ERFTSTADT.„Das schaffst Du nie“, prophezeite ihm sein Vater, als Eberhard Gerstein 1982 die Oebelmühle erwarb. Zehn Jahre immerhin hat es gedauert, bis der Zahnarzt einziehen konnte; inzwischen ist aus dem denkmalgeschützten Vierkanthof längst eine schmucke Wohnanlage geworden.
Ein Bekannter hatte den in Bonn lebenden Mediziner auf das Anwesen aufmerksam gemacht, denn Gerstein suchte seit langem in der Eifel nach einem alten Hof. Als er das Ensemble aus Mühlenhaus mit angebautem Wohnhaus und Wirtschaftsgebäuden sah, griff er sofort zu. „Die Bausubstanz war gut, nur das Dach war marode“, erzählt der 58-Jährige.
Also erneuerte Gerstein zunächst die Dachstühle und deckte die Dächer mit neuen Tonschindeln ein. „Ich habe so gebaut, wie ich Geld hatte. Deshalb konnte ich auch immer ruhig schlafen“, schmunzelt er. Die letzte der insgesamt sechs Wohnungen ist deshalb auch erst zwanzig Jahre nach dem Kauf fertig geworden.
Wenn sich das große Tor öffnet, hat man einen freien Blick auf den idyllischen Hof, dessen Mittelpunkt ein Rondell aus bunten Blumen und kleinen Bäumen ist. Eberhard Gerstein hat den berühmten „grünen Daumen“ von der Mutter geerbt. Auch den großzügigen Garten hat er mit Buchsbaumhecken und Rosen zu einem kleinen Paradies umgestaltet. „Als der Schutt weg war, kamen die Pflanzen“, sagt der Besitzer stolz.
Die grüne Oase ist beliebter Treffpunkt der bunt zusammengewürfelten Bewohner, die sich prächtig verstehen und gerne mal spontan einen gemeinsamen Grillabend oder ein großes Essen organisieren. Die großzügige Küche im ehemaligen Mühlenhaus, die der Eigentümer mit zahllosen Sammlerstücken ausgestattet hat und die den Mietern für Feiern zur Verfügung steht, bietet da ideale Möglichkeiten. Von hier gelangt man in einen luftigen Wintergarten mit einem langem Tisch, der auch großen Gesellschaften ausreichend Platz bietet.
Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Mühle über Generationen im Besitz der Familie Oebel, die die Wassermühle als Getreidemühle betrieb. 1972 wurde der Mühlenbetrieb wegen Unrentabilität eingestellt. Die Mühleneinrichtung aber ist erhalten geblieben und verleiht den Räumen den ganz speziellen Charme.
Gerstein ist bei der Restaurierung behutsam vorgegangen. „Das Alte erhalten, ohne große Eingriffe in die Bausubstanz zu tätigen“, hieß sein Leitmotiv. Dass bedeutet nicht, dass er auf modernen Komfort verzichtet hat. An die Küche schließt sich ein modernes Bad an; die alte Badewanne hat Gerstein aus England kommen lassen, den Waschtisch bekam er geschenkt.
Der Junggeselle selbst begnügt sich mit einer kleinen, behaglichen Wohnung, die er mit alten Möbeln aus Familienbesitz eingerichtet hat. Im größten Raum hat er sich einen Arbeitsplatz eingerichtet, hier macht es sich auch Sonny, die Australian Shepherd-Hündin, gern zu Füßen ihres Herrn gemütlich.
Keine der Wohnungen auf dem Gelände gleicht der anderen, jede hat einen ganz individuellen Zuschnitt und einige erstrecken sich über mehrere Ebenen. „Gelsenkirchener Barock passt hier nicht hinein“, sagt Eberhard Gerstein mit Blick auf die weißen Wände, auf die ein Industrieputz aufgebracht wurde. Markant sind auch die alten Deckenbalken, die den Räumen ein rustikales Aussehen verleihen. Kein Wunder, dass immer mal wieder Leute anklopfen und sich auf die Warteliste für die hochbegehrten Wohnungen setzen lassen. Auch vor der Tür sprießen Blumen in alten Steintrögen.
„Mein Tusculum“ nennt Gerstein sein Anwesen. Er genießt das intensive Hofleben in der Oebelmühle, die er bei Veranstaltungen wie der „Lechenicher Lesenacht“ gern auch einem breiten Publikum öffnet. „Das war eine wunderbare Aktion; am Vorabend hat Burkhard Driest noch lange hier am Tisch gesessen“, lobt Gerstein, der sich auch in der Lechenicher Bürgergesellschaft engagiert.