Der Versuch von Harris, den Gegner eher smart, aber mit unnachgiebiger Härte zu stellen, darf als geglückt gelten. Doch noch ist dies kein Sieg.
TV-Duell um US-PräsidentschaftDonald Trump ist längst nicht angezählt
Zum rhetorischen Knockout ist es beim TV-Duell zwischen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris und ihrem Kontrahenten, dem Republikaner Donald Trump zwar nicht gekommen. Doch der Versuch von Harris, den Gegner eher smart, aber mit unnachgiebiger Härte zu stellen, darf als geglückt gelten. Mehrfach warf sie ihm mit ungläubigem Lächeln und hochgezogenen Augenbrauen „die alte Leier“ vor. Und genau die spielte Trump.
Er habe die stärkste Wirtschaft geschaffen, die Corona-Pandemie phänomenal gemeistert und hunderte Milliarden Dollar aus China eingetrieben. Harris als „unfähige und marxistische Präsidentin“ hingegen werde das Land ins Elend führen. Weltweit gehe die Kriminalität zurück, weil alle Staaten ihre Kriminellen in die USA schickten, und die Demokraten täten nichts dagegen. Einwanderer äßen die Hunde ihrer US-amerikanischen Nachbarn. Und mit ihm als Präsidenten hätte es den Angriff Russlands auf die Ukraine nie gegeben. So ging es immer wieder – Trumps „alte Leier“ eben.
TV-Duell um US-Wahl: Trump beim Ego packen
Man erlebe heute Abend, warum namhafte Republikaner die demokratische Kampagne unterstützten, kommentierte die amtierende Vizepräsidentin die Schmähungen und teils abstrusen Behauptungen Trumps. Die 59-Jährige hat unter Beweis gestellt, dass sie einen politischen Berserker und notorischen Lügner wie Trump zu nehmen weiß. Harris erwies sich als gut beraten und gut vorbereitet. Die Strategie, ihren Gegner bei seinem Ego zu packen, ist wiederholt aufgegangen – im Verlauf des Duells wurde Trump sichtlich wütender.
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Für den amtierenden US-Präsidenten Joe Biden wurde das direkte Duell mit Donald Trump vor knapp zwei Monaten zum Desaster. Nur deshalb konnte sich nun Kamala Harris als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten mit Trump messen. Ihr souveräner Auftritt ist aber nicht mehr als eine bestandene Prüfung.
So mancher mag sich gewünscht haben, der 78-jährige Trump möge neben Harris ganz schön alt aussehen. Den Gefallen tat das enfant terrible der US-Politik seinen Gegnern nicht. Er war so wütend wie angriffslustig. Ihn abzuschreiben, wäre viel zu früh – genauso, wie es verfrüht wäre, Harris als Siegerin im engen Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaft auszurufen. Die Demokratin kann aber weiter vom Einzug ins Weiße Haus träumen. Gemäßigte Wechselwähler in den umkämpften Swing States dürften nach dem TV-Duell wissen, wo sie ihr Kreuz machen sollten.