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FC-Trainer vor Spiel gegen MainzMarkus Gisdol geht gelassen in sein Endspiel

Lesezeit 5 Minuten
Gisdol mit ernster Mine

FC-Trainer Markus Gisdol

Köln – Vielleicht ist es die Erfahrung mit dieser Situation umgehen zu können. Vielleicht liegt es auch einfach nur im Wesen von Markus Gisdol. Der einzige öffentliche Auftritt des Trainers des 1. FC Köln vor seinem persönlichen Endspiel in der Fußball-Bundesliga am Sonntag (18 Uhr/Sky) gegen den 1. FSV Mainz 05 war auf jeden Fall ein Lehrbeispiel für all jene, die wissen wollen, wie man gelassen bleibt, obwohl der persönliche Druck kaum auszuhalten ist. Eines ist nämlich sicher: Gewinnt der 1. FC Köln das Kellerduell am 28. Spieltag nicht, ist Gisdol sofort seinen Job los. Der Trainer am Geißbockheim heißt dann ab Montag Friedhelm Funkel.

Der 51-jährige verschwendet seine Zeit nicht an solche Gedanken: „Ich versuche, mich von diesen Dingen freizumachen und mich auf die Arbeit mit der Mannschaft zu konzentrieren.“ Der Schlagzeilen-Hagel in dieser Woche war so weit gegangen, dass die Diskussion über einen neuen FC-Trainer nach der Saison bedeutsamer schien als das richtungsweisende Spiel gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Steffen Baumgart soll ein Kandidat für die Nachfolge von Gisdol oder Feuerwehrmann Funkel sein, weil er seinen auslaufenden Vertrag bei Zweitligist Paderborn nicht verlängert hat und ein interessantes Profil besitzt. Auch Torsten Fink wird gehandelt. Dem Ex-Bayern-Profi und Ex-HSV-Coach hat der FC für diese Saison aber schon vor dem 0:1 in Wolfsburg abgesagt, weil er gleich einen Vertrag bis 2022 gefordert hatte.

Gisdol war zum Scherzen aufgelegt

Aktuell hat weiter Markus Gisdol das Sagen und so begrüßte er am Freitagmittag in der virtuellen Pressekonferenz die Medienvertreter höflich und beantwortete alle Frage mit gebotener Freundlich- und Sachlichkeit. Und nicht nur das: Gisdol war sogar zum Scherzen aufgelegt, als er gefragt wurde, wie es denn so mit der von Sportchef Horst Heldt angekündigten Abschottung der Mannschaft in dieser Woche geklappt habe. „Da musste ich schon schmunzeln. Abschottung in Köln heißt, dass du hinter dem Zaun trainierst und die Journalisten auf ein Podest steigen und filmen. Jeder kann zuschauen und filmen“, sagte der Schwabe. Seine persönliche Abschottung in Köln gegen den Druck von außen gelingt da schon deutlich besser.

FC in der Bundesliga noch ohne Heimniederlage gegen Mainz

9 Heimspiele hat der 1. FC Köln bislang in der Fußball-Bundesliga gegen den 1. FSV Mainz 05 bestritten – und noch nie verloren. Gegen die Mainzer, die von 2004 bis 2007 unter Trainer Jürgen Klopp Bundesligist waren und es seit ihrem zweiten Aufstieg 2009 durchgehend sind gab es in Müngersdorf fünf FC-Siegen und vier Unentschieden. In der vergangenen Saison mussten sich die Kölner nach einer 2:0-Führung mit einem 2:2 begnügen. Es war das erste Corona-Geister-Heimspiel der Geißböcke.

Das Hinspiel in dieser Saison gewann der FC durch ein Tor von Elvis Rexhbecaj mit 1:0. Nach der Hinrunde lag das Team von Trainer Markus Gisdol noch acht Punkte vor den 05ern. Unter Bo Svensson, der als vierter Trainer der Saison 20/21 die Mainzer am 15. Spieltag übernahm, haben die Rheinhessen in 13 Spielen 19 Punkte geholt. Mit 18 Zählern stehen sie in der Rückrundentabelle auf Rang fünf.

