Die Zahlen auf dem Ausbildungsmarkt erholen sich weiter: Nachdem in den Firmen auch wieder Praktika möglich sind, steigt die Bewerber-Zahl.
AusbildungsmarktPositive Tendenz bei Stellen und Azubis in Köln

Der Klassiker: Das Handwerk. Nicht nur hier steigt das Interesse junger Menschen wieder, in einen Ausbildungsberuf einzusteigen.
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Die Zahlen geben Anlass zu Optimismus. 4639 gemeldete Ausbildungsstellen, satte acht Prozent mehr als im Vorjahr. Aber: 3149 davon sind noch unbesetzt, wie Johannes Klapper, Geschäftsführer der Kölner Agentur für Arbeit, betont. Und noch suchen 2318 Bewerberinnen und Bewerber den passenden Betrieb. Was nicht weiter beunruhigen muss, denn die Einstellungen laufen mittlerweile bis in den Herbst hinein und nicht mehr nach traditionellen „Ausbildungsjahren“.
Was ebenfalls auffällt: Bei gut der Hälfte aller jungen Berufseinsteiger liegt der Schulabschluss bereits ein Jahr, manchmal sogar länger, zurück. „Es ist absolut legitim, sich eine Auszeit zu gönnen. Aber es geht natürlich die Sorge um, ob sie dann den Wiedereinstieg hinbekommen. Wer sich jahrelang mit Helferjobs über Wasser hält, für den wird es irgendwann schwierig“, so Klapper.
Ausbildung in Köln: „Corona-Knick“ begradigt sich
Insgesamt aber betonen Arbeitsagentur, Handwerkskammer (HWK) und Industrie- und Handelskammer (IHK) unisono, dass sich der „Corona-Knick“ der letzten zwei Jahre langsam wieder begradigt. Wenn auch der langfristige Trend insgesamt weiter eher nach unten zeigt: Es gibt nach wie vor mehr offene Stellen als Bewerberinnen oder Bewerber, viele junge Menschen setzen eher auf das Studium als auf eine Ausbildung – wobei sich auch das sehr gut miteinander kombinieren lässt.
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Dass die Zahlen wieder ansteigen, hängt nach Überzeugung von Vera Lange – Leiterin Prüfungswesen und Bildungsrecht bei der IHK Köln – und HWK-Geschäftsführer Garrelt Duin wesentlich mit den Praktika zusammen, die nach Corona wieder möglich sind. „Schülerinnen und Schüler können sich wieder ein viel besseres Bild von den Aufgaben und Anforderungen der dualen Ausbildung machen“, sagt Lange.
Köln: Zu wenig Frauen im Handwerk
Was gut nachzuvollziehen war bei Tanja Lopatnic und Jan Ahlert, Auszubildende bei Fogtec an der Schanzenstraße, wo die Präsentation der aktuellen Zahlen stattfand: Beide kannten das genaue Portfolio des Unternehmens vorher nicht, waren aber über das Praktikum sofort überzeugt vom Team und vom Einsatzzweck. Heute sind sie froh, bei einem Weltmarktführer arbeiten zu können – Fogtec stellt Hochdrucksysteme zur Brandbekämpfung in Schienenfahrzeugen, Tunneln und Gebäuden – überall, wo der Bauraum zu begrenzt ist für konventionelle Lösungen wie Sprinkleranlagen.
Mit diversen Aktionen, etwa einer Infobörse zur Logistikbranche, zu Pflegeberufen, mit Speed-Datings und Schulhof-Tourneen, versuchen Kammern und Arbeitsagentur, jungen Menschen in den nächsten Wochen und Monaten die duale Ausbildung schmackhaft zu machen. Was auch versucht wird, ist junge Frauen für Handwerk und Industrie zu begeistern. „Da herrscht immer noch ein Verhältnis von Dreiviertel zu einem Viertel“, erklärt Duin.