Insel GrafenwerthNeues Konzept für „R(h)einspaziert“ geht auf
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Abkühlung erwünscht! Das Kinder- und Familienfest, das in dieser Form bei „R(h)einspaziert“ erstmals stattfand, kam bei den Besuchern gut an.
Copyright: Ralf Klodt
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Bad Honnef – Die Sonne knallt, die Schattenplätze sind rar, der Sprung ins kühle Nass erscheint verlockend. Aber der Swimmingpool, der auf der Wiese der Insel Grafenwerth aufgebaut ist, ist nicht zum Planschen gedacht. Im Wasser treiben bunte Ringe. Die gilt es, mit einem an einer Leine befestigten Rettungsball zu treffen, wie Stephan Priss, Ausbildungsleiter bei der DLRG-Ortsgruppe Bad Honnef/Unkel, erklärt. Wer beim Zielwerfen Geschicklichkeit beweist, dem drückt Priss zur Belohnung einen Stempel in seinen „Parcours-Pass“. Platz für 20 Stempel ist dort insgesamt – so viele Bad Honnefer Vereine hatten am Samstagnachmittag auf der Insel Grafenwerth zusammen einen großen Mitmach-Parcours für Kinder auf die Beine gestellt.
Miljö
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Es war eine Premiere bei R(h)einspaziert: Bevor bei der 27. Auflage des Open-Air-Festivals des Stadtjugendrings abends die Bands die Kontrolle über die Insel übernahmen, fand am Nachmittag erstmals ein großes Kinder- und Familienfest unter dem Motto „30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention“ statt. Die Kinderrechte wurden mit Reifenhüpfen, Torwandschießen und Dosenwerfen gefeiert. Am Stand des Hockeyclubs kurvten die Pänz durch einen Slalomparcours, schwangen beim Tennisclub den Schläger und maßen sich im Zelt des Computerclubs an der Spielkonsole. Abkühlung versprach die Jugendfeuerwehr: Mit dem Feuerwehrschlauch wurde dort auf Bälle gezielt. Ab fünf Stempeln landeten die Pässe im Lostopf und nahmen an einer Tombola teil. Max hat schon drei Stempel gesammelt: Beim Circus Comicus hat er Luftballons aufgeblasen, im Zelt der Sanitäter des Jugendrotkreuzes die stabile Seitenlage eingeübt und am Stand des Hauses Hohenhonnef um Hütchen gedribbelt – ein Leichtes für den Hobbykicker.
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Jetzt schwingt der Neunjährige den Hammer. Zielsicher zertrümmert er die Erbsen, die auf der Tischplatte liegen. Währenddessen lässt Regine Metzner immer mehr Hülsenfrüchte durch einen Trichter auf den Tisch sausen. „Sonst war hier nachmittags immer eher tote Hose. Es ist toll, wie viele Vereine mitgemacht haben“, so Metzner, Mitarbeiterin der OGS am Reichenberg. Überzeugt vom neuen Konzept des Festivals ist auch Besucherin Sara Nellessen (37), die mit ihren Töchtern Luca (12) und Lillith (7) auf der Insel ist. „Ich war schon als Kind bei R(h)einspaziert“, erzählt die Bad Honneferin. „Hoffentlich steht diesmal die schwarze Null.“
Am Rande von „R(h)einspaziert“ ist es am Abend hinter der Bühne zu einer Auseinandersetzung zweier Jugendgruppen gekommen. Das bestätigte Marcelo Peerenboom auf Anfrage der Rundschau. Die Security habe das aber sofort registriert und deeskalierend eingegriffen. Dennoch kamen zusätzliche Polizeikräfte auf die Insel. Eine etwa 30-köpfige Jugendgruppe lief laut Peerenboom davon. Verletzt wurde niemand. Gerüchte, es sei ein Messer im Spiel gewesen, konnte er nicht bestätigen. Es sei das erste Mal in 27 Jahren„R(h)einspaziert“-Geschichte, dass es zu einer Auseinandersetzung gekommen sei. (csc)
Das hofft auch Marcelo Peerenboom, Vorstandsmitglied des Stadtjugendrings. Mit den zusätzlichen Einnahmen aus Kinder- und Familienfest versuche man, das „bittere“ vorige Jahr zu kompensieren: 2018 hatte das Festival 8000 Euro Verlust eingefahren, die nur durch Rücklagen aufgefangen werden konnten. Der Eintritt ist frei, das Festival hat keine Großsponsoren, sondern finanziert sich allein aus den Einnahmen am Tag selbst. Peerenbom macht die Musikauswahl im Vorjahr für das Defizit verantwortlich.
Diesmal hatten die Organisatoren daher nichts dem Zufall überlassen: Schon nachmittags machten Kindergärten, Vereine und das Projekt „Bad Honnef tanzt“ auf der Bühne Stimmung. Um 17 Uhr wurde der Schalter dann umgelegt: Den Anfang machte die Indie-Band Wildfire. Danach eroberten Miljö, Stadtrand, Fiasko und Planschemalöör die Bühne und brachten das Publikum mit Kölschrock zum Tanzen. Erst gegen 24 Uhr verstummten die rheinischen Töne auf der Insel. Rund 150 ehrenamtliche Helfer waren am Nachmittag im Einsatz, während der Konzerte am Abend waren es noch mal 100.