Pläne für die Fläche im Kölner Norden, in den 90ern konkretisierten sie sich, bevor die Politik sie 2005 verwarf. Das hat sich jetzt angesichts der Wohnungsmisere geändert: Nach knapp drei Jahren, in denen seit dem erneuten Beschluss des Stadtrates nichts passiert war, wird nun eine Machbarkeitsstudie erstellt, zudem liegt ein Zeitplan vor. Es entsteht eine Fläche, die so groß ist wie etwa 65 Fußballfelder.
Die Daten im Überblick
Baubeginn: frühestens 2023
Bauende: offen
Wohnungen: ca. 2200
Gefördert: ca. 650
Investitionen: offen
Investor: offen
2. Parkstadt Süd
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Ein neuer Grünzug samt Wohnungen, Büros, Plätzen, Kitas, Schulen: Die Parkstadt Süd soll die insgesamt 161 Fußballfelder-große Fläche zwischen Luxemburger Straße und Rheinufer neu ordnen. Doch bislang hakt es an vielen Ecken, unter anderem hat die Stadt eine fehlerhafte Sanierungssatzung aufgestellt, verlor so das Verkaufsrecht auf die Grundstücke – zumal einige Besitzer ohnehin nicht verkaufen wollen, ein jahrelanger Rechtsstreit sich anbahnt. Und die Verlagerung des Lebensmittel-Großmarktes nach Marsdorf ist weiterhin völlig offen, vermutlich wollen Teile der Politik das Thema irgendwie hinter die nächste Kommunalwahl im Herbst 2020 schieben.
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Die Daten im Überblick
Baubeginn: frühestens 2023
Bauende: offen
Wohnungen: 3300-3500
Gefördert: 990 – 1050
Investitionen: offen
Investor: offen
3. Rondorf Nordwest
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Im Kölner Süden entwickelt Investor Amelis das Areal Rondorf Nordwest, er bereitet also sozusagen den Boden, die einzelnen Baufelder erschließen später andere Unternehmen. Über die Verlängerung der Nord-Süd-Stadtbahn soll das Viertel an die Stadt angeschlossen sein. Wann die Linie fertig sein wird, ist noch unklar. Aber das Mega-Projekt ist schon relativ weit, in sieben Jahren soll es Stand jetzt komplett abgeschlossen sein.
Die Daten im Überblick
Baubeginn: 2021
Bauende: 2025/2026
Wohnungen: 1300
Gefördert: 390
Investitionen: keine Angaben
Investor: Amelis
4. Zündorf Süd
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Kommt die Verlängerung der Stadtbahnlinie 7? Und was ist mit der Umgehungsstraße? An diesen beiden Fragen hängt der Ausbau von Zündorf Süd. Heißt: Bevor in diesen Fragen keine Klarheit, herrscht tut sich nichts. Perspektive: Es dauert noch viele Jahre.
Die Daten im Überblick
Baubeginn: offen
Bauende: offen
Wohnungen: 2250
Gefördert: 675
Investitionen: offen
Investor: offen
5. Deutzer Hafen
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Der Deutzer Hafen gilt unter den neuen Wohngebieten als „Everybodys Darling“, er ist hip, soll möglicherweise später einen Pool im Rhein haben, dazu Wasserbus-Anlegestellen. Aktuell ist das Hafengebiet noch von der Ellmühle geprägt, doch das Traditionsunternehmen verlässt Köln 2020, dann entwickelt die „Moderne Stadt“ als Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadt Köln das Areal, verkauft die einzelnen Baufelder später an andere Firmen, die sie bebauen.
Die Daten im Überblick
Baubeginn: 2020
Bauende: frühestens 2030
Wohnungen: 3000
Gefördert: 900
Investitionen: 350 Millionen Euro
Investor: Moderne Stadt
6. Mülheim Süd
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Das riesige Areal beherbergte früher einmal viele Industrie-Traditionsunternehmen, lange ist es her, mittlerweile verrotten viele der Hallen, ein Teil soll unter Denkmalschutz gestellt werden, andere müssen weichen: Insgesamt gibt es sechs große einzelne Baugebiete innerhalb von Mülheim Süd. Der Überblick:
Cologneo
Die CG Gruppe beispielsweise baut Cologneo I, II und III, zwischen 2019 und 2025 entstehen so 1420 Wohnungen. Zur Frage, ob es öffentlich geförderte Wohnungen geben wird, teilte eine Sprecherin mit: „Für die ersten Abschnitte ist die Entwicklung inzwischen abgeschlossen. Diese waren noch nicht von der aktuellen Wohnungssituation geprägt. Gleichwohl wurde auch für diese Abschnitte bereits ein Wohnungsmix für Singles, für Familien, kleine und große Wohnungen berücksichtigt. Selbstverständlich wird auch bei den zukünftigen Entwicklungsabschnitten der Situation am Wohnungsmarkt in Köln Rechnung getragen.“ Wie viel das Unternehmen dort investiert, teilt es nicht mit.
Lindgens-Areal
Laut eines Sprechers investieren die beteiligten Firmen wie Hamacher 130 bis 150 Millionen Euro, dieses oder nächstes Jahr soll es losgehen, 360 Wohnungen entstehen. Wann das beendet ist und wie viele Wohnungen gefördert sind, ist unklar.
Otto-Langen-Quartier
Noch gehört die Fläche NRW.Urban, doch die Stadtentwicklungsgesellschaft des Landes NRW will das Areal kaufen, gerne an die „Moderne Stadt“. Aktuell wird geprüft, ob das rechtlich erlaubt ist. Der Zeitplan für den Bau von 450 Wohnungen – 150 gefördert – ist also völlig offen.
Deutz-Areal
Die Gerchgroup entwickelt für rund eine Milliarde Euro die frühere Deutz-Fläche, das soll 2500 Wohnungen bringen (750 gefördert). 2019 soll es losgehen und zwischen 2023 und 2026 beendet sein.
Hier gibt es den kompakten Überblick zum Download als pdf