Köln – Das Unverständnis über die Welt hat er sich erhalten, die Begeisterung für den Punk auch. Als Thees Uhlmann sich nach deutlich mehr als zwei Stunden schweißtreibender Arbeit auf die Brust schlägt, die Band feiert und das nasse Haar zurückstreicht, liegt ihm das Palladium zu Füßen.
„Junkies und Scientologen“
Sechs Jahre liegen zurück seit seinem letzten Solowerk, doch mit „Junkies und Scientologen“ hat der 45-Jährige nun endlich das (deutlich reifere) Folgealbum vorgelegt, es ist voll von hymnischen Songs. „Fünf Jahre nicht gesungen“ eröffnet natürlich den Abend im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Palladium, dann „Was wird aus Hannover“ und die Fäuste hoch für „Avicii“: In Jeans-Jacke und T-Shirt spielen sich der Wahlberliner und Band warm.
Der 45-jährige Uhlmann weiß, wie man es krachen lässt.
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Dann wird mit mit hetzenden und frauenverdachten Auftritten aus der der Hip-Hop-Sparte abgerechnet. Uhlmann, Vater einer Tochter, ist längst gefragter Interview-Partner, schließlich hat er mit „Sophia, der Tod und ich“ einen Erfolgsroman vorgelegt und veröffentlicht nun ein weiteres Buch über die Toten Hosen (am 10. Januar Lesung im Gloria). Deren „Liebeslied“ gibt es in der Akustikversion, und nicht ganz überraschend kommt kurz danach BAP-Chef Wolfgang Niedecken für einen Kurzauftritt („& Jay-Z singt uns ein Lied“) auf die Bühne. Beide Musiker schätzen sich seit langer Zeit und statten sich gegenseitig Gastspiele ab.
So richtig Fahrt nimmt der Abend im zweiten Teil auf, mit dem Tomte-Song „Ich sang die ganze Zeit von dir“ werden gefühlt alle Fesseln gelöst. Der Rest ist handgemachter Rock mit Thees-Klassikern wie „Vom Delta bis zur Quelle“ oder „Zum Laichen und Sterben“. Nebenbei wird die Samtgemeinde Hemmoor (aus der der Niedersache stammt) nebst Nachbardorf gefeiert, und am Ende die "Schönheit der Chance“ in sanftes Licht getaucht. Noch ein Frühwerk, das nicht an Größe verloren hat.