Autofreie Zone und Hilferufe der Lanxess-Arena: Vorträge im Wirtschaftsausschuss sorgen für Diskussionen um das Modellprojekt in Deutz und um den Umbau der Gummersbacher Straße.
Frust in Köln-DeutzÄrger um Deutzer Freiheit und Gummersbacher Straße geht weiter

Auf der Gummersbacher Straße soll ein Fahrradstreifen eingerichtet werden.
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Formal zuständig ist der Wirtschaftsausschuss der Stadt weder für das eine noch für das andere. Dennoch schlugen die Wellen hoch, als erneut die Themen Modellprojekt Deutzer Freiheit und die geplanten Fahrradspuren auf der Gummersbacher Straße aufkamen. Die Gegner der autofreien Deutzer Freiheit hatten die dortige Interessengemeinschaft, die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie den Handelsverband NRW Aachen-Düren-Köln an ihrer Seite.
Als dessen Geschäftsführer erinnerte Jörg Hamel erneut an die Sorgen und Nöte des Handels nach zwei Jahren Corona, nun noch verstärkt durch Inflation und wirtschaftliche Unwägbarkeiten durch den Krieg in der Ukraine. „Wir sind nicht gegen die Verkehrswende“, betonte er. Aber man müsse die Frage stellen, ob zum jetzigen Zeitpunkt derartige Feldversuche durchgeführt werden müssten.
Zur Lösung beitragen
Ähnlich äußerte sich Thorsten Zimmermann von der IHK. Er verwies auf eine Untersuchung, laut derer sich ein ganz überwiegender Teil der örtlichen Gewerbetreibenden gegen eine autofreie Deutzer Freiheit ausgesprochen hätten. Daniel Wolf vom Vorstand der Interessengemeinschaft Deutz berichtete von einer „sehr bedrückenden Stimmung“, was die Deutzer Freiheit angehe. Die Meinung sei sehr gespalten zwischen Befürwortern und Gegnern, speziell die ökonomischen Auswirkungen aber seien von niemandem von der Hand zu weisen: Umsatzrückgänge, Mietkündigungen, selbst die großen Ankermieter hätten Zweifel am Standort. „Niemand bezweifelt die Notwendigkeit der Mobilitätswende. Aber es hat nie jemand mit uns geredet“, betonte er. Man wolle nicht einfach dagegen sein, sondern selbst etwas zur Lösung beitragen – „aber dafür ist es nötig, unsere Stimmen zu hören“.
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Sramatischer Appell aus der Lanxess-Arena
Im zweiten Teil der Gastvorträge richtete Stefan Löcher, Geschäftsführer der Lanxess-Arena, noch einmal einen dramatischen Appell an die Politik, die zweite Fahrspur auf der Gummersbacher Straße nicht für den Radverkehr zu reservieren. „Um es kurz zu machen: Wir sind dann nicht mehr in der Lage, Veranstaltungen mit über 10 000 Gästen zu organisieren. Und damit bricht die wirtschaftliche Grundlage der Arena zusammen“, sagte er. Zumal in der Baugenehmigung Mitte der 90er Jahre ausdrücklich die doppelte Fahrspur als Voraussetzung für den Betrieb der Arena festgehalten worden sei. „Auf der Deutz-Kalker Straße gibt es parallel in unmittelbarer Nähe ausgebaute Fahrradstreifen. Wenn wir bei Großveranstaltungen 40 bis 60 Trucks durch die Gummersbacher Straße schleusen müssen, wer übernimmt dafür die Verantwortung?“, fragte er.
Die Statements der Fraktionen fielen unterschiedlich aus. Während die CDU zwar Unterstützung zusicherte und für einen weiteren Dialog warb, positionierten sich SPD und FDP klar auf Löchers Seite. Die Grünen wiederum verwiesen auf den Beschluss aus dem Jahr 2016 und argumentierten, die Stadt könne den Verkehrsinfarkt nicht länger hinnehmen und müsse mit der „Premiumlage“ der Arena direkt am Deutzer Bahnhof kreative Lösungen finden.
Wirtschafts- und Stadtentwicklungsdezernent Andree Haack (CDU) versprach, die Anliegen sowohl die Deutzer Freiheit wie die Gummersbacher Straße betreffend in die nächsten Treffen mit Verkehrsdezernent Ascan Egerer mitzunehmen und sich mit ihm auszutauschen. „Ich weise allerdings darauf hin, dass dies politische Beschlüsse sind, die wir als Verwaltung umzusetzen haben“, betonte er.
Endgültig beraten wird der Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am 24. Januar 2023.