Star-Geiger David Garrett gastiert in der Lanxess-Arena im Rahmen seiner „Millenium Symphony World “-Tour.
Überraschungsgast in KölnStefan Raab trommelt mit David Garrett auf der Bühne

David Garrett in der Lanxess-Arena
Copyright: Thomas Brill
Immer wieder dröhnt ein tiefes Bumbum durch die abgedunkelte Lanxess-Arena vor dem Auftritt des Stargeigers David Garrett. Ist es sein Herzschlag, den dieser Laut symbolisiert? Die farbig projizierte Pulsfrequenz würde dazu passen. Die Schläge beschleunigen sich. Dann ein Knall und flammende Pyrotechnik erhellt den Saal mit rund 10.000 Fans. Nun steht der 44-jährige Geiger im Lichtkegel auf der Bühne, umgeben von seiner Band und fetzt durch die White-Stripes-Rockhymne „Seven Nation Army“.
Garrett versteht es einfach, sich und sein Geigenspiel zu inszenieren. Während seine Klassik-Auftritte der vergangenen Jahre eher zwiespältige Eindrücke hinterließen, ist er auf der großen Bühne ganz zu Hause. Seine in jedem Detail durchgetaktete „Millennium Symphony World“ Tour schöpft aus dem Vollen. Ausschließlich ins Ohr gehende Popsongs von Maroon 5 bis Taylor Swift werden gespielt und finden sich auch auf dem die Tour begleitenden Album.
Orchester sitzt in beleuchteten Würfeln
Für einen Wow-Effekt sorgt das hinter der Bühne in zwölf beleuchteten Würfeln übereinandersitzende Bohemia Symphony Orchestra Prague. Die Musikerinnen und Musiker werden selbsverständlich technisch unterstützt, um den bombastischen Sound zu erzeugen.
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Ed Sheerans „The Joker And The Queen” etwa habe Garrett „in die Welt Rachmaninows” führen wollen, erklärt er. Sein Pianist John Haywood darf dafür am großen Flügel Platz nehmen und vollgriffig in die Tasten hauen. Immer wieder sucht Garrett in seinen Moderationen Anknüpfungspunkte an die Klassik. „Das nächste Stück verströmt eine Leichtigkeit, die man auch in einem Rondo von Mozart findet“, sagt er etwa vor Harry Styles „As It Was“. Schön wär‘s!
Akrobatin turnt zu Rammstein
Im Song „Dance Monkey“ erscheint dann ein animiertes kleines Äffchen mit Sonnenbrille auf der Leinwand und trommelt den Takt mit, während in „Take Me To Church“ samt projizierter Riesenorgel eine Glocke auf die Bühne schwebt, gegen die Garrett immer wieder lässig mit dem Fuß stößt. Und schließlich fährt er in Rammsteins „Mein Herz Brennt“ noch eine Akrobatin auf, die in der Luft an einem Ring turnt.
Ihre atemraubende Performance ist nun fast spannender als sein Geigenspiel. In den Songs übernimmt Garrett in ruppiger Spielmanier meist nur die Melodie und auch charakteristische Riffs. Ein paar kleine Schlenker baut er ein. Das war‘s. Bei den rockigen Sachen ist der in den Höhen scharfkantige Sound kein Problem, da es nicht um Schönklang geht. Doch in den balladenhaften Stücken wie dem nur mit Geige und Klavier präsentierten „The Loneliest“ hätte man das Streichinstrument etwas wärmer abmischen können – und auch müssen.
Erinnerungen an New York
Im zweiten Konzertteil reist Garrett auch in seine Vergangenheit mit einem Mash-up alter Hits einschließlich „He’s A Pirate“ und Fetzen aus Beethovens fünfter Sinfonie. Alte Filmaufnahmen und Fotos werden gezeigt. Eine schöne Erinnerung an jene Zeiten, als Garrett als Absolvent der Juilliard School New York noch nicht wusste, wohin ihn seine musikalische Reise einmal führen würde. Danach gibt es minutenlange Stehende Ovationen.
Von seinem Lehrer Itzhak Perlman habe er einmal gelernt, „dass Dynamik in der Programmgestaltung extrem wichtig“ sei, berichtet Garrett im Laufe seines Auftritts. Deshalb findet seine Band immer wieder in Akustiksets zusammen. In Ed Sheerans „Shape Of You“ mutiert er dann fast zum Straßenmusiker. Auf einer kleinen Bühne begleitet er sein Geigenspiel mit einer rhythmisch getretenen Bassdrum.
Raab trommelt beim Hit „Titanium“
Als alle schon denken, jetzt wird nichts Außergewöhnliches mehr passieren, tritt Showmaster Stefan Raab im hellblauen Hemd auf die Bühne. Das Publikum ist sichtlich irritiert, was das soll. Doch alles ist abgesprochen. In David Guettas „Titanium“ darf Raab energetisch das Schlagzeug traktieren. Danach haut er sofort wieder ab.
Die samt Pause zweieinhalbstündige Show bietet Entertainment pur und geht tanzend und klatschend zu Ende. Garrett, der mit seiner Geige mehrfach durch die Reihen schreitet, schließt den Abend mit einer zweiten Zugabe: Coldplays „Viva La Vida“.