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Moskaus düstere Botschaft für Trump„Nichts wird passieren, bis wir nicht alle von ihnen vernichtet haben“

Lesezeit 5 Minuten
US-Präsident Donald Trump zeigte sich zuletzt verärgert über Kremlchef Wladimir Putin. Russland gibt sich davon jedoch unbeeindruckt. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump zeigte sich zuletzt verärgert über Kremlchef Wladimir Putin. Russland gibt sich davon jedoch unbeeindruckt. (Archivbild)

Trumps Verärgerung beeindruckt Moskau nicht. Im Gegenteil: Der Ton wird sogar rauer – und Putins Armee plant eine neue Großoffensive.

Die Signale aus Moskau bleiben eindeutig: Nachdem sich Kremlsprecher Dmitri Peskow bereits wenig beeindruckt von der jüngsten Kritik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump an Kremlchef Wladimir Putin gezeigt hat, bekräftigte Moskau noch einmal, dass es keine Bereitschaft dafür gibt, Trumps Vorschläge anzunehmen.

Russland prüfe alle aus Washington vorgebrachten Ideen für eine Friedenslösung in der Ukraine zwar „ernsthaft“, sagte der stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow am Dienstag gegenüber russischen Staatsmedien, könne diese „aber in ihrer jetzigen Form nicht akzeptieren“. Bei Trumps Vorschlägen gebe es weiterhin „keinen Platz für die Lösung der Grundursachen dieses Konflikts“, führte der Diplomat aus. „Das fehlt völlig, und das muss überwunden werden“, stellte Rjabkow schließlich eine klare Forderung an den US-Präsidenten.

Moskaus Forderung an Trump: „Das muss überwunden werden“

Auch Putin hat in den letzten Wochen immer wieder betont, Frieden in der Ukraine könne es nur geben, wenn die „Ursachen“ für den russischen Angriff beseitigt werden. In Moskau versteht man darunter die Existenz der Ukraine als freies, selbstbestimmtes Land. Das Nachbarland darf in Moskaus Augen entweder gar nicht oder nur als Vasallenstaat wie Belarus weiterexistieren.

Zuvor hatten bereits Kreml-Insider gegenüber der „Moscow Times“ erklärt, dass Putin nicht von seinem Kurs abrücken werde – und weiterhin anstrebt, mindestens fünf ukrainische Regionen zu annektieren und die Regierung in Kiew aus dem Amt zu drängen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj werde „keinen territorialen Zugeständnissen zustimmen“, zitierte die Zeitung aus Regierungskreisen. „Wir müssen das Problem an der Wurzel packen: ihn entfernen.“ Die darauffolgenden Aussagen Rjabkows belegen diese Angaben nun.

Russland setzt Angriffe auf Ukraine unerbittlich fort

Gleichzeitig setzt Moskau seine unerbittlichen Angriffe auf die Ukraine auch militärisch fort: Rund 176 Gefechte habe es alleine am Dienstag gegeben, berichtete das ukrainische Militär. Außerdem habe Russland in der Nacht erneut mit Drohnen angegriffen, berichtete Präsident Selenskyj auf der Plattform X. Die Großstadt Charkiw war demnach das Hauptziel der nächtlichen Attacke, drei Kinder seien bei den Attacken verletzt worden, erklärte der ukrainische Präsident.

Auch Energieanlagen seien entgegen der russischen Behauptungen erneut angegriffen worden, hieß es aus Kiew. In den Regionen Sumy und Dnipropetrowsk sei es in der Folge zu Stromausfällen gekommen. Russland behauptet unterdessen weiterhin stoisch und trotz aller Gegenbeweise, jegliche Angriffe auf Energieanlagen auf Putins Befehl hin eingestellt zu haben. 

