In Windeck-Au kann eine neue Begegnungs- und Kulturstätte entstehen. Gemeinde, Bahn und der Verein „Kulturhafen Au“ ziehen dafür an einem Strang.
Projekt „Die Station“Verwaister Bahnhof in Windeck steht vor der Wiederbelebung

Das Bahnhofsgebäude in Au/Sieg soll wieder mit Leben erfüllt werden. Den roten Teppich zum Portal hatte der Kulturhafen Au am 1. April ausgerollt.
Copyright: Sylvia Schmidt
Außen die rot-verblasste Fassade, innen kahle Räume. Das Bahnhofsgebäude in Au/Sieg ist sichtlich verwaist. Vor mehr als 20 Jahren hat die Gaststätte geschlossen, Ende Dezember 2021 der Schalter. Versuche, wenigstens eine öffentliche Toilette zu erhalten, scheiterten. Bahnreisende, die mal müssen, stranden nicht selten im gegenüber liegenden Haus beim „Kulturhafen Au“. Ein gemeinnütziger Verein, der die zentrale Rolle bei der bevorstehenden Wiederbelebung des alten Bahnhof-Empfangsgebäudes spielt.
Ein „Wohnzimmer“ für Bewohner des Ortes und Pendler
Verein, Deutsche Bahn und die Gemeinde Windeck ziehen für das Projekt „Die Station“ an einem Strang. Im Erdgeschoss des Bahnhofs soll eine Begegnungsstätte mit Café entstehen, ein offener Treffpunkt, eine Art „Wohnzimmer“ sowohl für Ortsbewohner als auch für Pendler, die verweilen wollen. Kulturelles, wie Lesungen, Konzerte oder Filmvorführungen, gehört ebenso zum Konzept.

Schon seit langer Zeit sind die Türen des Empfangsgebäudes geschlossen.
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Ermöglicht wird die „Station“ durch ein Konstrukt von Kooperationen und Fördermitteln. Die Bahn ist bereit, ihr Gebäude der Gemeinde 36 Monate mietfrei zur Verfügung zu stellen. Der „Kulturhafen“ wird Untermieter und muss auch keine Miete zahlen. Die Kommune übernimmt die Nebenkosten, die sie mit Geld aus einem Zuschuss decken kann. Im Rathaus liegt die Zusage für 156.000 Euro aus dem Bundestopf „Soziale Dorfentwicklung“ vor. Der gemeindliche Eigenanteil beträgt lediglich 19.000 Euro.
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Zuschüsse von Bund und Land ermöglichen die Wiederbelebung des Bahnhofs
Auch der „Kulturhafen“ darf mit einer Förderung rechnen. Am Montag ging der Antrag auf 450.000 Euro an das Land NRW, das unter dem Titel „Dritte Orte“ ein Programm für „Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ aufgelegt hat. Die einjährige Konzeptphase für die „Station“ in Au ist gerade abgeschlossen, Mitte April entscheidet eine Jury über den Eintritt in die Umsetzung.
Das ist eine Win-Win-Win-Situation
„Das ist eine Win-Win-Win-Situation“, sagt Vereinsmitglied Anna Mauersberger. Will heißen: Gemeinde, Bahn und die Ortschaft Au profitieren von dem Projekt. Das wird auch im Gemeinderat so gesehen. In der Ratssitzung am Dienstag begrüßten die Kommunalpolitiker das Projekt. „Je belebter ein Bahnhof ist, desto sicherer ist er“, sagte Ruth Bönisch (Grüne). Die Wiederbelebung sei erstrebenswert, pflichtete Dirk Bube (SPD) bei, und auch Rolf Heuser (CDU) signalisierte Zustimmung zu einem Unterstützungsbeschluss für den „Kulturhafen“.
Für die Kommune ergeben sich weitere Vorteile, wie der Beigeordnete Thomas Becher erläuterte. So wird der Bahnhof künftig als Anlaufstelle für den Bevölkerungsschutz in Notfällen dienen. Im Osten des Gemeindegebiets wird ein solcher Leuchtturm-Standort benötigt.
Ein Quartiersmanager der Gemeinde zieht mit ein
Außerdem erlaubt die „Station“, vertraglich abgesichert, die Einsetzung eines Quartiersmanagements. Für eine Kraft, die vor Ort unter anderem das ehrenamtliche Engagement unterstützen soll, ist ein großer Teil des Bundeszuschusses vorgesehen. Nicht zuletzt verspricht sich die Gemeinde von der Neunutzung, dass die Deutsche Bahn das ortsbildprägende Gebäude nicht weiter verkommen lässt, sondern in den Erhalt investiert.

Vom „Kulturhafen Au“, der gegenüber dem Bahnhof sein Domizil, geht die Initiative für die „Station“ aus.
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In der Ratssitzung wurden mögliche Risiken abgeklopft. Der Vertrag mit der Bahn sieht vor, dass die Gemeinde nach 36 Monaten ein einseitiges Recht auf Verlängerung des Mietverhältnisses von zweimal fünf Jahren hat. Sollte die Bahn dann eine Miete verlangen, kann diese vom Untermieter eingefordert werden. Der einhellig gefasste Unterstützungsbeschluss für den „Kulturhafen“ berge keinerlei Risiko für die Gemeinde, versicherte Bürgermeisterin Alexandra Gauß.
Was den Gebäudezustand betrifft, äußerte sich Becher zuversichtlich. „Die Heizung funktioniert, das Abwasser läuft ab, wir beginnen da nicht mit einer Generalsanierung.“ Für Renovierung und Umbauten im Haus stehen 69.000 Euro aus dem Zuschuss bereit.
Dass auf den 280 Quadratmetern jede Menge zu tun ist, bevor man sich dort im Auer „Wohnzimmer“ wohlfühlen kann, ist auch den Macherinnen und Machern im „Kulturhafen“ klar. Bis zu einem Drittel der Fördersumme für „Dritte Orte“, also 150.000 Euro, dürfen in die Herrichtung gesteckt werden. „Damit kommen wir nicht aus“, weiß Anna Mauersberger, „aber wir haben ein gutes, erfahrenes Team, wir machen viel in Eigenleistung.“
Noch keine Lösung im Bahnhof Herchen
In der Ratssitzung kam das ungenutzte Bahnhofsgebäude in Herchen zur Sprache. Ruth Bönisch (Grüne) fragte, ob dort nicht auch ein Projekt wie in Au möglich sei. „Ja, der Bahnhof Herchen tut weh“, antwortete Bürgermeisterin Alexandra Gauß. „Wir haben schon mehrfach versucht, Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen, aber da scheint kein Interesse daran zu bestehen, mit der Gemeinde etwas aus dem Bahnhof zu machen.“
In Schladern ist nicht zuletzt dank eines privaten Investors ein Vorzeige-Bahnhof nebst Café entstanden. Der Eigentümer in Herchen hatte zuletzt Pläne für eine Pizzeria und Wohnungen. Bürgermeisterin Gauß erklärte im Rat, dass die Deutsche Bahn mittlerweile davon abgekommen sei, ihre Bahnhofsgebäude zu verkaufen. In der Vergangenheit habe es die Möglichkeit gegeben, den Bahnhof in Au für einen Euro zu kaufen. Für Umbau und Sanierung wären dann freilich Millionen nötig gewesen.