Die Stadt Köln ist so sicher wie seit 50 Jahren nicht mehr. Das zeigen die Zahlen der aktuellen Kriminalitätsstatistik.
Den Rückgang der Kriminalitätszahlen führt der Polizeipräsident auch auf die Zunahme der mit Kameras überwachten Zonen zurück.
Allerdings haben sich die Betrugsfälle zum Nachteil älterer Menschen nahezu verdoppelt.
Köln – Die Kriminalitätszahlen in Köln haben voriges Jahr den niedrigsten Stand seit 30 Jahren erreicht. „Die Stadt war selten so sicher“, freute sich Polizeipräsident Uwe Jacob bei der Präsentation der Statistik. Gleichzeitig kletterte die Aufklärungsquote auf 52 Prozent – der beste Wert seit 50 Jahren. Doch die Freude ist keineswegs ungetrübt.
Straßenkriminalität lässt weiter nach
Nicht nur die Raubdelikte sind im Jahr 2019 nochmals um gut sechs Prozent zurückgegangen, auch die Zahl der Taschendiebstähle sank auf 5605 (-15,8 Prozent). Das Kommissariat der Innenstadt-Wache werde bei ausgewählten Anlässen gezielt durch Einsatztrupps unterstützt, um den professionellen Tätern das Leben schwer zu machen.
Dadurch kommt es zu Verdrängungseffekten, beispielsweise in Düsseldorf stiegen die Diebstahlszahlen leicht an. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Einbrüche etwa halbiert. Voriges Jahr wurde mit 2482 Fällen ein Plus von 6,3 Prozent erreicht, dies liegt nach Polizeiangaben an einer Einbruchsserie an den Weihnachtstagen (80 Fälle) und Silvester (60 Fälle).
Stark rückläufig ist die Zahl der gestohlenen Fahrräder. 6832 Räder wurden als gestohlen gemeldet, ein Rückgang um 10,5 Prozent. Die Polizei führt dies auf die Einrichtung einer entsprechenden Ermittlungsgruppe zurück, die zum 1. April wieder ihre Arbeit aufnehmen wird. Auch die Diebstähle aus Autos ging um weitere 11,7 Prozent zurück, es werden kaum noch fest eingebaute Navigationsgeräte gestohlen.
Ältere Menschen im Visier von Betrugsbanden
Nahezu verdoppelt haben sich die Betrugsfälle zum Nachteil älterer Menschen. Den Beamten wurden 3947 Delikte gemeldet, bei denen sich die Täter am Telefon als falsche Polizisten oder Enkel ausgaben oder aber an der Haustür als angebliche Wasserwerker geklingelt haben. Die Hintermänner sitzen in der Türkei, wo die Anrufe aus Call-Centern erfolgen.
„Ein Ende dieser Masche ist nicht abzusehen, da gibt es nichts schönzureden“, urteilte Kripochef Stephan Becker. Kürzlich ist eine dieser Anruf-Zentralen bei einer Razzia der türkischen Polizei geschlossen worden. „Die Zahl der verdächtigen Anrufe ging anschließend von 60 pro Tag auf etwa zwei zurück“, erklärte Becker. Allerdings gebe es zahlreiche Call-Center – unter den Betrugsversuchen haben laut Polizei viele europäischen Länder zu klagen. Neuerdings auch die Türkei.
Messerangriffe bereiten der Polizei Sorgen
Immer häufiger gehen junge Menschen bewaffnet aus dem Haus, weil sie ein Messer bei sich tragen. „Eine ausgesprochen bedenkliche Entwicklung, denn ein Messer ist ein Angriffswerkzeug und kein Verteidigungsmittel“, sagt Becker. In 528 Fällen seien Messer gezückt worden, die Zahl der Verletzten liegt bei 726. Diese Tendenz lässt sich auch bei den Tötungsdelikten ablesen. Bei 10 von 19 Fällen war die Tatwaffe ein Messer.
Erst Karneval waren zwei Personen lebensgefährlich verletzt worden, weil ein Mann mit einem Messer zustach – „aus nichtigem Anlass“, so Becker. Wäre demzufolge ein Verbot des Mitführens von Messern sinnvoll? „Ein flächendeckendes Verbot macht keinen Sinn, aber für ausgewählte Brennpunkte könnte ich mir dies vorstellen“, sagt Polizeipräsident Jacob. Die Kollegen in Hamburg hätten gute Erfahrungen mit diesem Konzept gemacht.
Videoüberwachung gewinnt an Bedeutung
Den Rückgang der Kriminalitätszahlen führt der Polizeipräsident auch auf die Zunahme der mit Kameras überwachten Zonen zurück. Auf den Ringen befinden sich Kameras, ebenso auf dem Ebertplatz, dem Bahnhofsvorplatz, dem Roncalliplatz und dem Wiener Platz.
Voriges Jahr hat die Polizei 2400 Straftaten auf den Bildschirmen beobachtet, in 1000 Fällen reichten die Bilder als Beweismittel gegen die Täter. „Die Videoüberwachung wirkt kriminalitätsdämpfend“, urteilt Becker. Auch eine Vergewaltigung und eine Raubserie auf Spielhallen habe durch die öffentliche Videoüberwachung geklärt werden können.
Hoffnung auf weiteren Rückgang
In den ersten beiden Monaten des Jahres sind laut Polizei die Wohnungseinbrüche spürbar zurückgegangen, auch die Straßenkriminalität ließ weiter nach. Und das, obwohl noch immer mehr als 100 Beamte zur Ermittlungsgruppe „Berg“ gehören, die gegen einen Kinderporno-Ring vorgeht und Tausende Videos und Fotos auswerten muss. „Wir denken über die Einrichtung eines eigenen Kommissariats für diese Delikte nach“, verkündet Jacob.
Im Zuge der Terrorismusbekämpfung muss sich die Kölner Polizei ab Sommer zudem um so genannte „Gefährder“ aus Bonn und Aachen kümmern, die bislang noch von der dortigen Polizei beobachtet werden.