Analysten: Russland bereitet „groß angelegte Offensive“ vor

Die Erkenntnisse von westlichen Analysten deuten ebenfalls nicht auf einen Kurswechsel in Russland hin: So berichtete das amerikanische Institut für Kriegsstudien nun über Vorbereitungen auf eine „groß angelegte Offensive“ in der Region Donezk. Die russische Armee habe in der Region „einen erheblichen Personalvorteil“, heißt es im Lagebericht der US-Analysten.

Es sei wahrscheinlich, dass die russische Armee bei ihrer neuen Offensive erneut auf die sogenannte „Fleischwolf“-Taktik setzen werde, berichteten die Analysten weiter. Dabei wird ohne Rücksicht auf Verluste massenhaft Infanterie eingesetzt, um die gegnerischen Stellungen zu überrennen. Die Verlustrate gilt als enorm. Abertausende russische Soldaten sind seit Kriegsbeginn im „Fleischwolf“ gestorben, der erstmals in Bachmut zum Einsatz gekommen war.

Putin verschleppt Gespräche mit Trump und will Eroberungen

Zu ähnlichen Schlachten könnte es laut den US-Analysten bald erneut kommen. Sowohl die Aussagen von Kreml-Vertretern als auch die militärische Entwicklung sprechen dafür, dass Moskau „Waffenstillstand und Verhandlungen absichtlich in der Hoffnung, mehr Territorium zu gewinnen, hinauszögert“, lautete schließlich das Fazit der US-Analysten. 

Dieser Eindruck wird auch durch die russischen Staatsmedien gestützt – die Propagandisten in Moskaus TV-Studios machten in dieser Woche kaum Hehl daraus, was sie vom Kreml, aber auch von US-Präsident Trump in Zukunft erwarten. „Die ukrainischen Streitkräfte müssen erledigt und das Regime abgesetzt werden“, waren sich Moderator und Gäste der Sendung „Deine eigene Wahrheit“ in dieser Woche einig.

Moskaus TV-Propagandisten haben klare Botschaft für Donald Trump

In der „Dreiecks-Liebesbeziehung“ zwischen Russland, den USA und Europa sei US-Präsident Trump das „Fähnchen im Wind“, befanden die russischen Diskussionsteilnehmer. Der US-Präsident müsse aber langsam verstehen, dass Moskau nicht von seinen Zielen ablassen werde – ganz egal, was Washington anbietet oder verlangt, so die einhellige Meinung im TV-Studio.

„Nichts wird passieren, bis wir nicht alle von ihnen vernichtet haben“, erklärte der RT-Propagandist Abbas Juma dort. „Das wird nicht aufhören, wir werden sie weiterhin jagen und zerstören.“ Trump könne Russland aber gerne Hilfe leisten, führte der Propagandist aus. „Dann machen wir es gemeinsam.“ Sollte der US-Präsident jedoch auf einen unfreundlichen Kurs gegenüber Moskau umschwenken, werde das auch nichts ändern. „Es wird keine Abkommen mit der US-Regierung geben, die das verhindern“, versicherte Juma. 

„Putin bewirft Trump mit einer Idee nach der anderen“

„Putin bewirft Trump mit einer Idee nach der anderen und hängt ihm immer wieder Karotten vor die Nase“, stimmte Moderator Roman Babayan in die martialischen Töne mit ein. Der US-Präsident müsse vorsichtig sein, wenn er auf einen russlandfeindlichen Kurs umschwenke, statt dem Kreml dabei zu helfen, seine Ziele zu erreichen, warnte auch Babayan. „Wenn er einen anderen Weg wählt, wird auch er erledigt sein“, darüber solle Trump nun erst einmal nachdenken, drohte der Moderator.

Washington müsse seine Waffenlieferungen und die Versorgung mit Geheimdienstinformationen ebenso beenden wie jegliche andere Art der Unterstützung für Selenskyj und die Ukraine, lautete die klare Botschaft der TV-Propagandisten an Washington. „Wir sagen Trump: Wenn du den Konflikt beenden willst, dann mach deinen Job.“ Erst dann sei man in Russland bereit, darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Ukraine aussehen könnte, fügte der TV-Moderator an.