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Fußball kann jeder, oder?Reporterin testet auf Zingsheimer Ascheplatz Schieß-Talent

Lesezeit 4 Minuten
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Auch das Einwerfen will geübt sein.

Nettersheim-Zingsheim – Als Erwachsene neu mit einer Sportart anzufangen ist gar nicht so einfach. Denn im Kreis Euskirchen fehlt es an Angeboten. Ich bin Julia, 28 Jahre alt und auf der Suche nach einem neuen Sport. In dieser Serie besuche ich verschiedene Vereine im Kreis und probiere aus, was sie für Anfänger anbieten. Dabei achte ich auf Anfängertauglichkeit, Teamgefühl und Aufwand.

Fußball – es gibt wohl keinen Sport, der so allgegenwärtig ist wie dieser. EM, WM, Bundesliga Champions League und auch auf lokaler Ebene: Es gibt so gut wie kein Wochenende, an dem nicht irgendein Fußballspiel stattfindet. Etwa 80 Vereine sind nach Angaben von Doris Mager, der Vorsitzenden des Fußballkreises, im Kreis Euskirchen im aktiven Fußballspielbetrieb. Doch obwohl gefühlt jedes Dorf eine eigene Mannschaft hat, heißt das noch lange nicht, dass man dort als Anfänger einfach so mitspielen kann. Schon gar nicht als Anfängerin. Frauen findet man daher häufiger am Spielfeldrand als auf dem Platz.

Frauenmannschaft an Spielfeldrand gegründet

Am Rand saßen auch die Gründerinnen der Frauenmannschaft der Spielvereinigung Nöthen-Pesch-Harzheim noch 2019 beim Pfingstsportfest. Beim Beobachten der anderen Mannschaften wurde den Fußballbegeisterten schnell klar: „Das wollen wir auch.“ Und so gründeten sie eine Mannschaft für Anfängerinnen und Fortgeschrittene, einfach jede, die Lust auf Fußball hat. Dementsprechend wird auch meine Anfrage positiv aufgenommen.

Das Training findet an einem milden Frühlingsabend auf dem Aschenplatz in Zingsheim statt. Der Himmel ist blau, die Bäume leuchten in der Abendsonne, Vögel zwitschern. Deutlich angenehmer als muffige Hallenluft, trotz naher Autobahn. Das macht Laune.

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Anlauf nehmen und Schuss: Fußball gefällt mir wider Erwarten gut. Beim Üben treffe ich sogar zweimal das Tor.

Denn ich muss sagen, ich bin mit Vorbehalten angereist. Fußball – dafür kann ich mich nur schwer begeistern. Ein Trainer im Turnverein meiner Kinder- und Jugendzeit trug oft ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Wenn Turnen einfach wäre, wäre es Fußball!“ Ich weiß, dass es dieses T-Shirt auch mit allen anderen Sportarten gibt. Wer einem Randsport nachgeht, der nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt, dem kann der überpräsente Fußball schnell auf den Keks gehen. Klar habe auch ich mal auf irgendeiner Wiese mit anderen Kindern gekickt – aber zu mehr hat es mich nie gereizt.

Auf dem Aschenplatz in Zingsheim stelle ich dann fest: Der T-Shirt-Spruch stimmt. Er hat zumindest einen wahren Kern. Denn: Beim Fußball ist es gar nicht schwer, einfach so mitzumachen. Es gibt keine komplizierten Dribbel-Regeln oder Pass-Vorschriften. Im Prinzip reicht es, am Anfang zu wissen: Der Ball wird geschossen, berühren mit den Händen ist tabu. Klar braucht es für ein gutes Fußballspiel auch Technik und Taktik. Und natürlich gibt es auch hier Regeln. Aber: Um es einfach mal auszuprobieren, braucht man nicht viel.

Neue Spielerinnen willkommen

Trainingszeiten und Kontakt

Grafik Fußball

Trainiert wird montags und donnerstags ab 19.30 Uhr auf dem Aschenplatz in Zingsheim. Hinzu kommen pro Saison (Ende August bis Mitte Juli) je nach Staffelgröße etwa 32 Spiele am Sonntag. Neue Mitspielerinnen sind willkommen, sie können sich über Instagram (@spvg_nph_damen) und die Website (www.svnoethen.de) melden.

SV Mutscheid sucht auch Spielerinnen

Nicht nur bei der Spielvereinigung Nöthen-Pesch-Harzheim sind Anfängerinnen willkommen, auch die Frauen des SV Mutscheid freuen sich jederzeit über neue Mitspielerinnen. Es sei dabei völlig egal, ob Fortgeschrittene oder Anfängerinnen, sagt Trainer Sebastian Züll. „Neugier und Motivation reichen als Antrieb.“Die Mannschaft trainiert mittwochs und freitags von 19 bis 20.30 Uhr in Houverath. Denn der Platz in Mutscheid wurde von der Flut zerstört. Wer Lust hat, mitzumachen, kann sich einfach telefonisch bei Züll (01 57/37 87 81 01) oder über das Instagram-Profil (​@sv_mutscheid_damen) der Mannschaft melden.

Das Training beginnt mit spielerischen Pass- und Dribbelübungen. Ich muss dabei noch sehr viel auf den Ball schauen und renne ihm regelmäßig über den halben Platz hinterher, weil ich ihn nicht richtig erwische. Anschließend wird es komplizierter: Bei der folgenden Übung sollen wir nach einer bestimmten Vorgabe nach jedem Schuss die Positionen wechseln und am Ende aufs Tor schießen.

Zu meiner Erleichterung haben auch andere Spielerinnen Probleme, sich die richtige Reihenfolge zu merken. Nach drei Fehlschüssen gelingt es mir dann aber, zweimal aufs Tor zu schießen und mit etwas Glück sogar zu treffen.

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Den Ball treffen und gleichzeitig die Gegnerinnen im Auge halten, ist gar nicht so leicht.

Beim abschließenden Spiel fällt mir dann noch deutlich auf, was für viele offensichtlich sein mag: Fußball ist ein Laufsport. Immer wieder Richtungswechsel, Gegner decken, freilaufen. Und dabei auch noch den Ball treffen. Auch wenn der Einstieg leicht ist, klar ist auch: Ich muss noch üben. Vor allem meine Augen-Fuß-Ball-Koordination.

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Ganz blöd scheine ich mich nicht angestellt zu haben, Trainer und Team laden mich ein, gerne wiederzukommen. Überhaupt ist die Stimmung sehr gut. Ich werde gleich gut aufgenommen – Teamgefühl ist in jedem Fall da. Etwas Abzüge gebe ich für den Aufwand. Mit zweimal Training pro Woche und zusätzlich etwa 32 Spielen pro Saison muss man schon etwas Zeit mitbringen.