Schwere Mängel am Gebäude, aber nun doch kein Neubau für ein Schulzentrum in Swisttal. Eltern und Schule sind entsetzt.
Gesamtschule SwisttalSchulleiterin meldet Mängel an Bezirksregierung

Machten auf die desolate Raumsituation und Hygiene-Missstände aufmerksam: Anna Bäumchen, Patrick Reichelt, Roman Braun, Fidana Ali, Andreas Geyr, Axel Fuhs und Sybille Prochnow Penedo (v.l.)
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Klassenarbeiten müssen wegen der Raumnot in der Aula geschrieben werden, es fehlen Fachräume für Chemie und Physik, die Heizung funktioniert nicht immer, in der Schulküche möchte vor Ekel niemand kochen. „Wir fühlen uns einfach nicht mehr wohl hier“, sagen die Schülersprecher Fidana Ali aus der 9c und Roman Braun (10a) traurig. Lange haben Schüler, Lehrer und Eltern der Heimerzheimer Gesamtschule still gehalten und die augenfälligen schweren Mängel am Gebäude und die Raumnot ertragen. Schließlich war ihnen ein moderner Schulcampus in Aussicht gestellt worden – und im vergangenen September vom Gemeinderat auch einstimmig beschlossen worden.
Protest an der Schule: „Bildung zum Nulltarif? – Nicht mit uns!“
Die Grundschule Heimerzheim und die Gesamtschule sollten auf einem gemeinsamen Campus komplett neu gebaut werden. Kosten für alle Übergangslösungen und Investitionen: rund 133 Millionen Euro. In der vergangenen Woche aber machte die Mehrheit des Rates eine Kehrtwende: Das gesamte Projekt belaste die Swisttaler Bürger in den kommenden Jahren finanziell zu sehr. Statt auf einen vollständigen Neubau setzt die Gemeinde nun auf eine schrittweise Erweiterung und Modernisierung. Der Beschluss wurde in geheimer Abstimmung mit 26 Ja-Stimmen, 10 Nein-Stimmen und einer Enthaltung gefasst.
Wir hatten eine Vision für diese Schule, hohe Anmeldezahlen, ein tolles pädagogisches Konzept, hochmotivierte Schüler, Eltern und Lehrer – das ist alles zerstört.
Für die Schule ist dieser Beschluss das Signal, nicht mehr länger Missstände zu verschweigen: „Wir haben kein klares Ziel mehr vor Augen und machen den desolaten Zustand der Schule nun öffentlich“, erklärte Schulleiterin Dr. Sybille Prochnow Penedo, als sie am Dienstag mit den beiden Schülervertretern, Lehrerkollegen und der Elternpflegschaft ihren Protest ankündigten: „Bildung zum Nulltarif? — Nicht mit uns!“ lautet ihr Slogan. „Wir hatten eine Vision für diese Schule, hohe Anmeldezahlen, ein tolles pädagogisches Konzept, hochmotivierte Schüler, Eltern und Lehrer – das ist alles zerstört.“
Die Rektorin kündigte an, bei der Bezirksregierung in Köln erneut eine Problemanzeige vorzulegen, die durchaus dazu führen könne, dass die Gesamtschule rückabgewickelt werden müsse, denn unter den aktuellen Voraussetzungen sei ein rechtssicheres Abitur für die heutige Jahrgangsstufe 8 im Jahr 2030 an der Gesamtschule nicht möglich. „Wenn die Mängel nicht behoben werden – und es fehlen nicht nur einige wenige Räume – dann gibt es keine Oberstufe hier in Heimerzheim und damit auch keine Gesamtschule mehr“, betonte der didaktische Leiter Axel Fuhs, der die Arbeit von fünf Jahren zunichtegemacht sieht.
