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Prozess gegen Baron von Ullmann„Wir hätten 2005 das Geld nehmen und gehen sollen“

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Kölner Landgericht außen

Die Außenansicht des Landgerichts in Köln

"Wir hätten 2005 das Geld nehmen und gehen sollen." Diesen Schluss im Nachhinein zieht Isabelle Marquardt als Zeugin im Untreue-Prozess gegen Georg Baron von Ullmann vor dem Kölner Landgericht. 2005 war Alfred von Oppenheim, langjähriger Chef und späterer Chef des Aufsichtsrats und des Aktionärsausschusses von Sal. Oppenheim, gestorben. Auf den hatte sie wohl gesetzt wie auf andere erfahrene persönlich haftende Gesellschafter.

Ex-Partner war auch ihr Vater, Graf Strasoldo, von dem sie und ihre Schwestern einen kleinen Anteil an der Bank noch zu seinen Lebzeiten erhalten hatten. Die Väter, und damit meint sie wohl auch die Väter von anderen kleineren Anteilseignern, die von ehemaligen Partnern Beteiligungen geerbt hatten, waren weg. Und damit fehlten ausgebildete Banker, die das Institut hätten überwachen können.

Marquardt war Mitglied im Aktionärsausschuss der Bank. Dennoch habe sie, so schildert sie am Mittwoch, wichtige Entscheidungen erst im Nachhinein erfahren oder in ihrer Tragweite verstanden. Das gilt etwa für ein Immobiliengeschäft in Frankfurt, das hier verhandelt wird. Dass wirklich Schluss mit der Bank war, habe sie erst mit der Übernahme durch die Deutsche Bank verstanden. Da habe sie ihre Anteile gegen Übernahme von Schulden abgegeben.

"Man hätte das mehr aufarbeiten sollen", sagte auch Friedrich Carl von Oppenheim. Das wäre auch seine Aufgabe als Vorsitzender des Aktionärsausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats gewesen. Wenn er Ende 2008 gewusst hätte, dass die Immobilien in Frankfurt ohne Marktwertgutachten gekauft worden seien, kann er sich vorstellen, dass der Aktionärsausschuss darüber diskutiert hätte. Gegengezeichnet hätte er keine Geschäfte, bei denen der Ausschuss nein sagt. Man habe sich aber nicht als Kontrollgremium verstanden.

Georg von Ullmann wird Untreue durch Unterlassung vorgeworfen. Er soll als Aufsichtsrats-Chef und stellvertretender Vorsitzender des Aktionärsausschusses den Ankauf der Immobilien in Frankfurt nicht in den Gremien thematisiert haben.