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Am Sonntag wird zurückgestelltDas ewige Dilemma mit der Zeitumstellung

Lesezeit 3 Minuten
Viele klagen nach der Zeitumstellung über Müdigkeit.

Viele klagen nach der Zeitumstellung über Müdigkeit. 

In der Nacht zu Sonntag werden die Uhren auf Normalzeit zurückgedreht. Der halbjährliche Jetlag belastet und nervt viele Menschen und kommt nur bei jedem Fünften gut an.

In der Nacht zum Sonntag wird wieder einmal an der Uhr gedreht: Um drei Uhr morgens werden die Uhren um eine Stunde von der Sommerzeit auf die mitteleuropäische Zeit zurückgestellt. Dann ist es morgens wieder früher hell und dafür nachmittags eher dunkel. Viele Menschen haben von dem Hin und Her aber genug und befürworten ein Ende der Zeitumstellung.

Zeitumstellung bei meisten Deutschen unbeliebt

Dass der Sonntag mit der Zeitumstellung eine Stunde länger ist, dürfte die meisten Menschen zwar kaum stören. Allerdings ist die Umstellung auf Sommerzeit im Frühjahr und auf Normalzeit im Herbst unbeliebt, wie Umfragen regelmäßig zeigen. So befürworteten in einer aktuellen Erhebung der Krankenkasse DAK-Gesundheit mit 77 Prozent rund drei Viertel die Abschaffung der Zeitumstellung (siehe Kasten). Ein Drittel (33 Prozent) der Befragten hatte schon gesundheitliche oder psychische Probleme nach der Zeitumstellung. Das markiert einen neuen Zehn-Jahres-Höchststand.

Zweifel an Energieersparnis durch die Umstellung

Kritiker der Zeitumstellung führen neben gesundheitlichen Belastungen ins Feld, dass diese ihren ursprünglichen Zweck nicht erfüllt. Eigentlich sollte das Vorstellen der Uhr im Frühjahr zum Energiesparen in der hellen Jahreszeit beitragen. Die Überlegung: Wenn sich der Tag um eine Stunde nach vorn verschiebt, wird weniger Beleuchtung und so weniger Strom verbraucht. Doch Energiespareffekte sind laut Analysen kaum nachweisbar.

Neue Regelung in der EU nicht in Sicht

Tatsächlich wird in der EU seit langem über ein Ende der Zeitumstellung diskutiert. Konkret plante die Europäische Union dies ab 2018, die EU-Kommission legte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Das EU-Parlament stimmte zu, verschob aber das für 2019 geplante Ende der Zeitumstellung auf 2021. Doch die Mitgliedsstaaten zogen nicht mit, die Pläne liegen auf Eis.

Vorhaben könnte ohne Einigung scheitern

Das Kernproblem der EU-Diskussion ist eine Uneinigkeit, welche Zeit sich überhaupt durchsetzen soll – die sogenannte Normalzeit oder die Sommerzeit. Ein Flickenteppich mit mehreren Zeitzonen soll vermieden werden, manche EU-Staaten sind grundsätzlich gegen das Ende der Zeitumstellung.

Zur Realität gehört auch, dass das Thema in keinem EU-Land so sehr die Gemüter bewegt wie in Deutschland: Allein drei Millionen der EU-weit 4,6 Millionen Teilnehmer an einer Onlinebefragung, die das Thema 2018 ins Rollen brachte, kamen aus der Bundesrepublik.

Argumente gegen Umstellung auf dauerhafte Sommerzeit

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin befürwortet in der Debatte eine Beibehaltung der Normalzeit – also der Winterzeit. Das Tageslicht und darin wiederum insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts ist der Hauptzeitgeber für die sogenannte innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Winterzeit gewährleistet. Durch Umstellung auf Sommerzeit drohe hingegen ein Schlafmangel, der zu Konzentrations- und Leistungseinbußen sowie mehr Unfällen führe.

Umstellung ist technisch längst Routine

Rein technisch ist der Zeitwechsel unproblematisch. Taktgeber für die Zeit sind in Deutschland die Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über Sender werden die Signale übertragen, durch die sich die Funkuhren automatisch an die Zeitumstellung anpassen. Auch für die Deutsche Bahn ist die Zeitumstellung längst Routine. (afp)