Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

JubiläumMGV Glessen feiert 150-jähriges Bestehen mit Konzert in Bergheim

Lesezeit 3 Minuten
Das Foto zeigt singende Männer und einen Mann am Klavier.

Intensiv probt der Chor unter seinem Leiter Hans-Josef Pütz im Sängerheim für sein Jubiläumskonzert zum 150-jährigen Bestehen.

Der Chor gilt als besonders innovativ, brach Genre-Grenzen auf und bedient sich ebenso an Schlagern wie an Operetten und Mozart.

Es war im Jahr 1875, als die beiden Männerchöre „Concordia“ und „Cäcilia“ unter den Vorsitzenden Lammert und Linnartz zum MGV Glessen zusammenfanden. Jetzt kann der Chor sein 150-jähriges Bestehen feiern. Er tut das mit einem bereits ausverkauften Konzert, das am Samstag im Pfarrzentrum unter dem Titel „Zeitreise“ auf die jüngere Vergangenheit zurückblickt.

Viel ist nicht überliefert aus den Anfangsjahren. Ein paar Bilder an der Wand des Probenraums erinnern an die klassische Männerchor-Aufstellung im schwarzen Frack, in der die typische Literatur vorgetragen wurde.

Bergheim: Pütz leitet den Chor seit 42 Jahren

Die neue Zeitrechnung beginnt für den heutigen Vorsitzenden Bernd Naumann im Jahr 1983. Da übernahm der Sindorfer Hans-Josef Pütz, damals erst 22 Jahre alt, die musikalische Leitung. Dessen Vorgänger Albert Elbert, damals Organist in Sindorf und später Leiter der Brühler Musikschule, hatte Pütz empfohlen.

„Ich hatte den Chorleiter-Schein neben dem Musikstudium gemacht, um mein Studium zu finanzieren“, erinnert sich Pütz, der bis heute die Sänger dirigiert. „Dass daraus 42 Jahre wurden, hätte ich niemals gedacht.“ Pütz gab dem Chor sein heute bekanntes kölsches Gesicht. Seitdem freuen sich die Glessener auf die jährlichen Konzerte und die Kölsche Weihnacht in ihrem Ort. Dafür hat Pütz kölsche Stücke für Chor gesetzt und klassische und zeitgenössische Literatur mit kölschen Texten gewürzt.

Das Foto zeigt eine Gruppe von Chorsängern in roten Jacketts.

Um die Jahrtausendwende hatte der Chor noch doppelt so viele Sänger. (Repro)

So entstanden Programme mit Schlagern aus den 20er- und 50er-Jahren, aus Oper und Operette, ein Schubert-Liederabend oder das legendäre Konzert „Von Mozart bis Bläck Fööss“ im Jahr 1990. „Aus den Konzerten werden Teile im Jubiläumskonzert wieder erklingen“, verspricht Naumann. Dazu gibt es eine gesungene Vereinschronik, natürlich auch op Kölsch.

Im Dorf war der Chor bei Schützenfesten und im Karneval aktiv. Gleich dreimal, sagt Naumann, stellte der MGV das Dreigestirn in den 1990er- und 2000er-Jahren. Gefeiert wurde der innovative Chor auch für seine Kölsch-Dinner. In Gaststätten in Glessen, Dansweiler, Kirchherten und sogar Köln sang der Chor zu mehrgängigen Menüs, die die Sänger höchstselbst servierten. Bei regelmäßigen Tagesausflügen nach Köln besuchen sie Orte, über die sie bereits gesungen haben, und stimmen dort ihre Lieder auf offener Straße an.

Mitglieder bauten Halle zu einem schmucken Probenlokal um

Viele Jahre lang probte der Chor im Saal Spenrath. 2005 konnte das Ensemble ins Sängerheim an der Brauweiler Straße einziehen. Dort war früher die Feuerwehr und danach das DRK untergebracht. In Eigenleistung haben die Mitglieder die triste Halle zu einem schmucken Probenlokal umgebaut. Hier proben die Sänger aktuell intensiv bei einem Kölsch oder einem Glas Wein für ihren großen, zweieinhalbstündigen Jubiläumsauftritt.

Dass sie kräftig hinlangen können, beweisen sie mit den rheinischen Hymnen. Aber auch leise Tönen treffen die sauber singenden Tenöre und die rund fundamentierenden Bässe. „Wie sull dat nur wigger jonn“ aus dem „Veedel“ kommt bei der Probe noch leicht unsauber daher. „Wie sull dat dann wigger jonn?“ scherzt Pütz und beweist, dass bei der Probe auch gerne gelacht werden darf.

Berührungsängste in den Genres kennen die aktuell 17 Mannen um Pütz nicht. Das kommt nicht nur beim Publikum an. Auch sorgt es immer wieder für neue Mitglieder. „So können wir die Stärke von gut 16 Sängern halten oder gar ausbauen. Und der Chor ist absolut singfähig, da die Stimmlagen gut verteilt sind. Sonst würden wir es nicht machen“, sagt Pütz, dem um die Zukunft trotz der allgemeinen Personalnöte in der Branche nicht bange ist.

Die nächsten Projekte warten bereits: Es wird wieder eine Kölsche Weihnacht in der Pfarrkirche St. Pankratius geben, auch eine Neuauflage des Kölsch-Dinners ist geplant. Aber zunächst gilt es, das Jubiläum gebührend, also singend, zu feiern.