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Debüt-Album von Frank Schätzing„Taxi Galaxi“ ist ein Soundtrack fürs Kopfkino

Lesezeit 4 Minuten
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Jetzt auch Musiker: Frank Schätzing. (Archivbild)

  1. Ab Freitag kann man den Kölner Erfolgsautor von einer ganz anderen Seite kennenlernen: als Sänger, Komponist und Musiker.
  2. Zuvor veröffentlichte er Bestseller wie „Der Schwarm“, „Limit“, „Breaking News“ und zuletzt 2018 „Die Tyrannei des Schmetterlings“.
  3. Fans können eine stilistische Vielfalt von Funk bis Glam Rock erwarten.

Köln – „Jetzt, kurz vor der Veröffentlichung wird’s real, jetzt beginnt es sich toll anzufühlen“, sagt Frank Schätzing. „Plötzlich signiere ich Cover und halte das fertige Produkt in Händen. Drei Jahre hat der Entstehungsprozess gedauert, das war kein Pappenstiel! Meine Frau und ich haben alles selbst produziert, bis hin zum kompletten Artwork – nur den Vertrieb, den übernimmt Sony.“

Am Freitag kann man den Erfolgsautor („Der Schwarm“, „Limit“, „Breaking News“ und zuletzt 2018 „Die Tyrannei des Schmetterlings“) von einer ganz anderen Seite kennenlernen: als Sänger, Komponist und Musiker. An diesem Tag erscheint sein erstes Album „Taxi Galaxi“.

Stilistische Vielfalt

Darauf zu hören sind elf Songs und vier Bonustracks, die stilistisch äußerst vielfältig rüberkommen. Mal orientiert am Gesangsstil von David Bowie („Modern Entertainment“), mal funkig („Perfect Illusion“) oder als Hommage an den Glam Rock der 1970er („The Both We Were“). Stellenweise opulent und episch, dann wieder sehr entspannt. Stücke wie „Hidden Place“, wie „Charlene“ und „Trains“ kurbeln das Kopfkino an, man glaubt, sich in einer Bar zu befinden, in einem Gruselfilm oder unterwegs in einem Waggon, der immer weiter und weiter rollt, ohne jemals anzuhalten.

Zuerst hat Schätzing sämtliche Instrumente (Gitarre, Bass, Keyboards) allein eingespielt, nur unterstützt von seinem Freund Paul Schmitz am Schlagzeug. Als Co-Produzent konnte er den Komponisten und Gitarristen Markus Reuter gewinnen. Auf der Bühne kommt Helmut Krumminga (Wolf Maahn, BAP, Inga Rumpf) hinzu, als musikalischer Direktor und an der Gitarre. Die Liveband wird komplettiert durch Hilde Müller, eine Pianistin aus Mannheim, und die junge Wienerin Julia Hofer (Kontrabass).

Das Kopfradio gab den Takt an

Auf dem Album außerdem dabei: eine Bläserabteilung um den Trompeter Rüdiger Baldauf, die israelische Sängerin Ofrin, Peter- Gabriel-Bassist Tony Levin, King-Crimson-Drummer Pat Mastelotto, Pedal-Steele-Legende BJ Cole und Pianist Mike Garson, der langjährige Weggefährte von David Bowie. „Als ich mit der Produktion begann, hat mir mein Kopfradio exakt vorgespielt, wie alles zu klingen hat. Den Sound habe ich versucht umzusetzen. Mal war ich zufrieden, mal frustriert, und irgendwann kam mir jede Distanz zu den Songs abhanden, weil gefühlt 1000 Mal gehört. Jetzt, wo sich die Scheibe auf dem Plattenteller dreht (Anm. d. Red: außer der CD erscheint auch eine Pressung auf Vinyl) klingt es genau so, wie es soll.“

Davon geträumt, ein eigenes Album zu machen, hat Schätzing schon mit 17: „Aber erst 2015 habe ich mein eigenes Tonstudio gebaut und mich ernsthaft drangesetzt.“ „Taxi Galaxi“ ist nicht nur der Titel des Albums, sondern auch der Name der Band. Schätzing: „Ich verstehe das Ganze als Spaßprojekt in fortlaufender Veränderung. So sind während der Produktion immer neue Musiker dazugekommen, oft ganz ungeplant. Irgendwann hatte ich die Idee, zwei Weltstars zu fragen, und war überrascht, wie schnell die zugesagt haben. Was sicher nicht die Regel ist – aber am ehesten gewinnst du solche Großkaliber, wenn ihnen dein Material gefällt.“

Strikt getrenntes Doppelleben

In den vergangenen 45 Jahren, so sagt der 62-Jährige, habe er Hunderte von musikalischen Skizzen aufgenommen, „jeweils um die 30 Sekunden lang, aus denen sich was machen ließe. Fast fertige Stücke gibt es so 100 bis 150. Die Versuchung, davon etwas zu verwenden, lag natürlich nahe. Aber ich wollte nicht in die Mottenkiste greifen. Ich dachte mir: ,Dafür bist du noch zu jung, Mann – mach was Neues.“

Seine zwei Leben, als Schriftsteller und als Musiker, versucht der Kölner strikt auseinanderzuhalten: „In der Zeit, in der ich Musik mache, interessiere ich mich nicht für Bücher, und ich bringe nichts zu Papier. Musik ist für mich kein Wurmfortsatz des Schreibens, um Texte zu vertonen. Als Musiker geht es mir erst einmal nur um den Klang. Mein Bauch sagt mir, wohin es geht, nicht mein Kopf. Das genieße ich sehr. Die Texte kommen immer erst zum Schluss. Weil man ja über irgendwas singen muss.“„Taxi Galaxi“ erscheint am Freitag im Vertrieb von Sony.