Steigende Einkaufspreise und Energiekosten: Wir haben uns auf dem Bergisch Gladbacher Weihnachtsmarkt bei den Marktbeschickern nach ihrer Situation erkundigt.
Sparen, wo es gehtWie Marktbeschicker in Bergisch Gladbach mit der Energiekrise umgehen

Ellen Schwarz ärgert sich über die gesunkene Qualität der Verpackungstüten.
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Die Marktbeschicker auf dem Bergisch Gladbacher Weihnachtsmarkt haben es derzeit auch nicht leicht: Auch für sie sind die Einkaufspreise gestiegen, teilweise sind benötigte Waren knapp und nur schwer zu bekommen, und zudem heißt es auch noch, Energie zu sparen, wo immer das geht, damit die Abrechnung am Ende der Weihnachtsmarkt-Zeit nicht ein böses Erwachen wird.
Am Reibekuchenstand von Achim Wiehlpütz, der wie immer viele Hungrige anlockt, berichtet Mitarbeiterin Gerda Eberhard, dass die Preise für die heißen Kartoffelplätzchen in diesem Jahr erhöht werden mussten – die Kartoffeln sind eben teurer geworden. Gespart wird auch: Die Glühlämpchen, die als Dekoration am Stand und den überdachten Imbisstischen hängen, sind in diesem Jahr kleiner als gewohnt, das senkt die Stromrechnung.
Bergisch Gladbach: Keine Änderung am Maronenstand
Bei Klaus Zweiger hingegen, am Maronenstand, ist alles geblieben wie es war: Die heißen Maronen kosten das gleiche, und auch bei den Energiekosten rechnet Zweiger mit ähnlichen Beträgen wie im Vorjahr. Nebenan, am großen Bonbonstand, klagt Ellen Schwarz über höhere Preise und darüber, dass einige Sorten Bonbons nicht zu haben sind. „Lakritzbonbons zum Beispiel können wir im Augenblick einfach nicht bekommen“, sagt die Verkäuferin. An der Qualität gespart hat ihrer Meinung nach der Hersteller der Tüten, in die die abgewogenen Süßigkeiten verpackt werden: „Die sind einfach qualitativ nicht so gut“, berichtet Schwarz.
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Energiesparmaßnahmen haben auch die Betreiber des Süßigkeitenstands ergriffen, um einer bösen Überraschung zu entgehen. Ellen Schwarz: „Wir haben nur noch ein Drittel der Strahler, und sind außerdem dabei, auf LED-Birnen umzurüsten. Die Heizung am Stand bleibt aus, und wir versuchen, aus Leverkusen Fahrgemeinschaften zu bilden, um Sprit zu sparen.“

Mario Timm (r.) und sein Team auf dem Bergisch Gladbacher Weihnachtsmarkt.
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Mario Timm, der gerade eine Tüten mit gebrannten Mandeln über die Theke reicht, sagt, dass bei Zuckerwatte und gebrannten Mandeln die Rohstoffbeschaffung noch funktioniert, anders sehe es, so der Verkäufer im Süßwarenstand, bei Artikeln von Haribo aus, das sei schon schwieriger. Doch die Rohstoffpreise hätten sich um 30 bis 35 Prozent erhöht, schildert Timm, die Energiepreise noch drastischer, um 50 Prozent seit der Kirmes im Sommer, als Timm zuletzt in Bergisch Gladbach war.
„Und was nächstes Jahr wird, weiß man ja auch nicht“, sagt Mario Timm, dessen Maschinen für die Zubereitung von gebrannten Mandeln oder Zuckerwatte alle Strom benötigen.
Gespart wird am Stand bei der Beleuchtung, auch Zuckerwatte und gebrannte Mandeln werden unter LED-Beleuchtung verkauft. Leuchten aber muss der Stand auf jeden Fall, sagt Timm: „Sonst gibt es kein Flair und dann auch keinen Verkauf.“

Stefan Reinhard zahlt viel für Obst
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Stefan Reinhard, der ein Stück weiter auf dem Weihnachtsmarkt Churros und in Schokolade getauchte Erdbeeren und anderes Obst verkauft, ächzt unter den hohen Preisen für Obst und klagt über Lieferschwierigkeiten: „Manche Sachen gehen aus und man bekommt nichts mehr“, sagt der Standbetreiber, der auch bei der Energie nicht viel einsparen kann: Die Wärmebäder müssen ja laufen, damit die Schokolade flüssig bleibt. „Das läuft alles weiter wie normal“, sagt Stefan Reinhard. Auf eine Heizung im Stand verzichtet er, für einen Gasofen, sagt Reinhard, sei der Stand auch zu schmal.

Alexander Timm und Peter Germerodt zahlen mehr für den Glühwein.
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Der Glühwein ist in diesem Jahr auf dem Weihnachtsmarkt einen Euro teurer geworden – wegen gestiegener Rohstoffpreise, berichten Alexander Timm und Peter Germerodt, die das heiße Getränk ausschenken. „Alles ist teurer“, sagen die Getränkeverkäufer und verweisen darauf, dass die Lampen draußen erst um 16 oder 16.30 Uhr eingeschaltet würden und sie auch weniger Lichterketten aufgehängt hätten. Auch auf eine Standheizung verzichtet das Team aus Energiespargründen
Die meisten Standinhaber auf dem Weihnachtsmarkt sind dennoch ganz zufrieden mit ihren Umsätzen, Hans-Herbert Timm, der das Kinderkarussell betreibt, allerdings nicht: „Es läuft verhalten“, sagt er, „man merkt, dass die Leute sparen.“ Ein Grund, warum sich das Karussell an diesem Mittag noch nicht dreht und auch keine bunten Lämpchen leuchten. Der andere ist die Sorge der Schausteller, dass die hohen Energiepreise ihnen nach dem Ende des diesjährigen Weihnachtsmarktes den Gewinn aus mehreren Wochen Arbeit auffressen könnten.