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„Rheinbach Classics“14. Auflage lockte Tausende Besucher an

Lesezeit 6 Minuten

Eine Augenweide: 124 Oldtimer fuhren bei der 14. Auflage von „Rheinbach Classics“ durch die Stadt.

Rheinbach – Golden Oldies aus den 50er und 60er Jahren erklangen aus den Lautsprechern, Frauen in Petticoats und Männer mit der typischen Elvis-Tolle und natürlich jede Menge hoch poliertes Chrome mit alten Schätzchen, teilweise über 80 Jahre alt – Rheinbachs Innenstadt verwandelte sich erneut in ein Eldorado für Oldie-Fans. Drei Tage drehte sich alles rund um den Himmeroder Wall um die „Rheinbach Classics“. Tausende Gäste aus ganz Deutschland reisten an um das Oldtimer- und Musikspektakel zu feiern. Die 14. Auflage mittlerweile.

Echte Hingucker gab es bei den Rheinbach Classics.

Zukunft des Oldtimer-Spektakels ungewiss

Ob dies auch die letzten „Rheinbach Classics“ waren, das vermochte Heinz Haubrichs am Samstag nicht zu sagen (die Zusage, dass es weiter geht, kam am Sonntag von Bürgermeister Stefan Raetz; siehe Bericht unten). Denn der 65-Jährige, der gemeinsam mit Jens Hoffmeister und einem Oldtimer begeisterten Team Ende 2005 die „Rheinbach Classics“ ins Leben rief, möchte als Vorsitzender nun aufhören.

Am Samstagmorgen überwogen noch Freude und Erleichterung, dass organisatorisch alles reibungslos geklappt hatte, schilderte Haubrichs, der in Bornheim-Dersdorf wohnt: „Die anderen Mitglieder des Orga-Teams müssen nun entscheiden, wie es weitergeht, erste Gespräche haben wir bereits geführt.“ Namen wolle er aber noch keine nennen. Die Arbeit werde wohl auf mehrere Schultern verteilt.

Und warum hört er auf? „Ich bin jetzt 65, seit März beschäftige ich mich intensiv mit der Vorbereitung, da kommen bis zu 600 Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammen.“ Er möchte sich künftig mehr seiner Familie widmen, mit seiner Frau verreisen und Enkelkinder gibt es mittlerweile auch: „Sie hätten auch gerne mehr von ihrem Opa.“

124 Gefährte bei der Oltimer-Rallye

Oldtimer-Rallye: Im vergangenen Jahr fiel sie aus, das sorgte bei vielen Fans für Kritik, am Samstag fand sie wieder statt: die beliebte Oldtimer-Rallye. 124 Gefährte gaben sich ein Schaufahren auf dem Himmeroder Wall bevor es dann 180 Kilometer von Rheinbach durch die Eifel ging.

Tausende Besucher kamen am Wochenende zu den „Rheinbach Classics“

Als ältestes Schätzchen angemeldet war ein 1934er „Morris 10/6“, schilderte Tobias Zoporowski, Mitglied des Orgateams und Motorjournalist. Ob Bullis, historische Motorräder, ein VW Kübelwagen aus den Siebzigern, diverse Mercedes- oder VW-Modelle aus den vergangenen Jahrzehnten, für jeden dürfte etwas dabei gewesen sein. Fünf Stunden lang fuhren die Oldtimer-Fans quer durch die Eifel, dabei galt es auch die eine oder andere Prüfung erfolgreich zu absolvieren. Etwa einen Gleichmäßigkeitstest, bei dem die Fahrer einen Parcours durchfahren und dabei konstant ihre Geschwindigkeit halten mussten.

Eine Augenweide: 124 Oldtimer fuhren bei der 14. Auflage von „Rheinbach Classics“ durch die Stadt.

Grand amour: Duftender Lavendel, Baguette und Rotwein und die ganz große Liebe („grand amour“) Jacques – ihren „Alten Franzosen“ haben Uschi und Roland Klinkenberg aus Mönchengladbach fest in ihr Herz geschlossen. Sie nahmen zwar nicht an der Rallye teil, ihr pittoresker „Renault Celtaquatre ZR 2“, Baujahr 1934 mit seiner dunkelblauen Karosserie war einer der Hingucker bei den „Rheinbach Classics“. Vor fünf Jahren entdeckten die beiden das Schätzchen in einem Inserat im Internet, machten ihn wieder flott: „Man muss schon selber schrauben können, sonst kann man sich so einen Oldtimer nicht leisten“, erklärte Roland Klinkenberg, der einst als Schlosser arbeitete. Auch mit den Ersatzteilen ist das natürlich so eine Sache, zwei Mal fahren sie beispielsweise nach Reims auf einen Oldtimermarkt, zuletzt im Frühjahr: „Mittlerweile hat Jacques ein Ersatzherz“, so die beiden. Gemeint ist ein zweiter Motor. Für alle Fälle. Ausfahrten machen die Klinkenbergs in die nähere Umgebung. Bei 22 PS unter der Motorhaube kommt man höchstens mit 95 Stundenkilometern voran. Übrigens: Jacques hat auch noch ein „Prinzesschen“, wie Uschi Klinkenberg verriet: Im Alltagsleben fahren die Renault- und Frankreichfans nämlich einen schneeweißen Renault Scenic.

