Seit 35 Jahren ist die Live Music Hall in Ehrenfeld ein Herzstück der Kölner Kulturszene – Was sie am Leben hält: ein starkes Team, besondere Events und die Liebe zu kleinen Bühnen.
35. GeburtstagLive Music Hall feiert Jubiläum - „Mein Herz gehört den kleinen Bühnen“

Ganz nah dran: Die amerikanische Soul-Pop Band Lawrence trat im Sommer 2024 in der Live Music Hall auf.
Copyright: Thomas Brill
Eine Club- und Konzerthalle schmeißt sich nicht zu zweit. Micki Pick und Georg Schmitz-Behrenz betreiben die Live Music Hall (LMH) seit den Neunzigern, aber ohne die helfenden Hände hinter den Kulissen würde der Laden nicht laufen – erst recht nicht 35 Jahre lang. Das wissen auch die beiden Betreiber des „Rock-Palasts“ in der Ehrenfelder Lichtstraße. Deswegen haben sie am Montagabend bei einer großen Jubiläumsfeier zum 35. Geburtstag vor allem die zahlreichen „unsichtbaren Heldinnen und Helden“ in das sonst für die Stars vorbehaltene Rampenlicht gerückt.
Mit drei symbolischen „Lebenswerk-Auszeichnungen“ haben Pick und Schmitz-Behrenz ausgesprochen engagierte Mitarbeitende geehrt. Zum einen Filiz und Ibrahim, die den Außenbereich nach den Veranstaltungen reinigen und jedes Mal ein Meer aus Glasscherben wegräumen. Zum anderen Emine und Azime, die den Innenbereich säubern und dank denen der Boden am nächsten Tag nicht mehr klebt. Ein großer Dank ging aber an eine bestimmte Dame: Friederike Vercio, die „Wächterin der Lichtstraße“. Pick beschreibt sie so: „Eine Koryphäe, die dafür sorgt, dass in der Live Music Hall alles pikobello ist. Und wenn irgendwas nicht stimmt, dann gibt es richtig Krach.“
Live Music Hall: „Ich kenne jede Ecke“
In kleinen Schritten schreitet Vercio über drei ausgerollte Perserteppiche in Richtung Bühne. Auf ihrer Brust funkelt eine Eulen-Brosche, die sie sich extra für diesen besonderen Abend angesteckt hat. Als die 80-Jährige bei Pick ankommt, um ihre Blömcher abzuholen, gibt sie ihm links und rechts einen Schmatzer auf die Wange. Die Kölnerin wohnt seit 55 Jahren in der Lichtstraße, also zu Zeiten, als die heutige LMH noch eine Fabrikhalle war. Seither habe sie schon diverse Unruhestifter im Bademantel und mit Lockenwicklern in den Haaren aus der Straße verjagt oder mit manchen Securitys „ein Hühnchen gerupft“, die sich vor der Arbeit drücken wollten. „Ich kenne jedes Stück und jede Ecke der Lichtstraße, mir kann keiner was vormachen“, sagt Vercio und schaut zu Pick. „Ich passe ja für dich auf“, fügt sie hinzu.
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Micki Pick ist der Ursprung der Erfolgsgeschichte im Herzen Ehrenfelds. Damals habe er „nicht weiter nachgedacht, sondern einfach gemacht.“ Dass er 35 Jahre später immer noch zusammen mit seinem Kumpan Georg Schmitz-Behrenz in der ehemaligen Blechfabrik stehen würde, habe er „absolut nicht“ erwartet. Schmitz-Behrenz ist ein paar Jahre nach der Gründung dazugekommen und könne sich „keinen besseren Partner“ vorstellen. Eine Rock’n’Roll-Ehe, die bis heute hält.
Mittlerweile ist die LMH eine fest etablierte Kulturinstitution in NRW und veranstaltet fast täglich Konzerte und Partys, die längst über das Rock-Genre hinausgehen. Allerdings hat sich die Kölner Clubszene in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Neben der LMH gibt es heute noch weitere mittelgroße Veranstaltungsorte wie das Palladium oder das E-Werk. Trotzdem bleibt die LMH dem Kultveedel Ehrenfeld erhalten, während andere Clubs – darunter das Underground oder die Papierfabrik – bereits dicht gemacht haben.
Liste der Stars ist lang
Ein Grund für die andauernde Anziehungskraft ist sicherlich die Nähe zur Bühne. Denn: die Halle bietet Platz für bis zu 1300 Menschen. Im Vergleich zu anderen Hallen in Köln ist das eher wenig – in die Lanxess-Arena passen zum Beispiel bis zu 20.000 Gäste. Aber eben das sei es, was die LMH ausmache, findet Hartmut Priess. In einem Brief anlässlich des Jubiläums schreibt das Gründungsmitglied der Bläck Fööss: „Ich ziehe gerne meinen Hut vor den Großen, aber mein Herz gehörte all die Jahre immer den kleinen Bühnen. Ich möchte meine Lieblingsband nicht auf der Videowand im Stadion erleben. Ich möchte nah dabei sein, ihnen auf die Finger schauen, alles echt miterleben.“
Ironischerweise haben einige Größen aus der Veranstaltungs- und Musikbranche ihre Glückwünsche per Videobotschaft verschickt, die bei der Feier an eine Leinwand projiziert wurden. Darunter Wolfgang Niedecken, Revolverheld und die Fantastischen Vier – alles Musiker, die bereits in der LMH aufgetreten sind. Für internationale Stars wie Dua Lipa oder Kings of Leon war der Auftritt in der ehemaligen Blechhalle sogar der Dosenöffner zur Lanxess-Arena. Auch Bon Jovi, Bruno Mars, Oasis, Prince, und etliche mehr haben bereits die LMH gerockt – und eines ist sicher: die Liste wird auch in Zukunft wachsen.