Der Pingsdorfer Karnevalszug kann am Rosenmontag durch den Brühler Stadtteil ziehen, das war zwischenzeitlich fraglich.
SicherheitskonzeptUnternehmer und Landwirte bewahren Karnevalszug in Brühl vor Absage
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Der Pingsdorfer Karnevalszug kann am Rosenmontag durch den Brühler Stadtteil ziehen.
Copyright: Kathrin Höhne
Die gute Nachricht klingt wie eine Selbstverständlichkeit: Am Rosenmontag wird der Karnevalszug mit Jecken und Wagen von 14 Uhr an wie gewohnt durch den Brühler Stadtteil Pingsdorf ziehen. Doch noch vor wenigen Tagen stand die Veranstaltung vor ihrem Aus. „Im ersten Moment habe ich gedacht, das ist nicht zu schaffen, das kriegen wir nie hin – wir müssen unseren Karnevalszug absagen“, erinnert sich Lars Voigt, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Brühl-Pingsdorf, an vergangene Woche, als ihn die Stadt kontaktierte.
Dabei sei die Dorfgemeinschaft als Veranstalter des Rosenmontagszugs aufgefordert worden, Vorschläge zu machen, wie und an welchen markanten Straßen der Zug zusätzlich durch Durchfahrtsperren abzusichern ist.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen als Reaktion auf den Anschlag in München
Hintergrund ist die Sorge vor Anschlägen. In den vergangenen Jahren waren mehrmals Attentäter mit Autos oder Lastern gezielt in Menschenansammlungen gefahren und hatten dabei für Tote und Verletzte gesorgt. Zuletzt war dies am 13. Februar in München geschehen. Dort steuerte ein Mann ein Auto in einen gewerkschaftlichen Demonstrationszug. Dabei wurden 39 Personen teils schwer verletzt. Eine Mutter und ihr zweijähriges Kind starben zwei Tage später an ihren Verletzungen. An Zufahrten geparkte Laster gelten als Schutz vor derartigen Taten.
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Voigt sagt, ihm sei nach dem Anschlag in München klargewesen, dass die Sicherheitskonzepte für die bevorstehende Karnevalszeit nachjustiert werden müssten. „Die Überraschung über das Anliegen der Stadt war deswegen für mich nicht allzu groß“, erklärt er. „Wir lernen ja alle immer noch mehr dazu.“
Man habe zunächst bei der Stadt gefragt, ob es möglich sei, für Sperren auf Fahrzeuge der Stadt zurückzugreifen. Diese benötigt den Fuhrpark des Ordnungsamtes laut eigener Darstellung jedoch während der Züge selbst, um für Sicherheit zu sorgen. Letztlich kam die Hilfe dann aus dem eigenen Stadtteil. „Die Hilfsbereitschaft war überwältigend“, berichtet Voigt. Ein Unternehmer habe sich sofort angeboten, seinen 40-Tonner zur Verfügung zu stellen. Landwirte hätten zudem auch ihre Traktoren mitsamt den Anhängern angeboten. Nun sei klar: „Unser Zug kann gehen, er ist abgesichert“, sagt Voigt.
Unterschiedliche Informationen gab es zunächst über den Versicherungsschutz von als Barrikade abgestellten Fahrzeugen. Auf Anfrage erklärten mehrere Versicherungsvertreter der Provinzial in Hürth, der HDI in Bonn und der Allianz in Brühl, dass diese Fahrzeuge ihren jeweiligen Versicherungsschutz nicht verlieren. „Alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit grünen Kennzeichen brauchen aber eine Alaaf-Bescheinigung, die sie berechtigt, im Rahmen eines Karnevalsumzuges zum Einsatz zu kommen“, erklärt Diplom-Betriebswirt für Versicherungswesen Leonhard Müller von der Allianzversicherung aus Brühl.
Grundsätzlich rät Müller aber, dass die Halter oder Fahrer in Sichtweite ihrer abgestellten Fahrzeuge bleiben sollen, damit für den Notfall Rettungszufahrten gewährleistet sind. Er kritisiert aber auch: „Hier wird der Bürger zu einer staatlichen Verpflichtung herangezogen.“ Es könne doch nicht Bürgerpflicht sein, für die Sicherheit und Ordnung im Verkehrs- und Straßenraum zu sorgen.