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Thurn-GebäudeBerggemeinden bringen Geflüchtete in alten Büros unter

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Gut 20 Quadratmeter hat das Unterkunftszimmer, das Nicole Berka und  Norbert Büscher sich ansahen.

Neunkirchen-Seelscheid/Much – In den klobigen Sesseln des Konferenzraums nehmen Frauen und Männer zum Sprachkurs Platz. Die zwei Besprechungszimmer nebenan sind wie etliche Büros mit dem Nötigsten für kleine Familien gerichtet. Der frühere Verwaltungstrakt des Waschmittelherstellers Thurn wird vorübergehend zur Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine.

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Sanitäranlagen und Waschküchen stehen bereit.

„Es ist ein Glücksfall, dass wir diesmal keine Sporthalle schließen müssen“, sagte Bürgermeisterin Nicole Berka, als sie und ihr Mucher Amtskollege Norbert Büscher das Gemeinschaftsprojekt in Neunkirchen vorstellten. Im vergangenen Herbst hatte die Entwicklungsgesellschaft des Kommunalunternehmens der beiden Berggemeinden die aus den 70er Jahren stammende Gewerbe-Immobilie gekauft. 2015 hatte die Cafeteria bereits als Notbleibe mit sehr beengten Verhältnissen gedient.

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Es gibt vier Küchen, die gemeinschaftlich genutzt werden.

Nachdem zwischenzeitlich die Firma Thurn Insolvenz anmelden und aufgeben musste, können im alten Bürotrakt fast 100 Personen unterkommen.

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Zu der Gewerbe-Immobilie zählt eine riesige Sheddachhalle.

„Im Erdgeschoss haben wir 60 Betten, in der ersten Etage 35“, berichtete Johannes Hagen, Vorstand des Kommunalunternehmens. „Die ersten fünf Personen sind vor einer Woche eingezogen.“

Eine Übergangslösung

Nur vorübergehend soll die Gewerbeimmobilie als Geflüchteten-Unterkunft dienen. Die Entwicklungsgesellschaft des Kommunalunternehmens von Neunkirchen-Seelscheid und Much hat die Liegenschaft mit 62 000 Quadratmetern bebauter Fläche und 75 000 Quadratmetern Grünfläche erworben, um sie zu entwickeln und zu vermarkten.

Eine Teilsanierung oder ein Abbruch der 50 Jahre alten Gebäude nebst einer riesigen Sheddachhalle sind mögliche Szenarien. Angebote von Planern für ein Konzept liegen vor. In einem Jahr rechnet Johannes Hagen, Vorstand des Kommunalunternehmens, mit dem Ergebnis. Für die Bürgerbeteiligung werde es im Juni einen ersten Workshop geben. (kh)

Zurzeit sind 149 Geflüchtete aus der Ukraine in Neunkirchen-Seelscheid erfasst. In zwei Wochen will Much, wo es 77 sind, damit beginnen, bis zu 30 der 95 Plätze zu belegen. 2015/2016 habe man für eine dezentrale Unterbringung Häuser angemietet oder gekauft. „Das bleibt uns diesmal erspart“, sagte Büscher mit Blick auf die neue Gemeinschaftsunterkunft in der Nachbargemeinde. Acht Personen aus Much führen bereits zweimal die Woche zu einem der acht Sprachkurse, die dort angelaufen seien, berichtete Familienamtsleiter Stefan Mauermann.

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Das  Spielzimmer ist groß und gut ausgestattet.

Gerade noch rechtzeitig konnte sich das Kommunalunternehmen Mobiliar aus der Thurn-Insolvenzmasse sichern. Tische, Stühle, Schränke und Spinde sowie Waschmaschinen und Spülen aus den Testlaboren finden Verwendung. „Die Anschlüsse sind ja da“, erklärte Hagen, bei Bedarf ließen sich zusätzliche Duschen installieren.

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Für vier Gemeinschaftsküchen wurden Herde angeschafft und für jedes Unterkunftszimmer ein Kühlschrank. Aus der Bevölkerung kamen Spielzeugspenden für ein großes Spielzimmer, in dem Bianca Führer von der OGS Seelscheid und drei Kolleginnen vormittags Kinder betreuen. Tatkräftige Unterstützung leisteten lokale Politiker. „Ratsmitglieder haben die Betten bezogen“, berichtete Bürgermeisterin Berka.