Dr. Matthias Riedl hält am 16. März auf seiner Tour „Gesunde Ernährung – Einfacher als gedacht“ im Gürzenich und verbindet dabei Wissenschaft und Kochtipps.
Essen wir uns krank?Arzt lüftet in seiner Show in Köln das Geheimnis um die optimale Ernährung

Der Internist Matthias Riedl (62) aus Hamburg ist Leiter des nach eigenen Angaben größten Fachzentrums für Diabetologie und Ernährungsmedizin Europas.
Copyright: Andreas Sibler
TV-Ernährungs-Doc Dr. Matthias Riedl äußert sich seit vielen Jahren öffentlich zur richtigen Ernährungsweise – der ARD-Experte wird am kommenden Sonntag im Gürzenich im Rahmen seiner Deutschland-Tour jede Menge Ernährungstipps für die Psyche und so manches Geheimnis über unsere Verdauung preisgeben. Johannes Spätling sprach im Vorfeld mit dem renommierten Ernährungsmediziner und Diabetologen.
„Gesunde Ernährung – Einfacher als gedacht“ ist der Titel ihrer Tour. Welches Anliegen haben Sie dabei?
Mein Anliegen ist in erster Linie, Klarheit zu bringen in eine wenig durchdacht geführte öffentliche Ernährungs-Diskussion. Aktuell haben wir in der Ernährungswissenschaft so viel Evidenz wie noch nie in der Geschichte der Medizin. Hier möchte ich auf meiner Tour Aufklärungsarbeit leisten und darauf hinweisen, was wir wirklich essen sollten.
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Welche Dinge sind da von entscheidender Bedeutung?
Es kommt auf die Balance an. Wichtig ist, dass wir wegkommen von diesem Radikalismus in der Ernährung. Diäten und Veganismus sind in gewisser Weise schon eine radikale Ernährung, weil wir tierische Produkte brauchen. Im Veganismus muss man diese beispielsweise durch Vitamin B12-Tabletten ersetzen. Veganern fehlen aber auch Jod, Zink, Kalzium oder Omega-3-Fettsäuren. Ein Vegetarismus mit moderatem tierischem Beikonsum, welchen wir aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen kennen, ist letztlich die richtige Ernährung.
Wie wichtig ist die richtige Ernährung sowohl für den Körper als auch für Geist und Psyche?
Je mehr Gemüse und Obst wir zu uns nehmen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für Ängste und Depressionen. Wir wissen, dass Depressionen auch eine Entzündungskomponente im Gehirn haben, dessen Niveau durch die richtige Ernährung sinken kann. Wenn wir zudem den Gesundheitsstatus von Naturvölkern betrachten, bemerken wir wenig Bluthochdruck, kaum Arterienverkalkung und keinen Diabetes Typ 2. Dies weist deutlich darauf hin, dass die Krankheiten, die wir in unseren Praxen betreuen, zu 80 Prozent verhaltensbedingt sind. Dabei werden geschätzt 60 Prozent davon durch die Ernährung geprägt – auch Depressionen, Autoimmunerkrankungen oder Krebs gehören dazu. Wir leisten es uns gerade, eine Gesellschaft mit viel Aufwand zu therapieren, welche sich krank isst.
Welche Aspekte kritisieren Sie besonders im öffentlichen Diskurs?
Das Problem ist, dass die Ernährungsmedizin überhaupt keinen Stellenwert in der deutschen Medizin hat, obwohl die Ernährung die einzige Art und Weise der kausalen Therapie ist, die auch wirkt, und welche bei ernährungsbedingten Erkrankungen auch eine hundertprozentige Heilung bewirken kann. Es wird oft nur medikamentiert, aber nicht ernährungsbewusst gehandelt und behandelt.
Aktuell findet man manche aberwitzige Theorie zur Ernährung in den sozialen Medien. Worauf sollte man möglichst nicht hören?
Der reine Veganismus und der starke Fleischkonsum wie bei Paleo sind nicht zu empfehlen – beides wird oft propagiert. Geringer, moderater Konsum von tierischen Produkten ist wichtig. Dazu kann auch mal Fleisch gehören. Milchprodukte, besonders fermentierte, sollten dazugehören. Essen Sie Ihre Bratwurst oder Ihr Steak ruhig mal weiterhin, aber möglichst nur ein bis zweimal pro Woche. Einige Tricks helfen dabei, Fleisch gesünder zu machen – zum Beispiel durch das Einweichen mit einer selbstgemachten Soße mit antientzündlichen Kräutern – am besten mit viel Gemüse oder Salat. Dadurch reduziert sich das Potenzial für die Krebsentstehung drastisch. Deutschland hat zudem zu 80 % einen Ballaststoffmangel. Ballaststoffe sind aber entscheidend für die Darmbakterien und wirken antientzündlich.
Welches Geheimnis unseres Körpers wird von Ihnen noch auf Ihrer Tour angesprochen?
Ich glaube, viele kleine Details, die leicht im Alltag unterzubringen sind, sind besonders interessant, wie die Bedeutung des Darms. Eine gesunde Darmflora macht uns weniger depressiv und schlauer. Sie wirkt sich auch auf die Körperabwehr aus. Die Darmflora produziert sogar Oxytocin und hilft bei der Serotoninproduktion, was unsere Psyche stabilisiert. Ich verrate beispielsweise, wie wir die Darmflora so auffrischen können, dass wir damit Krankheiten beeinflussen oder sogar heilen können. Und vieles mehr, das erst in 10 bis 20 Jahren zum Standard in der Medizin gehören wird. Mein Event ist quasi Medizin-Avantgarde!
Gebens Sie auch konkrete Küchentipps auf der Bühne?
Auf jeden Fall – wir werden da ins Eingemachte gehen, im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Show ist kein Theorievortrag, sondern rangiert zwischen Workshop, Infotainment und Hirschhausen. (lacht)
Warum haben Sie als ausgebildeter Internist den Sprung in die Medien und auf die Bühnen gewagt?
Wir haben in Deutschland eine enorm starke Industrielobby. Die Lebensmittelindustrie diktiert der Politik viele untragbare Dinge. Das Gesundheitsministerium propagiert beispielsweise die salzarme Ernährung, lässt jedoch zu, dass die Bevölkerung mit völlig versalzenen, hochverarbeiteten Fertigprodukten krank gemacht wird. So steigen das Risiko für die frühere Sterblichkeit, das Krebsrisiko, das Risiko für Autoimmunerkrankungen und das Risiko für psychische Erkrankungen drastisch an. Das Marketing ist damit beschäftigt, aus billigen Ausgangsmaterialien verkaufbare Produkte zu machen, die einen geringen finanziellen Aufwand darstellen und im Mund einigermaßen wirken wie Lebensmittel, welche stattdessen aber krank machen. Ich möchte, dass meine Gäste meine Ernährungsempfehlungen motiviert in die Tat umsetzen, denn gesundes Essen wirkt wie Medizin.
Karten
Tickets für die Show von Dr. Matthias Riedl am 16. März im Gürzenich gibt es noch ab rund 35 Euro hier.