124 Oldtimer fuhren bei der 14. Auflage von „Rheinbach Classics“ durch die Stadt.

Motorgirls in maßgeschneiderten Petticoats

Ohne Motorgirls geht es nicht: Ganz schön fesch präsentierten sich Alina Menzel (22) und die beiden Schwestern Annalena (23) und Kristina (32) Dick im Schatten des Hexenturms am Himmeroder Wall. Seit fünf Jahren sind die drei als Motorgirls mit von der Partie und mit ihren maßgeschneiderten Petticoats im schwarz-weißen Karolook die Aushängeschilder bei den Rheinbach Classics (insgesamt gab es diesmal sieben Motorgirls).

Die Wahl der Miss Petticoat entschieden (Mitte v.l.) Judith Kutzner (3. Platz, Bonn), Miriam Abrahms (1. Platz, Odendorf) und Franziska Meixner (2. Platz, Marburg) für sich.

„Wir sind mit Leidenschaft dabei, mögen die Oldtimer, aber auch die vielen freundlichen Leute, alle sind offen und es herrscht immer wieder eine tolle Atmosphäre“, schwärmte Kristina Dick. Ihr ganz besonderes Highlight: Beim Autocorso am Sonntag durften sie sich auf die Kühlerhauben setzen und durch die Straßen Rheinbachs fahren: „Wenn uns alle zujubeln, fühlt man sich wie ein Star“, schwärmte das Trio.

Mannfred Mann's Earth Band eröffneten die Rocknacht

Classic Rocknacht: Seit 2009 werden die Rheinbach Classics mit der Rheinbach Classics Rocknacht eröffnet. Bonnie Tyler, BAP, Slade, Suzi Quatro oder Albert Hammond rockten bereits die Open-Air-Bühne auf dem Himmeroder Wall. In diesem Jahr gab es gleich zwei Top-Acts, die das Oldtimerfestival eröffneten: Manfred Mann’s Earth Band (bereits vor zehn Jahren bei der ersten Rocknacht dabei) und Glenn Hughes mit seiner „Classic Deep Purple Live“-Show. Hughes war zwischen 1973 und 1976 Bassist und Sänger der legendären Hard Rock-Band.

Schon am Freitag sorgte Manfred Mann’s Earth Band für Stimmung.

Rund 2000 Musikfans erlebten am Freitagabend eine musikalische Zeitreise. Der in Südafrika geborene Manfred Mann, mittlerweile 78, startete seine Weltkarriere in den Sechzigern von England aus mit Klassikern wie „Do Wah Diddy“ und gründete 1971 die Manfred Mann’s Earth Band, die sich vor allem mit ausgeklügelten Interpretationen von Stücken anderer Künstler einen Namen machte, etwa den Megahits „Blinded By The Light“ und „For You“ (beide Bruce Springsteen). Natürlich fehlten diese Hits ebenso wenig wie das im Akustikgewand vorgetragene „You Angel You“ (von Bob Dylan), „Don’t Kill It Carol“ und natürlich der Superhit schlechthin: „Davy’s On The Road Again“, geschrieben von Robbie Roberston. Als Zugabe obendrauf gab es noch den 60s-Hit-Klassiker „The Mighty Quinn“ (im Original ebenfalls von Bob Dylan). Leadsänger Roger Hard, seit 2011 dabei, begeisterte mit seiner kräftigen Stimme ebenso wie die hochkarätig besetzten Instrumentalisten, die, typisch für die Earth Band, mit ihren anspruchsvollen Soli, die Hits bis zu zehn Minuten ausdehnten. Gewohnt zurückhaltend gab sich Gründer Manfred Mann, der sich gerne hinter seinen Keyboards versteckte und nur ein paar Mal den Kontakt zum Publikum suchte.

Rock-Spektakel bis Mitternacht

Nach dem melodischen Progrock der Erdenrocker gab es dann mächtigen Hard Rock auf die Ohren. Glenn Hughes, Jahrgang 1951, ließ die Bässe ordentlich durch die Rheinbacher Nacht hallen und feuerte einen Deep-Purple-Klassiker nach dem anderen ab. Vom gewaltigen Opener „Stormbringer“, über das unvermeidliche „Smoke On The Water“ bis hin zum „Highway Star“ als Zugabe.

Kurz vor Mitternacht gingen alle Rockfans nach vier Stunden zufrieden nach Hause: „Wir sind hier in Rheinbach und nicht in Bonn, hier müssen wir nicht um 22 Uhr aufhören, hier stört sich niemand, wenn die Bands bis Mitternacht spielen“, ließ Tobias Zoporowski noch wissen.