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GroßveranstaltungenDas Gelände rund um den Fühlinger See leidet

Lesezeit 5 Minuten

Mini-Woodstock? Nach dem Summerjam-Festival sehen die Wiesen am Fühlinger See schon ein bisschen nach den guten alten Zeiten aus. 

Fühlingen – Der Sommer hat Hochsaison, und mit ihm auch die Veranstaltungen auf dem Gelände rund um den Fühlinger See. Die Naherholungsanlage, die inmitten eines 84 Hektar großes Naturschutzgebietes liegt, bietet viele Sportmöglichkeiten und ist Veranstaltungsort für eine Reihe von Großveranstaltungen mit bis zu 100 000 Besuchern.

Diese Kombination ist durchaus anspruchsvoll, denn es gilt viele Bedürfnisse unter einen Hut zu bringe. Und das Wetter wirkt sich zusätzlich aus – schließlich handelt es sich um ein Open-Air-Gelände.

Sand und Lava zum Schutz

So musste in diesem Jahr schon vor der dreitägigen Summerjam-Konzertwochenende gehandelt werden, damit das Festival stattfinden konnte. Gleich tonnenweise wurden Lava und Sand aufgetragen, um den Boden zu verfestigen.

Beate Brinkhaus von der Event-Abteilung des Sportamtes, kennt das Prozedere schon: „Vor zwei Jahren hatten wir eine ähnliche Situation, durch Starkregen gab es richtigen Schlamm. Auf der Grünfläche hatte sich sogar ein See gebildet“, erinnert sie sich. Auch in diesem Jahr gab es vor dem Summerjam jede Menge Regen, das Musikfestival „Colonia Olé“ und seine tanzbegeisterten Besucher taten das ihre dazu, und schon war die Wiesenfläche hinter dem Bootshaus nahezu ruiniert. „Zwei Monate zuvor war noch alles in Ordnung, das war echt Pech“, so Brinkhaus.

Die Wiese leidet wieder

Doch auch jetzt, bei strahlendem Sonnenschein und großer Hitze, leidet die Wiese wieder, das Gras wird gelb, auch hier muss etwas passieren. Die Spuren von den großen Lkws etwa müssen immer wieder beseitigt, das Gelände in vielerlei Hinsicht gepflegt werden.

Jede Menge Müll blieb nach dem Summerjam auf dem Gelände liegen – auch vor dem Naturschutzgebiet.

Rund um den Fühlinger See ist die Pflege der Flächen im Zusammenhang mit den Veranstaltungen, die hier umgesetzt werden, ein Dauerbrenner, sowohl vor als auch nach den Events. Dabei überprüft das Sportamt gemeinsam mit dem Veranstalter jeweils den Zustand der Fläche und klärt die Arbeiten sowie die damit verbundenen Kosten. „Wir setzen uns mit den Anbietern zusammen und besprechen das“, erläutert die Mitarbeiterin des Sportamtes. Umgesetzt werden die Arbeiten mit dem Amt für Grünflächen, gibt Brinkhaus weiter Auskunft.

Das Amt für Grünflächen wiederum beauftragt Fachleute, um die Arbeiten umzusetzen – zumindest wenn es darum geht, im Bereich der Pflanzenwelt aktiv zu werden. Im Bereich der reinen Aufräumarbeiten sind andere Spezialisten gefragt. Beispielsweise hatten zwar die städtischen Ämter vor dem größten Reggae-Festival Europas die Aufgabe, mit Lava und Sand den Boden zu stabilisieren, anschließend hatte jedoch der Veranstalter in Absprache mit der Stadtverwaltung eine Fachfirma mit der Reinigung des gesamten Konzert- und Campinggeländes beauftragt.

Noch einmal gut 30 000 Besucher

Kaum gesäubert, wurde das Areal jedoch erneut durch das mittelalterliche Phantasie Spectaculum am vergangenen Wochenende in Anspruch genommen, zusätzlich findet direkt Anfang August der Köln Triathlon statt.

Insgesamt werden hier noch einmal gut 30.000 Besucher erwartet. Bei einer solchen Frequentierung leidet das Gelände – daher sind ab August dann auch direkt Rekultivierungsmaßnahmen geplant, um die Fläche wieder herzustellen und aus der Naherholungsanlage wieder eine ansehnliche und lebendige Naturfläche zu gestalten. Die Wiesen hinter dem Bootshaus sowie auf der Ruderinsel an der Regattastrecke werden dabei egalisiert und aufgelockert, Rasen wird neu eingesät.

