Der Bahnverkehr ist durch den Warnstreik am Freitag massiv beeinträchtigt. In Köln gab es eine Kundgebung vor 80 Warnstreikenden.
Tarifstreit mit der BahnGDL gibt sich in Köln kämpferisch

Köln: Reisende warten im Kölner Hauptbahnhof am Informationsschalter der Deutschen Bahn (DB).
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Das Zugangebot am Kölner Hauptbahnhof ist übersichtlich. Die Züge, die zwischen 12 und 14 Uhr hier starten, stehen alle auf der großen Anzeigetafel im Bahnhofgebäude. Oft gibt es den Zusatz, dass der Zug nicht bis zum geplanten Zielbahnhof fährt, sondern früher endet.
Das geht auch einem Paar so, das nach Oldenburg fahren möchte. Ihr Zug, der ursprünglich bis Kiel fahren sollte, endet in Hamburg. Das trifft sie nicht. Sie steigen schon in Bremen aus. Von da aus soll es mit einem Bus weitergehen – hoffen sie. Noch sind sie entspannt. Immerhin fünf ICE bringt die Bahn am Mittag in Köln an den Start. Auch einzelne Regionalzüge verkehren. Darunter ist eine Verbindung zum Flughafen, auf den drei junge Frauen setzen, die in die Türkei fliegen wollen.
Es ist ruhig im Bahnhof. An zwei Schaltern in der Halle geben Bahnmitarbeitende Auskunft. Selten stehen hier fünf Reisende oder mehr in der Warteschlange. Die Reisenden haben sich offenbar auf den Warnstreik der Gewerkschaft GDL eingestellt, der am Freitag den Bahnverkehr stark behindert.
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GDL gibt sich in Köln kämpferisch
Auf dem Bahnhofsvorplatz gibt sich die GDL kämpferisch. Hier bekräftigen der Bezirksvorsitzende Sven Schmitte und der stellvertretende GDL-Chef Lars Jedinat die Forderungen. Vor allem gehe es der GDL um eine Reduzierung der Arbeitszeit, sagten sie auf einer Kundgebung vor etwa 80 Warnstreikenden. Statt 38 Stunden pro Woche strebt die GDL für Schichtarbeiter die 35-Stundenwoche an – bei vollem Lohnausgleich. „Gelingt das nicht, fährt die Eisenbahn nicht mehr, weil keiner mehr hier arbeiten will“, sagt Schmitte. Auch einen Inflationsausgleich will die GDL in der Tarifrunde erreichen. Die Forderungen unterstreichen die Warnstreikenden auf Plakaten. Auch Masken von Claus Weselsky halten sie hoch. Ein Loblied auf den GDL-Chef, der auf einer Kundgebung in Potsdam spricht, hatte schon die Kundgebung eröffnet. Immer wieder gibt es lauten Beifall, wenn ein Sprecher bekundet: „Wir stehen hinter Claus.“
Es gibt Vorwürfe gegen die Bahnmanager, die für Verspätungen, fehlende Waggons, defekte Speisewagen, geänderte Wagenreihung und Zugausfälle wegen plötzlicher Erkrankung des Personals verantwortlich gemacht werden, die die Nerven der Kunden strapazieren. Das Management hätte die Bahn nicht zusammensparen dürfen, müsse auch ausreichendes Personal vorhalten, um Ausfälle ausgleichen zu können, so Schmitte.
GDL-Chef Weselsky ist optimistisch
So klingt es auch bei Weselsky, der bei einer Kundgebung am Rande der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder auftrat. Mit der Aktion wollte der Beamtenbund dbb, dessen Mitglied die GDL ist, Solidarität mit den Bahnbeschäftigten demonstrieren. Weselsky warf der Politik vor, „einen riesengroßen Fehler“ bei der Privatisierung von Post, Telekom, aber auch der Bahn gemacht zu haben. „Heute sind wir systemrelevant und sollen nicht streiken“, sagte der Gewerkschafter. „Und genau den Gefallen können wir nicht tun“, so Weselsky.
Die Arbeitszeit werde nicht von heute auf morgen drei Stunden abgesenkt, so Weselsky. Aber die GDL werde der Bahn zu verstehen geben, „wie die Reise hier zu gehen hat“. Weselsky, Schmitte und Jedinat zeigten sich siegessicher. „Wir werden sie knacken“, so Weselsky. Auch neue Streiks im Januar kündigten sie an. „Die werden länger und härter“, so Schmitte. (mit afp)