Schulpflegschaft über Lokalpolitik: „Wir wurden angelogen!“
Andreas Geyr, Lehrer für Englisch und Geschichte, ist einer der neuen Kollegen, die mit der Aussicht nach Heimerzheim kamen, die Oberstufe und einen ganz neuen Schulcampus mit aufzubauen, ohne die Perspektive sei das ein sehr unattraktiver Arbeitsplatz geworden: „Ich habe noch nie zuvor auf einer Kreidetafel schreiben müssen“, beklagt er eine schlechte digitale Ausstattung. „Smartboards wären doch das Mindeste!“

Gesamtschule Heimerzheim
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Mit falschen Versprechungen, so macht auch Elternvertreter Patrick Reichelt seinem Ärger Luft, seien die Eltern zur Anmeldung ihrer Kinder an der Schule gelockt worden. Er kritisiert, dass der Ratsbeschluss, die beiden Schulen nicht zu bauen, auf der Grundlage falscher Zahlen getroffen worden sei. Seinen eigenen Recherchen in Daten des Statistischen Landesamtes zufolge stimme der Hinweis auf rückläufige Geburtenzahlen gar nicht. Der Rat sei von der „Interessengemeinschaft für verantwortungsvolle Schulbauten Swisttal“ (IG), dem Gewerbeverein und mit dem ängstlichen Blick auf die Kommunalwahl im September eingeknickt. Aber auch die Elternschaft in Heimerzheim, Odendorf und Buschhoven sei eine große Gruppe von Wählern.
Anna Bäumchen, ebenfalls von der Schulpflegschaft, ist sich sicher, dass eine Reihe von Eltern versuchen werden, ihre Kinder wieder von der Schule zu nehmen: „Wir wurden angelogen!“ Die Eltern wollen „maximalen Druck“ ausüben: „Dieser Beschluss darf so nicht stehenbleiben“, fordert Patrick Reichelt, der bereits eine Demonstration ankündigte. Sie erinnern den CDU-Fraktionsvorsitzenden Hanns Christian Wagner an dessen Worte zum Beschluss für den Schulcampus vom vergangenen September, als er sagte „Was nützt es uns, wenn wir die Kommune im Rhein-Sieg-Kreis mit der geringsten Pro-Kopf-Verschuldung sind, dafür aber die schlechteste Schulinfrastruktur haben?“
Schule nutzt Container zusätzlich zum Gebäude
Die erheblichen Herausforderungen für die Gesamtschule hatten die Schulplaner vom Bonner Büro biregio dem Rat im vergangenen Juni unmissverständlich ins Lastenheft geschrieben: die Schulleitung fordere kurzfristig vier weitere Containerräume, um den Bedarf zu decken. Die Unsicherheit über den geplanten Neubau – insbesondere dessen Größe und Zeitpunkt – erschwere eine nachhaltige Planung und zwinge die Schule zu ständigen Kompromissen. Darüber hinaus könne die Notwendigkeit einer Mehrklassenbildung den Raumbedarf weiter erhöhen.
Der Aufbau der gymnasialen Oberstufe stelle ebenfalls neue Anforderungen an die räumliche Infrastruktur. Weiter hießt es in dem biregio-Bericht: Der aktuelle Schulbetrieb erfolgt in einem Gebäude aus den 1970er Jahren, das ursprünglich für eine dreizügige Schule konzipiert wurde. Dieses Gebäude ist in einem sanierungsbedürftigen Zustand, insbesondere die Wabenstruktur verhindert eine moderne, flexible Raumaufteilung. Zusätzlich nutzt die Schule zwei Containeranlagen, die jedoch nur bedingt eine Lösung bieten. Insbesondere fehlen Räume für den Ganztagsbetrieb und für spezielle Fachbereiche wie Naturwissenschaften oder Arbeitslehre.
Perspektive für die Schule fehlt
Um die Situation zu verbessern, werden verschiedene Maßnahmen zur Raumoptimierung vorgeschlagen. Dazu gehören eine effizientere Nutzung der vorhandenen Räume, die Schaffung multifunktionaler Flächen und eine verbesserte Stundenplanung, beispielsweise durch „Springer“- oder „Wanderklassen“. Diese Maßnahmen könnten den vorhandenen Platz besser ausschöpfen, jedoch bleibe die Raumsituation insgesamt unzureichend. Eine vollständige Lösung des Problems ist auf diesem Weg nicht möglich.
Ein kompletter Neubau wäre eine nachhaltige Lösung, müsste jedoch bis 2027/28 abgeschlossen sein, was als unrealistisch eingeschätzt wird. Falls der Neubau später erfolgt, müssten weitere Container als Übergangslösung eingesetzt werden. Die Gesamtschule Swisttal benötige dringend eine klare Perspektive. Kurzfristige Maßnahmen könnten die Raumsituation etwas entspannen, aber keine dauerhafte Lösung bieten.