Die nächste Veranstaltung kommt bestimmt. Das Klohäuschen bleibt wohl noch eine Weile stehen ....

Unabhängig von diesen Maßnahmen stoßen die Veranstaltungen am Fühlinger See nicht nur auf Begeisterung. Die Wakeboard-Meisterschaften etwa sorgten bereits im Vorfeld für Unmut bei einigen kommunalen Politikern.

Ein Bereich für Erholung

So kritisierte Bezirksvertreterin Lilo Heinrich (Bündnis 90/Die Grünen), dass bei den Planungen von Großveranstaltungen nicht daran gedacht werde, dass es sich hier um einen Bereich handelt, der der Erholung dienen soll. „Es gab schon 2011 einen Beschluss der BV Chorweiler, die sich sehr kritisch mit den nun erneut durchgeführten Wakeboard Meisterschaften auseinandergesetzt hatte“, so ihr Einwand. Laut Satzung dürfen außer Rettungs- und Ordnungsbooten keine anderen Motorboote auf dem See fahren – demnach dürften die Meisterschaften hier gar nicht stattfinden.

„Die Motorboote wurden zugelassen, mit der Begründung, dass sie eine Bodenseetauglichkeit haben. In unserem Beschluss aus dem Jahr 2011 haben wir aber festgelegt, dass die Boote unabhängig von dieser Tauglichkeit hier auf dem Fühlinger See nicht zugelassen werden sollen“, betonte auch Fraktionskollege Wolfgang Kleinjans. „Da fragen wir uns, ob jetzt im Umkehrschluss alle Motorboote mit Bodenseetauglichkeit auf dem Fühlinger See zugelassen sind.“

„Haben davon im Internet erfahren“

Auch die Kommunikation rund um die Veranstaltungen sei problematisch gewesen. „Die Jahresplanung für die Veranstaltungen am See haben uns viel zu spät vorgelegen, so dass wir in diesem Fall nicht rechtzeitig eingreifen konnten“, so Kleinjans. Auch die Kombination des neuen „Streetfood-Festivals“ mit den „Offene Deutsche Wakeboard Meisterschaft am Boot und der 8. Deutsche SUP Flatwater Meisterschaft 2016“ nahmen die beiden Politiker mit Verwunderung zur Kenntnis: „Wir haben davon im Internet erfahren, in der Veranstaltungsbroschüre ist das Streetfood Festival nicht angekündigt. Es ist erneut eine Planung ohne eine Information an die Bezirksvertreter erfolgt“, kritisieren die beiden in einer Anfrage an die Verwaltung.

Diese wiederum sieht mit der Einhaltung der Bodensee-Verträglichkeitsnormen der Abgaswerte den Landschaftsschutz am Fühlinger See als nicht gefährdet und bleibt bei der Auffassung, dass bereits im April über die Wakeboard-Meisterschaft informiert worden war. Durch eine neue Ausrichtung des Veranstalters sei die Kombination mit dem Streetfood Festival entstanden, das Rahmenprogramm habe dafür gesorgt, dass ausreichend viele Besucher kommen, um eine Refinanzierung der Meisterschaft zu ermöglichen.

Diese Veranstaltungen gibt es am Fühlinger See

Zum dreitägigen Drachenboot-Festival, das auch den integrativen Sporttag für Menschen mit und ohne Behinderung umfasst, kamen in diesem Jahr allein 2500 Teilnehmer. Sie wurden von zahlreichen Zuschauern aus Köln und dem Umland begleitet.

Auch das Mittelalterliche Phantasie Spectaculum zieht immer mehr Mittelalterbegeisterte an die Ufer des Fühlinger Sees. Ritterturniere, Bands und ein historisches kulinarisches Angebot stehen auf dem Programm.

Zur Riesenparty Colonia Olé mit Auftritten von mehr als zehn Bands der kölschen Musikszene kamen auch in diesem Jahr wieder Tausende .

Der dreitägige Summerjam ist eines der größten Reggae-Festivals in Europa; es zog mehrere 10 000 Besucher an, von denen viele auch auf dem Gelände übernachteten.

Hinzu kommen zahlreiche Sportereignisse mit großem Teilnehmerfeld und Zuschauerinteresse – vom Lauf-Event bis zur Wakeboard-Meisterschaft. (jtb)