Microsoft investiert massiv im Rheinischen Revier. Ein erklecklicher Teil von insgesamt knapp 3,3 Milliarden Euro, die in den kommenden zwei Jahren in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz fließen, landet in der Region.

Kommentar zur MilliardeninvestitionMicrosoft-Ansiedlung ist ein Ritterschlag für das Rheinische Revier

Microsoft investiert in Bergheim, Elsdorf und Bedburg in Rechenzentren.
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Die Ansiedlung von Großrechenzentren von Microsoft kann das Rheinische Revier zu Recht als großen Erfolg feiern. Der Tech-Gigant hat also Vertrauen in die Infrastruktur inklusive der Versorgung mit Energie der stromhungrigen Speicher. Auch die benötigte Fachkräfte glaubt Microsoft in der Region finden zu können. Das ist ein Ritterschlag.
Den braucht die Region freilich auch dringend beim Umbau im Zuge des Kohleausstiegs und dem damit verbundenen baldigen Ende der Braunkohleverstromung. Erfolgsverwöhnt ist es nämlich dabei bislang nicht sonderlich, auch wenn es sehr positive Ansätze gibt. Der Brainergy-Park in Jülich entwickelt sich. 4000 Menschen sollen hier in zehn Jahren einmal arbeiten — auch in der Hochtechnologie rund neue Energie, Energiewende und Wasserstoff.
Leuchtendes Vorbild
Was im Revier alles geht, zeigt das seit über 60 Jahren bestehende Forschungszentrum Jülich. Aktuell hat das über 7000 Mitarbeitenden sowie fast 1000 Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern — fast so viele Menschen wie noch auf den RWE-Lohnlisten im Revier sind.
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Da nehmen sich die 300, die einmal durch die Pforten des Hyperscale Data Center Campus von Microsoft gehen werden, bescheiden aus. Aber mit dem Daten- und Cloud-Computing sowie KI kommt eine weitere Zukunftstechnik ins Revier.
Auch Arbeitsplätze in der Industrie müssen her
Zukunftstechnologie ist wichtig, um jungen Menschen, die an Hochschulen rund um das Rheinische Revier ausgebildet werden, Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region zu geben und sie damit zu halten. Und Standorte, an denen sich einmal Hightech-Unternehmen oder Forschungseinrichtungen angesiedelt haben, sind für weitere Ansiedlungen attraktiv — auch für Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen. Und natürlich locken sie Dienstleister an oder bieten Arbeit für Handwerker.
Aber letztlich braucht es auch die Ansiedlung von Industrie, um die wegfallenden Arbeitsplätze bei RWE zu kompensieren. Hier werden Mitarbeitende in großer Zahl benötigt, und hier gibt es in der Regel hohe Tariflöhne, die es bei RWE gegeben hat. Die Löhne sind jedenfalls höher als in der Logistik oder in der Touristik. Dass es die Jobs an den künftigen Seen erst in Jahrzehnten gibt, ist weiteres Problem. Anknüpfungspunkte dafür gibt es auch in der Region. Da gibt es etwa Kerne der Textil- und der Papierindustrie, in der 10 000 Menschen im Revier arbeiten. Und auch in diesen Bereichen gibt es Hochtechnologie.