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Haribo TauschtagKiloweise Süßes für Rheinbacher Kastanien

Lesezeit 4 Minuten
Niko aus Frechen  mit Vater Torsten Schröder

Niko aus Frechen mit Vater Torsten Schröder 

Regenwetter machte es trotz der Herbstferien in Rheinland-Pfalz möglich: In weniger als einer halben Stunde tauschten Kinder, Eltern und und Großeltern bei Haribo in der Grafschaft Kastanien und Eicheln gegen Süßes - auch aus Rheinbach und Altendorf-Ersdorf.

Als sich am Werk von Haribo in der Gemeinde Grafschaft um 7 Uhr das Tor zur „Kastanienrettung 2023“ öffnet, strömt schon eine Fülle von Wartenden in die Gasse aus Bauzaungittern. Sie haben Kastanien und Eicheln zum Tausch gegen Süßwaren im Gepäck. Der Wechselkurs kennt keine Inflation: Zehn Kilo Kastanien ergeben ein Kilo Süßes, fünf Kilo Eicheln ebenso. Haribo verteilt die Baumfrüchte an Tierparks und Zoos.

Familie Tschammer aus Rheinbach mit der sechs Jahre alten Tochter Judith ist bestens vorbereitet. Vater Andreas (56) hat genau im Blick, was der Bollerwagen trägt und schützt die Kastanien mit großen Müllbeuteln vor dem Regen. 160 Kilogramm hatte er gewogen, Ehefrau Ruth (48) legt noch einen spontan gefüllten Beutel mit Kastanien obendrauf:  „Den Rest haben die Kinder gesammelt, die Judith aus Kindergarten, Schule und Nachbarschaft kennt. Sie sind aufgeregt, ob jeder ein Kilo bekommt.“

Andreas und Ruth Tschammer aus Rheinbach

Andreas und Ruth Tschammer aus Rheinbach

Auf was sie sich freuen? „Also, Lakritz mag keiner von ihnen“, sagt Ruth Tschammer. Im Freundeskreis sei auch ein muslimisches Kind, dem sie, falls nichts in der Zufallsmischung sei, noch etwas aus dem Shop am Werk besorgen würde. Es gibt auch einen Notfallplan, für den Fall, dass Warten Stunden dauern würde, wie in früheren Jahren: „Dann würden wir die Kastanien selbst nach Hellenthal ins Wildgehege bringen, denn sie sind ja ohnehin als Tierfutter gedacht.“ Die einjährige Tochter ist auch dabei: „Sie hat schon in den Kastanien gelegen wie im Bällebad.“

Steffi (35) und Nils (38) Kühle aus Ersdorf haben es mit Sohn Elias (3) und ihrer Schubkarre voller Kastanien schon bis zu Waage drei geschafft. Fünf Stationen gibt es, zwei nehmen Eicheln an. „9.55 bis 10.18, das war schnell“, stellt der Vater mit einem Blick auf die Uhr fest. „Wir mussten mit einem zweiten Auto kommen, weil sonst das Kind nicht reingepasst hätte“, erklärt er schmunzelnd.

Steffi und Nils Kühle aus Altendorf-Ersdorf mit Elias

Steffi und Nils Kühle aus Altendorf-Ersdorf mit Elias

Die Kühles haben unter den beiden Kastanien im eigenen Garten gesammelt und im Ort. „Am Schützenhaus sind wir angemotzt worden, aber dort ist es auch eingezäunt. Auskippen musste ich den Beutel aber nicht“, berichtet der Vater. Die Beute gehört allein Elias. Mit seinem Bruder muss er nicht teilen, denn der ist noch so klein, dass er von Milch allein lebt. „Es hätte mehr sein können“, bedauert sein Vater: „Auf der Fußbodenheizung sind die Kastanien von 108 auf 85 Kilogramm geschrumpft.“

Wiegeresultat für Bettina Milka aus Zülpich und ihre Schwester Nicole

Wiegeresultat für Bettina Milka aus Zülpich und ihre Schwester Nicole

Bettina Milka (39) aus Zülpich und ihre Schwester Nicole Milka-Wolf (41) sind nach dem Wiegen angenehm überrascht. 251 Kilogramm laut Wiegebon übertrifft ihre Erwartung. „Die Süßigkeiten werden wir der Roma Kinderhilfe schicken“, sagt die jüngere Schwester.

Niko Schröder (7) ist noch nicht dran. Der Junge aus Frechen, dessen Vater Torsten (47) sich extra als Selbstständiger im Bereich Messebau ein paar Stunden für den Sohn freigeschaufelt hat, übt sich noch ganz hinten in der Warteschlange in Geduld.  Er hat viel zu tauschen dabei, was Oma, Opa, Mamma und Papa mitgeholfen haben, einzusammeln: 99 Kilo Kastanien.

Spiel und Waldaufklärung in der Wartezone

In der Spielzone haben Leo (5) und Elli (4) mit Mutter Rebecca (36) aus Heimbach nun genug am Glcksrad gedreht und sind Karussell gefahren. Die gewonnenen Gummibärchen sind aufgefuttert, nun geht es wieder zu Vater Sebastian (38) und den 120 Kilo Kastanien, für die sieben Kinder gesammelt haben. Das Spielen hat die Wartezeit deutlich verkürzt. 

Theresa Funck aus Bonn von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bringt in der Wartezone gerade dreijährigen Zwillingen aus Köln etwas über Kastanien bei. Lui hat sich ein Eichhörnchen aufs Andenkenamulett aus Holz gestempelt, sein Bruder Elia einen Igel. Tipps zur Kastanienrettung gibt es auch im Internet.

Haribo Kastanienrettung 2023 Oma Jutta aus Keidelheim mit Tochter Julia und den Enkeln Isi, Eni und Titus an der Warenausgabe

Haribo Kastanienrettung 2023: Oma Jutta aus Keidelheim mit Tochter Julia und den Enkeln Isi, Eni und Titus an der Warenausgabe

Mancher ist noch von weiter her angereist: Oma Jutta (62) aus Keidelsheim im Hunsrück mit Tochter Julia (32) aus Keidelsheim hat drei Enkel dabei: Isi (8), Eni (10) und Titus (3), zwei davon aus Tellig bei Zell an der Mosel. Aus Nachbars Garten haben sie 15 Kilogramm Kastanien in Säcken dabei.

Den kürzesten Weg hatte sicher Sinja Barać (viereinhalb) aus Beller, dem Nachbarort zum Haribo-Werk. Sie war mit der Mutter, die aus Neunkirchen-Seelscheid stammt, zu Fuß zum Tauschtag gekommen.

Haribo Kastanienrettung 2023 Aus Beller zu Fuß, Mutter aus Neunkirchen-Seelscheid

Haribo Kastanienrettung 2023 Aus Beller zu Fuß, Mutter aus Neunkirchen-Seelscheid

Alle haben sich mit der Kastanienrettung befasst. „Die weißblühende Rosskastanie wird immer häufiger krank“, erklärte ein Unternehmenssprecher: Ihnen setzt die Miniermotte zu und das Pseudomonas-Bakterium.


Die Tauschaktion findet auch noch am 21. Oktober von 7 bis 16 Uhr bei Haribo, Dr.-Hans-und-Paul-Riegel-Straße, in der Gemeinde Grafschaft (Kreis Ahrweiler) statt.