Schattentheater und Daumenkino treten in Dialog mit Bildern des Impressionismus im Wallraf-Richartz-Museum.
Wallraf-Richartz-MuseumNeue Schau in Köln widmet sich der „Sensation des Sehens“

Eiffelturm-Laterna Magica, 1889, mit einer Nippesfigur als Souvenier aus der Ausstlelung "Sensation des Sehens" im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud.
Copyright: Thomas Brill
Mit Druck auf den Lichtschalter erscheint die Seufzerbrücke, ein beliebtes Bildmotiv, das mit einem der berühmtesten Gefangenen Venedigs in Verbindung gebracht wird: Giacomo Casanova. Die Brücke verband seinen Kerker mit dem Gerichtssaal, doch dem sagenumwobenen Frauenhelden gelang die Flucht.
Bewegtbilder für das Wohnzimmer
Einen wohligen Schauer konnten sich die Bürger im 19. Jahrhundert mit solchem Bildmaterial ins Wohnzimmer holen, das durch spezielle Apparate beleuchtet wurde. In der Reihe „Sensation des Sehens. Die Sammlung Nekes im Wallraf“ geht es jetzt im zweiten Teil vom Barock in den Impressionismus. Eine Wundertrommel in der Größe eines Swimmingpools steht in der Mitte des Museumssaals. Durch Schlitze gibt es Durchblick auf die Sammlung impressionistischer Werke, mit denen das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud zeigt, wie Licht und Schatten in der Kunst den Durchbruch fanden.
Zum Beispiel im „Sonnenuntergang am Meer“, den der Franzose Henri Edmond Cross 1896 malte. Im pointillistischen Bild bricht sich das Licht in den Wellen. Aus der Bucht mit Bäumen wächst der Schatten hinein. In Zusammenarbeit mit der theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln bringt das WRM solche Szenen mit einer kleinen aber feinen Auswahl aus der Welt des Papiertheaters und der Schattenspiele aus der Sammlung Werner Nekes in den Dialog.
Geschichte der Bilderzeugung
Der Filmregisseur aus Mülheim an der Ruhr war von der Geschichte der Bilderzeugung so fasziniert, dass er 25 000 Objekte zusammentrug. Darunter auch den Cinematographen, mit dem die Brüder Lumière 1895 erstmals bewegte Bilder aufnehmen und abspielen konnten.
Stephanie Mathilde Frank, stellvertretende Direktorin der Theaterwissenschaftlichen Sammlung, drosselte allerdings die Euphorie, die oft mit dem Holzkasten in Verbindung gebracht wird. Die Filme waren kurz. Wer weiter als fünf Meter entfernt saß, dürfte schon Einschränkungen erfahren haben. „Niemand rannte damals schreiend auf den Boulevard. “
Bis 27.10.2024, Di bis Fr 10 – 18 Uhr, Sa und So 11 – 18 Uhr, Obenmarspforten.