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Trainer des FC AugsburgEnrico Maaßen – ein Senkrechtstarter in heikler Lage

Lesezeit 3 Minuten
Enrico Maaßen 2

Trainer Enrico Maaßen in Aktion 

Augsburg – In der vergangenen Woche war noch alles in bester Ordnung. Vor der heimischen Arena traf sich das Team des FC Augsburg mit 250 Fanclub-Vertretern. Es wurde gegrillt, gegessen, getrunken, gelacht. Und Trainer Enrico Maaßen betonte hinterher: „Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl.“ Für den Liga-Auftakt zu hause gegen den SC Freiburg, versteht sich. Der indes ging so dermaßen schief, dass die Laune beim FCA und bei Maaßen vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) arg gedämpft ist.

Das Debüt ging erst einmal in die Binsen

Senkrechtstarter Maaßen steckt sofort in komplizierter Lage. Schließlich sah der Fußballlehrer, der in diesem Sommer von Borussia Dortmunds U23 aus der 3. Liga gekommen ist, wie Michael Gregoritsch, Vincenzo Grifo, Matthias Ginter sowie Ritsu Doan die Augsburger mit ihren Treffern auseinanderschraubten – und sein Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse in die Binsen ging. 0:4 – mit einer so hohen Pleite startete noch kein FCA-Trainer in der Bundesliga. Seine Mannschaft fiel nach dem 0:2 zusammen, „dann hat man gemerkt, dass die Überzeugung nicht mehr so da war“, sagte Maaßen.

Enrico Maaßen

Trainer Enrico Maaßen

Der 38-Jährige, Vater von zwei Kindern und geboren in Wismar, muss jetzt Aufbauarbeit leisten. Deutlich mehr als je zuvor. Beim SV Drochtersen/Assel in der Regionalliga Nord schlingerte sein Team zu Beginn ebenfalls, der Erfolg stellte sich aber zügig ein; ebenso wie beim SV Rödinghausen in der Regionalliga-West, wo Maaßen, der ausgebildete Sport- und Fitnesskaufmann, ab 2018 erstmals hauptberuflich als Trainer arbeiten durfte und die nächsten Positiv-Schlagzeilen produzierte. Als Spieler war er verletzungsbedingt nie über die Regionalliga hinausgekommen, als Coach, der die Fußballlehrer-Ausbildung mit Bestnote bestand, wurde dies zum Ziel.

Auch den Rasen stets im Blick

Ein Beispiel für seine Akribie: Jede Woche, so heißt es, habe Maaßen dem Greenkeeper in Rödinghausen seine Wünsche mitgeteilt. Ausgerichtet am Gegner wurde der Rasen gestutzt und die Nässe des Platzes angepasst. Taktisch stärkte er erst die Defensive, entwickelte dann die Offensive – und legte sich auf die Dreierreihe fest. Das zieht sich seither durch. Auch bei Borussia Dortmunds U23, die er 2020 nach dem gewonnenen Meistertitel mit Rödinghausen übernahm, war es die 3-4-1-2- oder 3-4-3-Anordnung, die Trainertalent Maaßen aufs Feld schickte. So schuf er Überzahl im Zentrum, hatte hoch aufgerückte Schienenspieler auf dem Rasen – und ließ sein Team immer aktiv und aggressiv auftreten.

Konterfußball wie lockende, in Ruhe vorbereitete Sturmläufe wollte Maaßen sehen. Dies gelang sowohl in der Regionalliga West, die er als Meister verließ, als auch in der 3. Liga. Ohne Probleme schafften Maaßen und Co. dort den Klassenerhalt, stellten nebenbei mit 49 Zählern einen neuen vereinsinternen Drittliga-Punkterekord auf.

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Klar, dass einige Interessenten aus dem In- und Ausland bei diesem eloquenten und taktisch klugen Trainer anklopften: Lokomotive Moskau, der FC Basel und Manchester United, wo Maaßen als Co-Trainer Ralf Rangnick assistieren sollte, bekundeten ihr Interesse. Immer kam etwas dazwischen, sodass es final der FC Augsburg wurde. Die bisher größte Herausforderung für Maaßen, der sich erstmals vor aller Augen präsentiert.

Dass er in gut drei Jahren der fünfte FCA-Coach ist, illustriert das große Problem der Augsburger sehr gut. Die Konstanz fehlt völlig; es braucht die Entwicklung zu einer Mannschaft, die mit Widerständen klarkommt. Der Neuling ist somit der Hoffnungsträger, der ausradieren soll, was zuletzt bei den Fuggerstädtern alles schiefgelaufen ist. Granden wie Lothar Matthäus trauen ihm dies nicht zu, sehen Augsburg als Abstiegskandidat. Der selbstbewusste Maaßen will sie eines Besseren belehren. In Leverkusen ergibt sich am Samstag die zweite Möglichkeit.