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„Die Welt ist groß genug“Rhein-Sieg-Schulen suchen neue Partnerschaften

Lesezeit 4 Minuten
Menschen auf einer Aussichtsplattform, im Hintergrund Wolkenkratzer von Manhattan.

Ein Stop in New York stand stets auf dem Plan der Anno-Schüler, wenn sie zum Austausch nach Roxboro reisten.

Nicht nur unruhige Zeiten in den USA sorgen dafür, dass Austauschprogramme mit Schulen aus dem Kreis stagnieren.

„Wenn's in den USA nicht klappt, dann schauen wir uns einfach auf der Welt um, die ist ja groß genug“, so Michael Arndt. Der Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) in Sankt Augustin reagiert damit auf eine Absage. Zum Gegenbesuch sollten eigentlich die Schülerinnen und Schüler von der Pottsgrove High Scholl in Pottstown im US-Bundesstaat Pennsylvania kommen. Doch der wurde kurzfristig abgesagt.

Große Enttäuschung unter Sankt Augustiner Jugendlichen

„Von finanziellen Schwierigkeiten war da die Rede“, berichtet Arndt. Für die Jugendlichen des AEG sei das eine„ große Enttäuschung“ gewesen. Ob der Austausch überhaupt noch einmal stattfinde, könne er jetzt noch nicht sagen. Eine Absage gab es schon einmal, in Zusammenhang mit den Ereignissen nach dem 11. September 2001. Der Besuch sei im Jahr 2003 nachgeholt worden.

Arndt erinnerte sich aber an Kontakte zu einer Schule im indischen Neu-Delhi. Dort gebe es einen Deutsch-Leistungskurs im Lehrplan. Da böte sich ein Austausch an, da dort auch englisch im Unterricht gesprochen werde, so seine Überlegungen. Bei den Schülerinnen und Schülern in Sankt Augustin stieß diese Idee auf positive Resonanz.

„Vor allem die andere Kultur in Indien fanden viele Jugendliche bei uns interessant“, so Arndt. Es gebe schon erste feste Zusagen für einen knapp dreiwöchigen Austausch. Nun müsse das allerdings noch offiziell in die Wege geleitet werden.    

Hennefer Schulen planen zweiten Besuch in Alabama

Abzuwarten bleibt, ob die noch jungen Kontakte zwischen Hennef und Foley in Alabama vertieft werden können. Im August 2021 ging von der Stadt am inzwischen von US-Präsident Trump umbenannten Golf von Mexiko die Initiative zur Anbahnung einer Städtepartnerschaft aus. Gespräche wurden aufgenommen und schon kurz danach Schulen eingebunden.

Die Leiterin des Städtischen Gymnasiums Hennef (SGH), Beatrix Glaser, erinnert sich an eine entsprechende Anfrage aus dem Rathaus. „Das lief auf Schulträgerebene“, sagt sie. „Ja, wir kümmern uns gern darum“, habe ihre Antwort gelautet. Mit „wir“ ist neben dem SGH die Gesamtschule Hennef-West gemeint.

Ende Mai/Anfang Juni vorigen Jahres hatte Hennef zum ersten Mal Besuch von Schülerinnen und Schülern aus Foley/Alabama.

Ende Mai/Anfang Juni vorigen Jahres hatte Hennef zum ersten Mal Besuch von Schülerinnen und Schülern aus Foley/Alabama.

Es folgten mehrere Zoom-Treffen von Vertretern der beiden Schulen mit Kollegen in Foley. Ende Mai/Anfang Juni vorigen Jahren waren dann elf Schüler der Foley High School in Hennef zu Gast. Im Oktober folgte der Gegenbesuch von 15 Jugendlichen aus neunten und zehnten Klassen der Gesamtschule und des SGH.

Für das nächste Schuljahr ist laut Glaser wieder ein gegenseitiger Besuch geplant. „Die Amerikaner sind sehr daran interessiert.“ Zwar stehe noch kein genauer Termin fest, aber eine Absage, wie sie das Sankt Augustiner Albert-Einstein-Gymnasium erhielt, habe man bisher nicht bekommen. „Wir beobachten die Gesamtsituation“, so Glaser. 

Trump-Politik trübte schon 2023 die Stimmung zwischen Hennef und Foley

Trumps Politik hatte vor zwei Jahren schon einmal die Stimmung im Aufbau des transatlantischen Städtebündnisses getrübt. Die Grünen im Hennefer Stadtrat machten damals die Unterstützung einer erzkonservativen Republikanerin und Trump-Anhängerin im US-Senat durch den Bürgermeister von Foley, Ralph Hellmich, publik. Als Hellmich im Mai 2023 Hennef besuchte, äußerte er sich indes unmissverständlich. Gefragt, ob Trump wohl wieder Präsident würde, antwortete er: „Ich hoffe nicht.“

Mindestens zwei Sprachen sollen Schülerinnen und Schüler am Siegburger Anno-Gymnasium beherrschen, „um für ein vereintes Europa und die globalisierte Welt fit zu sein“, wie es auf der Schul-Homepage heißt. Fünf Fremdsprachen werden im Unterricht angeboten, Französisch, Latein, Italienisch und Japanisch und Englische, wobei letztes durch den Austausch mit einer Schule im US-amerikanischen Roxboro (North Carolina) beflügelt werden soll.

Der Arm bleibt ausgestreckt
Schulleiter Sebastian Kaas, Anno-Gymnasium Siegburg

Doch während die Kontakte mit Japan florierten, sie ist es um dem Austausch mit den Vereinigten Staaten ruhig geworden, wie Schulleiter Sebastian Kaas erläutert: Nach einer durch die Corona-Pandemie bedingten Flaute sei der Kontakt bislang nicht wiederbelebt worden, soll aber auch nicht eingestellt werden.

Beunruhigend seien allerdings Nachrichten über Probleme bei der Einreise von Deutschen und Franzosen in die USA: Da habe das Gymnasium eine besondere Sorgfaltspflicht für seine Schülerinnen und Schüler. Doch gerade angesichts der Demagogie Trumps sei es wichtig, den Kontakt zu den US-amerikanischen Freunden zu halten: „Der Arm bleibt ausgestreckt.“

Kaas beobachtet auch, dass das Interesse der Schülerschaft an den USA nachgelassen hat. Am Anno interessiere sich diese mehr für Japan, mit dem man auch die demokratischen Werte teile. Aber auch die Hinwendung zu Europa sei stärker, zu den Partnerstädten und mit Erasmus-Plus-Projekten in Thessaloniki und Rom. Das passt am Anno auch zur politischen Großwetterlage: „Wir sind als Europäer aufgerufen, stärker zusammenzuhalten.“

In Troisdorf meldeten sich nicht genügend Schülerinnen und Schüler an

Ein Fragezeichen steht auch hinter dem bisher gepflegten Austausch zwischen dem Troisdorfer Gymnasium Zum Altenforst (GAT) und Partnern in den USA. Bislang gab es alle zwei Jahre einen Austausch mit der Kleinstadt Metamora im US-Bundesstaat Illinois. Wie Schulleiter Reinhard Schulte berichtete, reisten in der Vergangenheit Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase zu Beginn der Oberstufe in die USA.

Theoretisch stünde die nächste Austauschreise im kommenden Jahr 2026 auf dem Plan. Die Zahl der Anmeldungen, die bereits vor der Präsidentschaftswahl im November fällig waren, habe allerdings „aus unpolitischen Gründen“ unter der Mindestteilnehmerzahl gelegen. Daher werde der Austausch 2026 vorausssichtlich einmalig entfallen werde. „Was 2028 ist, werden wir sehen“, so der Schulleiter.