Trotz eines Millionen-Gewinns fiel die Entlastung des FC-Vorstandes gering aus. Präsident Werner Wolf ordnet das Ergebnis ein.
Reizthema GlücksspielGegenwind für die Führung des 1. FC Köln – trotz Millionengewinn

Hatten jede Menge Mitglieder-Fragen zu beantworten (v.l.): Präsident Werner Wolf, Vizepräsident Carsten Wettich sowie die Geschäftsführer Christian Keller und Markus Rejek.
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Der neue Tag hatte bereits begonnen, als Präsident Werner Wolf in seiner Funktion als erstmaliger Sitzungsleiter die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln um 1.08 Uhr zu einem Ende brachte. Das Vorhaben, die alljährliche Zusammenkunft der „FC-Familie“ in Form einer Talkrunde zeitlich deutlich zu verkürzen, war da längst gescheitert. „Wir hatten die Hoffnung, durch das neue Format Zeit einzusparen. Das ist uns nicht so gelungen, wie wir uns das vorgestellt haben“, resümierte Wolf nach mehr als siebenstündiger Debatte.
Einen Großteil der Zeit verschlang der Tagesordnungspunkt „Aussprache“, der mit drei Stunden rekordverdächtig lang geriet. „Offensichtlich sind wir in einer Situation, in der es immens viele Fragen gab“, erklärte Wolf, der nach dem Bundesliga-Fehlstart etwas verwundert feststellte, dass „relativ wenige“ Anmerkungen der Mitglieder die sportliche Situation betrafen.
Zum Reizthema entwickelte sich stattdessen die kürzlich eingegangene Partnerschaft mit der in der Glücksspielbranche tätigen Gauselmann Gruppe. Nicht wenige der 1199 Mitglieder, die sich am Mittwochabend in der Lanxess Arena verloren hatten, sehen in der Zusammenarbeit einen Verstoß gegen die Werte des 1. FC Köln und brachten ihren Unmut darüber während der Versammlung immer wieder zum Ausdruck.
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Wir nehmen das ernst und müssen schauen, wie wir damit umgehen.
„Wir nehmen das ernst und müssen schauen, wie wir damit umgehen“, versicherte Wolf, der den Sponsoren-Deal rückblickend infrage stellte: „Die Gauselmann Gruppe ist nicht der erste Wettsponsor, den wir haben. Natürlich gab es an der ein oder anderen Stelle schon Fragezeichen – aber nicht in dieser Qualität. Offensichtlich hat sich etwas verändert. Hätten wir diese Qualität vorher erahnt, hätten wir es nicht gemacht – um das sehr deutlich zu sagen.“
Eine vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit ist laut Wolf allerdings „nicht angedacht“, denn: „Verträge müssen Sie erfüllen.“ Der FC-Präsident verwies zudem auf die wirtschaftliche Lage des Clubs, die sich trotz des Gewinns in Höhe von zwölf Millionen Euro weiterhin als angespannt erweist: „Wir sind nicht mehr auf der Intensivstation, das ist ein guter Erfolg, der uns im letzten Jahr gelungen ist. Wir sind aber noch nicht an Schmitz Backes vorbei. Wir müssen sparen und können uns keinen Luxus erlauben.“
Die Partnerschaft mit der Gauselmann Gruppe, deren lachende Merkur-Sonne seit dieser Saison im Rhein-Energie-Stadion erstrahlt, bringt dem FC etwa eine halbe Million Euro pro Jahr. Der für den Bereich Sponsoring zuständige FC-Geschäftsführer Markus Rejek („Ich sehe keine Verletzung der FC-Werte“) kündigte als Reaktion auf den Gegenwind an, „zeitnah“ einen Kriterienkatalog zu erarbeiten, mit dem festgelegt werden soll, „welche Branchen für eine Partnerschaft infrage kommen und welche nicht“.
Präsident Werner Wolf kontert die Kritik des Mitgliederrates
Werner Wolf machte in der emotional geführten Glücksspiel-Debatte den Hauptgrund dafür aus, warum die Entlastung des Vorstandes mit nur 65 Prozent der Stimmen enttäuschend gering ausfiel. „Das Glücksspielthema war ein Thema, das man uns anhaftet. Es war mir klar, dass sich das in der Entlastung niederschlägt“, befand der FC-Präsident, der selbst von einem „Denkzettel“ der Mitglieder sprach. „Auf der anderen Seite waren es über 50 Prozent, so dass wir jetzt nicht in den Rhein springen müssen.“
Kritik übten Mitglieder auch daran, dass der FC-Vorstand sowohl beim stockenden Ausbau des Dauerthemas Geißbockheim als auch beim Strategiepapier „FC-Matchplan“ keine greifbaren Neuigkeiten zu vermelden hatte. Der Mitgliederrat bemängelte in seinem Jahresbericht fehlende „konkrete Ergebnisse“ und forderte ein höheres Arbeitspensum der Führungsspitze um Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich.
„Auch ich wäre an der ein oder anderen Stelle lieber deutlich weiter“, räumte Präsident Wolf nach der Mitgliederversammlung ein. „Was mir in der Analyse aber gefehlt hat, war, die Gesamtsituation besser zu berücksichtigen. Wir haben in einem Jahr drei neue Geschäftsführer etabliert und nach der Pandemie ums Überleben gekämpft. Die Rückstände durch Corona aufzuholen und Umbrüche einzuleiten, das kostet Kraft.“