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Börsen auf TalfahrtTrudelt die Welt wegen Trump in eine Rezession?

Lesezeit 4 Minuten
An der New Yorker Börse wachsen die Sorgenfalten: Die Handelspolitik von Donald Trump wird nicht nur für die USA selbst zum Risiko.

An der New Yorker Börse wachsen die Sorgenfalten: Die Handelspolitik von Donald Trump wird nicht nur für die USA selbst zum Risiko. 

Börsen weltweit sind wegen Trumps Zollpolitik in Aufruhr, Rezessionsängste wachsen. Anleger sind verunsichert, Experten warnen.

Die Märkte sind in Aufruhr, Anleger sind verunsichert, und Experten warnen vor den wirtschaftlichen Folgen der Politik von US-Präsident Donald Trump. Die drohende Gefahr einer weltweiten Rezession rückt immer näher, doch noch ist unklar, ob die USA und die Weltwirtschaft tatsächlich in den Abgrund stürzen.

„Wir müssen hier unterscheiden zwischen dem Einfluss des ,Newsflows’ und einer tatsächlichen Rezession. Eine Rezession kommt nicht aus heiterem Himmel“, erklärt Investmentexperte Ali Masarwah, CEO und Chefanalyst bei der Fondsplattform Envestor.

Seiner Einschätzung nach ist der sogenannte „Trump-Trade“, also die Marktbewegung basierend auf der Hoffnung auf Steuersenkungen, inzwischen hinfällig. „Zwei Monate nach dem Amtsantritt von Trump ist klar, dass seine Agenda sehr viel mehr umfasst als nur Steuersenkungen und deklaratorische Siege bei Zollstreitigkeiten. Das verunsichert Investoren weltweit und Konsumenten in den USA.“

Ansteckungsgefahr durch US-Börsen

Ein besonders besorgniserregender Aspekt sei die aggressive Zollpolitik der US-Regierung. „Wenn die große Zolloffensive tatsächlich in Kraft tritt und die anderen Umbaumaßnahmen der US-Volkswirtschaft so beschritten werden, wie es sich andeutet, wird es ans Eingemachte gehen“, so Masarwah. Sollte dies zur Folge haben, dass die USA in eine Rezession abrutschen, „wird es eine weltweite Rezession geben“.

Es sei möglich, dass Europa, China oder Schwellenländer weniger stark betroffen sein werden als die USA. Aber die „Ansteckungsgefahr“ durch Amerika ließe sich kaum verhindern: „Dafür sind die USA zu wichtig.“ Weltweite Börsen würden demnach in Mitleidenschaft gezogen.

Diese Sorgen spiegeln sich auch an den Börsen wider. „Eine Verkaufswelle rollt über den Globus“, warnt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Vermögensverwalters CMC Markets. Die Strafzölle der US-Regierung und die Angst vor weiteren wirtschaftspolitischen Maßnahmen sorgen weltweit für Trostlosigkeit.

„Stand der DAX am vergangenen Mittwoch noch über 23.000 Punkten, sieht es fast danach aus, als könnte der Index demnächst die 22.000-er Marke testen“, so Stanzl. Zwar habe sich der DAX eine Zeit lang gegen die Korrektur an den US-Börsen wehren können. Doch allmählich zeige sich, dass „wachsende Rezessionsrisiken in den USA auch ein Thema für Europa werden“.

Experte prognostiziert schrumpfende Wirtschaft in den USA

So oder so: Der Risikoappetit der ersten Wochen des Jahres ist dahin. Stanzl zufolge nehmenAnleger und Vermögensverwalter ihre „Chips vom Tisch“, verkleinern Positionen und sehen davon ab, neue große Investitionen zu tätigen.

Stanzl hebt zudem die Auswirkungen auf die Konsumentenstimmung hervor, die durch Entlassungen im öffentlichen Dienst und die Möglichkeit weiterer Strafzölle stark eingetrübt sei. „Wenn sich der Konsum, der zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmacht, abschwächt, sind die Folgen unmittelbar beim Wachstum zu spüren.“ Gleichzeitig warnen Analysten, dass ein anhaltender Handelskrieg auch Inflationstreiber sein könnte. Zwar rechnen die Anleger damit, dass sowohl die EZB als auch die Federal Reserve die Leitzinsen in diesem Jahr dreimal senken werden. Jedoch nehmen mit Strafzöllen auch die Risiken für eine Zunahme der Inflation zu.

Am 30. April könnte sich das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme klarer abzeichnen, wenn die erste Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts für das erste Quartal 2025 veröffentlicht wird. „Wir werden wahrscheinlich sehen, dass das BIP der USA im ersten Quartal geschrumpft ist“, prognostiziert Stanzl. Dabei sei ein Teil dieses Rückgangs allerdings durch Sondereffekte zu erklären: „Der Rückgang liegt aber vor allem daran, dass Unternehmen und Konsumenten in Erwartung der Strafzölle viel mehr importiert haben, was die Handelsbilanz verzerrt. Das sind aber zunächst nur Vorzieheffekte und keine echte Rezession.“

Trump erreicht das Gegenteil dessen, was er wollte

Noch ist die globale Rezession nicht unausweichlich, betonen die Experten. Viel hänge vom weiteren politischen Handeln der US-Regierung ab. Sollte Trump seinen Konfrontationskurs jedoch beibehalten oder gar ausweiten, steige die Wahrscheinlichkeit eines weltweiten Abschwungs erheblich. „Noch hoffen viele, dass die Strafzölle nur dazu dienen, Druck für Verhandlungen aufzubauen“, so Stanzl. „Bleiben sie aber wochenlang oder noch länger bestehen, wird das Wachstum leiden.“

Ironischerweise könne Trumps „America First“-Strategie am Ende genau das Gegenteil dessen bewirken, was er versprochen hat. Statt die USA wirtschaftlich zu stärken, könne seine aggressive Handelspolitik eine globale Rezession auslösen, die niemandem nützte – weder den USA noch ihren Handelspartnern.