Die Kölner Haie stehen erstmals seit 2019 wieder im Playoff-Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft und treffen dort auf den ERC Ingolstadt.
DEL PlayoffsHaie können sich auf ihre Besten verlassen

Matchwinner und Kapitän: Gregor MacLeod (hinten) und Moritz Müller bejubeln den Einzug ins Playoff-Halbfinale.
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Rodion Pauels war von 2004 bis 2010 Sportmanager der Kölner Haie und prägte als solcher einen Satz, der bis zum sechsten Spiel der Playoff-Viertelfinalserie zwischen dem KEC und den Fischtown Pinguins Bremerhaven am Freitag nichts an Aktualität verloren hat. „Die Besten müssen die Besten ein“, wies der heute 62-Jährige einmal darauf hin, was es braucht, um in den Playoffs erfolgreich zu sein und am Ende auch Titel gewinnen zu können.
Die Serie gegen Bremerhaven hatte die Haie und auch ihren Gegner körperlich wie mental ans Limit gebracht. Der KEC sah nach einer 3:0-Führung schon wie der Sieger aus, als Fischtown mit zwei Siegen zurückschlug und vor Spiel sechs in der innerhalb von nur zwei Tagen nahezu ausverkauften LanxessArena das Momentum festhielt, um als erstes Team in der Historie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) einen 0:3-Serien-Rückstand auszugleichen.
MacLeod und Grenier entscheiden Spiel sechs
Die Haie kämpften sich mit müden Beinen durch das erste Drittel und gerieten trotz eines überlegen geführten zweiten Abschnitts in Rückstand. Im Schlussdrittel ging zehn Minuten lang auch so gut wie nichts, bis einer der Besten im Team die Tür zum Comeback aufmachte. Gregor MacLeod war schon auf dem Weg zum wechseln, als er an der gegnerischen Blauen Linie den Puck erkämpfte und noch einmal Richtung Tor zog. Dort brachte der Center der ersten KEC-Sturmreihe Alexandre Grenier ins Spiel und aus dieser Kombination heraus fiel das 1:1 durch Tim Wohlgemuth (50.).
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„Die Halle hat gebebt und wir haben gemerkt, dass wir gewinnen können. So hat es sich angefühlt und so haben wir gespielt“, berichtete der Torschütze — und war endlos erleichtert. Ihm waren nämlich zwei Tage zuvor bei der 3:4-Niederlage in Bremerhaven die Nerven durchgegangen, als er sich von Miha Verlic provozieren ließ und eine Strafe zog, die zum entscheidenden Gegentreffer geführt hatte. „Ich war ganz schön durch den Wind, weil so etwas kenne ich gar nicht von mir. Für mich ist das eine mentale Achterbahn gewesen und ich habe mich nach Bremerhaven zwei Tage nicht wirklich gut gefühlt.“
Entscheidende Spiele in Serien laufen so. Der Gegner führt und ganz am Ende nimmt man es ihm weg.
Unterstützung bekam Wohlgemuth von einem besten Freund aus München: „Ich habe ihn angerufen und wir haben geredet. Dann ist er nach Köln gekommen. Das hat mir sehr geholfen, um Ablenkung zu finden am freien Donnerstag-Nachmittag“, erzählte Wohlgemuth. Der freundschaftlichen Therapie-Stunde folgte am Freitagabend seine wohl beste Saisonleistung und neben zwei nicht gegebenen Toren der so wichtige Ausgleich — ein Tor des Willens. Danach passierte, was der 38-jährige Moritz Müller in 135 Playoff-Einsätzen gelernt hat: „Entscheidende Spiele in Serien laufen so. Der Gegner führt und ganz am Ende nimmt man es ihm weg.“
Es waren die Besten, die Kölns ersten Einzug ins Playoff-Halbfinale nach sechs Jahren perfekt machten. MacLeod, der in der Serie unter seinen Möglichkeiten geblieben war, weil die Bremerhavener ihm permanent auf den Füßen standen, fand hinter dem Fischtown-Tor Zeit und Raum für seine Genialität. Aus der Drehung passte er die Scheibe mit der Rückhand entgegen seiner Laufrichtung vor das Tor, wo mit Alexandre Grenier genau der richtige Spieler wartete. Der Kanadier zog kompromisslos ab und verwandelte die Lanxess-Arena 1:57 Minuten vor dem Ende in ein Tollhaus.
„Ein genialer Tschechen-Pass und ein brutaler Abschluss“, beschrieb Kapitän Müller die entscheidende Szene. Grenier legte 37,5 Sekunden vor der Schlusssirene mit seinem sechsten Playoff-Treffer noch das 3:1 mit einem Weitschuss ins leere Tor nach. Die tapferen Bremerhavener und ihr Trainer Alexander Sulzer waren besiegt.
Hudacek und Fans sind Puzzlestücke zum Erfolg
Zur Geschichte des Erfolgs gehört neben den Besten auf dem Feld auch der Beste im Tor und das beste Publikum. Die 18.250 unterstützen ihr Team in den schweren Phasen des Spiels und standen im Schlussdrittel wie eine Wand hinter den Haien. KEC-Keeper Julius Hudacek war nach seiner Pause in Spiel fünf einer der Garanten für den entscheidenden vierten Sieg in der „best of seven“-Serie und feierte das 3:1 mit seiner „Huda-Show“ und Radschlagen auf dem Eis in voller Goalie-Montur. Der 36-Jährige entschied das Torhüter-Duell gegen Bremerhavens Kristers Gudlevskis eindeutig für sich und vermittelte den Eindruck, dass die Haie mit ihm auch Titel gewinnen können.
Die nächste Hürde auf diesem Weg heißt im Halbfinale ERC Ingolstadt. „Wir wollen mehr, spielen gutes Eishockey und haben eine gute Truppe“, sagte Moritz Müller. Spiel eins der „best of seven“-Serie steigt am Mittwoch (19.30 Uhr/Magenta Sport) in Ingolstadt.