Der FC rangiert dort mit 8 Zählern auf Platz 15, hat also zehn Punkte auf die Mainzer verloren. Was allerdings auffällt: Der 1. FSV hat in dieser Saison noch kein Duell mit einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf für sich entscheiden können. Gegen Schalke, Bielefeld, Hertha BSC und den FC gab es in bislang sechs Partien vier Remis und zwei Niederlagen. (sam)

Über den Zaun am Geißbockheim hinweg war zu erkennen, dass Gisdol und seine Team konzentriert gearbeitet haben, ohne Außergewöhnliches zu veranstalten. Es gab auch Infos zum Personal: Während Jan Thielmann am Sonntag wegen einer Muskelverletzung fehlen wird, stehen Sebastiaan Bornauw, Florian Kainz und Sebastian Andersson vor ihrem Startelf-Comeback. „Alle drei könnten mehr Einsatzzeiten bekommen. Es sieht gut aus. Wir haben dadurch mehr Alternativen und Qualität“, freute sich Gisdol und fügte an: „Wir haben das klare Ziel, gewinnen zu wollen. Das Team hat die Einheiten sehr gut absolviert. Aber das Spiel ist natürlich eine besondere Herausforderung.“ Der Druck ist da, die Konsequenzen liegen auf dem Tisch. Dem FC droht ein Trainerwechsel und im Falle einer Niederlage ein Rückstand von fünf Punkten auf die stabilen Mainzer. „Es ist kein Endspiel, aber es ist ein verdammt wichtiges Spiel“, beschrieb Horst Heldt die Bedeutung: „Danach geht es aber intensiv weiter. Mit einem Sieg sind wir nicht gerettet. Sollte es anders verlaufen, müssen wir uns aber auch noch keine Zugfahrkarten für die 2. Liga kaufen.“ Eine Einschätzung, die Bo Svensson teilt. Der Mainzer Trainer spielte die Bedeutung des Duells angesichts sechs weiterer Spieltage herunter und sprang seinem Kollegen Gisdol angesichts der Thematik um den drohenden Jobverlust zur Seite: „Das Thema ist für uns nicht relevant. Die ganzen Schlagzeilen sind aber sicher nicht das Angenehmste für einen Trainer.“

Gisdol kennt auch Schlimmeres

Der Schwede hat sicher recht, Markus Gisdol war am Freitag von irgendwelchen Auswirkungen der Unannehmlichkeiten aber nichts anzumerken. Er hat auch schon Schlimmeres erlebt. Etwa in Hamburg, als er nach einem Spiel auf dem Weg zur Pressekonferenz von Sportdirektor Jens Todt einfach im Vorübergehen entlassen wurde.

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„Mainz ist ein Spiel auf Augenhöhe. Wir orientieren uns an der Leistung gegen Wolfsburg und wollen noch das Quäntchen, also Torerfolge , dazu bringen“, zeigte sich der FC-Coach optimistisch. Auch, weil er seine Mannschaft wie seinen anderen Endspielen gegen Dortmund oder Schalke weiter hinter sich weiß. „Wir werden uns optimal auf den Gegner vorbereiten und mit einem klaren Plan in das Spiel gehen“, erklärte Rafael Czichos gegenüber dem „Geißbockecho“. Der 30-jährige FC-Innenverteidiger bringt auch ein sicheres Gefühl für einen erfolgreichen Sonntag ins Rheinenergiestadion mit: „Ich habe schon mal gesagt, dass ich in meiner Karriere nie abgestiegen bin und das nicht erleben will. Dabei bleibt es auch.“

Voraussichtliche Aufstellungen: Köln: T. Horn; Ehizibue, Bornauw, Czichos, Jakobs; Skhiri, Hector; Wolf, Duda, Kainz; Andersson. – Mainz: Zentner; St. Juste, Bell, Niakhate; Brosinski, Mwene ; Kohr; Barreiro, Boetius; Glatzel, Quaison.