Seit Anfang des Jahres ist rund um die Uhr eine Notärztin oder ein Notarzt stationiert. In den ersten Monaten gab es 120 bis 130 Einsätze, Tendenz steigend.
Neuer NotarztstandortIn Much freuen sich die Bürger über die bessere und schnellere Versorgung

In Much wurde der neue Notarzt-Standort offiziell eingeweiht, gerade ist Dr. Pierrot Kuhn mit seiner Fahrerin Silke Zeidler vom Einsatz zurückgekehrt.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Die Rettungswache in Much ist bereits 2021 eröffnet worden. Doch im Rettungsdienst-Bedarfsplan von 2023 wurde für die Gemeinde die Notwendigkeit einer notärztlichen Versorgung festgestellt. Denn im nordöstlichen Kreisgebiet mussten bislang Notärzte aus dem Nachbarkreis oder Siegburg aushelfen, lange Anfahrtszeiten waren die Folge. Dabei zählen in der Notfallmedizin Minuten und Sekunden.
Landrat Sebastian Schuster eröffnete den neuen Standort persönlich
Der Rhein-Sieg-Kreis ist dafür verantwortlich. Deshalb machte sich Landrat Sebastian Schuster selbst auf den Weg, um den neuen Notarzt-Standort in der Rettungswache Hinter dem Bockemsfeld offiziell vorzustellen. Der wurde komplett neu eingerichtet, 24 Stunden an sieben Tagen das ganze Jahr durch ist er besetzt. Es ist der neunte Vollzeit-Notarztstandort im Kreis, der letzte Baustein zur Optimierung der notärztlichen Versorgung der Bevölkerung im Sinne des aktuellen Rettungsbedarfsplan, so der Kreis.
„Das ist fantastisch“, freute sich Bürgermeister Norbert Büscher und erinnerte an den langen Weg bis dahin. Die Entscheidung sei auch umstritten gewesen. „Das wird von der Bevölkerung positiv wahrgenommen“, weiß er aus Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern. Für die Firma Falck sei seine Kommune schon eine Herausforderung: Mehr als 14.000 Einwohner, aber 114 Ortschaften und ein nicht immer einfach zu verstehendes Hausnummernsystem.
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Das wird von der Bevölkerung positiv wahrgenommen.
Das Personal kommt vom Universitätsklinikum Bonn (UKB). Aus einem Pool von 25 bis 28 Notärztinnen und Notärzten werden die Dienste besetzt. Dr. Ulrich Heister, Oberarzt und Leiter des Zentrums für Rettungs- und Notfallmedizin an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, war ebenfalls angereist. Seit mehreren Jahren schon kommen seine Kolleginnen bereits nach Bornheim, Eitorf und seit September auch nach Hennef.

Konzept und Ausstattung des Notarzteinsatzfahrzeugs ist an allen Standorten gleich.
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„Die Zusammenarbeit läuft reibungslos, es war ein gelungener Start“, lobte er Kreis und Falck. Die Reden waren alsbald gehalten. Doch der Mercedes Vito als Notarzteinsatzfahrzeug mit Allrad-Antrieb, eigentlich sollte er im Mittelpunkt stehen, war nicht da. Dr. Pierrot Kuhn und seine Fahrerin Silke Zeidler waren unterwegs, mussten sogar noch zu einem Folgeeinsatz. Das war vielleicht der beste Beleg für ihre Notwendigkeit.
Mit einstündiger Verspätung, der Landrat war schon auf dem Rückweg, kamen sie zur Rettungswache. Kuhn ist durchschnittlich drei Mal im Monat in Much, dazu macht er Dienste in Eitorf. Das ist eine sehr gute Abwechslung zum Operationssaal, sagte er. Das Bergische Land hat er zu schätzen gelernt ebenso wie die ländliche Bevölkerung, die sich von der städtischen schon unterscheide.
Der Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz des Kreises, Ingo Freier, hatte aktuelle Zahlen besorgt. Im Januar, dem ersten Monat des Betriebs, hatte es 132 Einsätze gegeben, 115 im kürzeren Februar. Er beobachtete eine steigende Tendenz. Michael Moge, Wachbereichsleiter von Falck in Ruppichteroth, vertrat seinen Kollegen Sven Pütz und meinte: So ein Einsatz kann anderthalb bis zwei Stunden dauern. Vier bis fünf Fahrten sind der Schnitt.

In Much wurde der neue Notarzt-Standort offiziell eingeweiht. V.l.: Stefan Müller (Falck), Amtsleiter Ingo Freier, Leiter für Rettungs- und Notfallmedizin, Uni-Bonn, Dr. Ulrich Heister, Bürgermeister Norbert Büscher, Landrat Sebastian Schuster, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Rhein-Sieg-Kreis, Christian Diepenseifen.
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Dabei sei es nicht immer der eigene Rettungswagen. Denn Kuhn und seine Kolleginnen und Kollegen versorgen neben Much auch Neunkirchen-Seelscheid und Ruppichteroth sowie vereinzelte Ortschaften von Lohmar. Dr. Heister und der Ärztliche Leiter des Rettungsdensts, Christian Diepenseifen, gaben noch einen Ausblick auf die sogenannte Tele-Reanimation, die Anleitung zur Wiederbelebung über Telefon aus der Ferne, die 2026 an den Start gehen soll.
Im Grundbedarf des aktuellen Rettungsdienstbedarfsplan sind neun Notarzteinsatzfahrzeuge an neun Vollzeitstandorten, zwischen 35 und 40 Rettungstransportwagen (RTW) sowie 20 Krankentransportwagen im Einsatz, wie Daniel Schneider vom Amt für Katastrophenschutz erklärte.
Die RTW werden nach fünf Jahren oder rund 200.000 Kilometer ausgetauscht. Es gibt allerdings auch Fahrzeuge die bis zu 80.000 Kilometer in einem Jahr fahren, wie etwa in Neunkirchen-Seelscheid. In Wachtberg sind es dagegen „nur“ 35.000 bis 40.000 Kilometer.