Wolfgang Niedecken vor einem Poster der FC-Double-Mannschaft in seinem Flur.
Copyright: Tina Niedecken
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Köln – Im entscheidenden Spiel gegen Schalke 04 muss ein Heimsieg her. Wir haben Fans gefragt:Klappt das? Und wie konnte es so weit kommen? Wo leiden Sie mit?
Abstieg? „Da wird mir Angst und Bange“
„Die Woche war geprägt von absoluter Anspannung. Es geht für den FC ums pure Überleben. Aber ich denke, wir haben sehr gute Chancen, denn die Konkurrenten Bielefeld und Bremen werden ihre Spiele beide nicht gewinnen. Bei einem Abstieg würde es mir Angst und Bange werden. Der Schuldenberg ist eine Hypothek. Und welche Spieler bleiben? Die Niederlage gegen Mainz war symptomatisch für die ganze Saison – geführt und doch irgendwie verloren.
Eine Kerze für den FC entzündet Christoph Doll.
Copyright: Doll
Trainer Markus Gisdol hat am Anfang viel erreicht, zum Ende wirkte alles planlos. Lustige Anekdote: Das ging soweit, dass ein Freund geträumt hat, dass Jürgen Domian neuer Trainer wird. Der Wechsel zu Funkel war mir dann doch lieber, hoffentlich kam er nicht zu spät. An die Geisterspiele werde ich mich nie gewöhnen, das Stadionerlebnis mit Freunden, einem frisch gezapften Kölsch und der sensationellen Stimmung fehlt schon sehr, aber die fehlende Kulisse ist keine Ausrede für die Spieler. Die Qualität für einen Klassenerhalt war vorhanden.“Christoph Doll (40), Fan aus dem Agnesviertel
„Der 1.FC Köln gehört zur gelebten Kultur dieser Stadt dazu. Und ich wünsche dem Club von ganzem Herzen, dass er in der Liga bleibt. Aber ich habe schon vor der Saison einen merkwürdigen Traum gehabt. Ich darf das gar nicht sagen: Aber ich habe geträumt, dass Schalke und Köln absteigen. Vor der Saison! Kein Mensch hat mit Schalke als Absteiger gerechnet. Das gibt mir wirklich zu denken, zumal ich schon zwei Weltmeistertitel richtig geträumt habe.
Tatsächlich wird es für den FC ein sehr, sehr schweres Spiel. Sie haben die ganze Belastung in den Knochen, das fühlt sich für einen Spieler unglaublich schwer an. Die Schalker können dagegen befreit aufspielen, bei denen ist am vergangenen Samstag der Knoten geplatzt, zu spät, aber doch befreiend. Ich denke, man wird in den ersten 15 Minuten sehen, ob es gelingen kann: an der Körpersprache, an dem Auftreten der Mannschaft. Ich hoffe natürlich, dass ich einfach nur schlecht geträumt habe.“
Shary Reeves (52), Ex-Fußballerin und Moderatorin
„Ich glaube ans Team“
„Die Mannschaft ist keine schlechte. Sie hat keinen echten Stoßstürmer, das Problem zieht sich durch die ganze Saison, Jonas Hector hat viel zu lange gefehlt, Florian Kainz war lange nicht dabei. Wir hatten schon die Seuche – wie in der Vorsaison auch. Am liebsten würde ich den Fußballgott auswechseln, der meint es seit längerem nicht gut mit uns.
Trotzdem bin ich von der Mannschaft überzeugt, ich glaube an sie. So ein Tor wie das 2:1 gegen Leipzig, das schießt keine Absteigermannschaft, ich schaue nun wirklich viel Fußball und weiß: Es gibt einige Teams in der Liga, die weniger Klasse haben, ganz bestimmt. Ich kann mich mit den Spielern identifizieren, die haben sich nie hängen lassen. Aber das nützt alles nichts: Nun gibt es nur noch ein Spiel – das müssen wir gewinnen. Ich gehe davon aus, dass wir Schalke schlagen. Ich weiß zwar nicht, warum die plötzlich Frankfurt besiegen können, aber normalerweise müsste das machbar sein. Ich habe allerdings einen Alptraum: Mark Uth schießt uns aus der Liga! Unser früherer Spieler, das darf nun wirklich nicht sein, dann werde ich wahnsinnig. Als wir gegen Schalke zuhause im Pokal ausgeschieden sind vor drei Jahren, stand ich im Palladium auf der Bühne. Das ist doch schon mal ein gutes Vorzeichen: Dieses Mal gucke ich in aller Ruhe zu Hause.“
Wolfgang Niedecken (70), Musiker und BAP-Chef
Empfang vor dem Stadion
„Vor dem Spiel gegen Schalke werde ich mit Freunden unseres Fanclubs vor dem Stadion den Mannschaftsbus empfangen. Wir werden die Junkersdorfer Straße mit Ballons dekorieren und rot-weiße Schirme halten, die alle zusammen den Schriftzug „Come on FC“ ergeben. Zum Anpfiff werde ich dann zu Hause vor dem Fernseher sitzen. Erstmals habe ich beim Spiel gegen Mainz hinter der Südtribüne gestanden – im strömenden Regen. Ich hatte mir vorher extra eine Tröte gekauft, damit man das im Stadion hört. Einige Spieler haben sich sogar bedankt und gewinkt. FC-Profi Marius Wolf hat ein Foto von uns auf Instagram gepostet, das hat mich sehr gefreut.
Die Stadt wirkte in der Pandemie wie im Stillstand, mir war es wichtig, ein Zeichen zu setzen und zum Stadion zu kommen. In den vergangenen Wochen sind es immer mehr Fans geworden. Aber wir halten Abstand und haben sogar Corona-Schnelltests dabei. Der Trainerwechsel hat nochmal Mut gemacht. Friedhelm Funkel ist ein echter Trainerfuchs, der menschlich sehr sympathisch wirkt. Und ich bin überzeugt: Wir bleiben drin!“
„Wir müssen dieses Mal gewinnen, da hilft nun alles nichts mehr. Aber wenn wir das schaffen, wird es auch weitergehen. Dann bin ich sicher, dass wir mindestens den 16. Platz belegen, ich glaube nicht, dass unsere Konkurrenten beide gewinnen. Trainer Friedhelm Funkel hat die Hoffnung zuletzt neu belebt. Er ist erfahren genug, um zu wissen, wie er die Mannschaft ansprechen muss, wer am Samstag seine Nerven im Griff hat. Denn auch darum wird es gehen, vielleicht sogar vor allem. Wir hatten eine ähnliche Situation vor über 50 Jahren: Am letzten Spieltag der Saison 1968/69 mussten wir uns durch einen Sieg gegen den 1.FC Nürnberg retten. Zum Glück hat es geklappt. Wolfgang Overath schoss das erlösende 1:0, am Ende gewannen wir 3:0.“
Wolfgang Weber (76), FC-Legende, Vize-Weltmeister 1966
„Der FC hat es selbst in der Hand“
„Mit meinem Team gebe ich alles, um dem Klassenerhalt des FC den Rasen zu bereiten. Zur Not holen wir die Nagelschere raus. Ich habe nicht nur eine berufliche Beziehung zum Verein, sondern war vorher schon Fan. Vor einem Jahr habe ich ein Spiel der Euroleague-Finalrunde im Stadion erlebt, die Atmosphäre ohne Fans ist absolut traurig. Die FC-Spiele durfte ich pandemiebedingt nicht wie sonst im Innenraum verfolgen, sondern in den Katakomben. Jetzt hat es der FC gegen Schalke selbst in der Hand.“