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Netflix-Hit„Adolescence“ entfacht Debatte über Frauenhass bei Jugendlichen

Lesezeit 3 Minuten
HANDOUT - 25.03.2025, Großbritannien, -: Owen Cooper (l-r) spielt in der Rolle des Jamie Miller neben Stephen Graham als Eddie Miller in der britischen Netflix-Serie «Adolescence».

Owen Cooper (l-r) spielt in der Rolle des Jamie Miller neben Stephen Graham als Eddie Miller in der britischen Netflix-Serie „Adolescence“.

Die Serie „Adolescence“ zeigt die Radikalisierung eines 13-jährigen Jungen durch sozale Medien und antifeministische Ideologien.

Die vierteilige Drama-Serie „Adolescence“ endet dort, wo sie ihren Anfang nahm: im Schlafzimmer eines 13-jährigen britischen Jungen. Ein Teddybär liegt auf dem Bett, die Tapete zeigt kindliche Sternenmotive – es wirkt wie ein Ort der Unschuld. Möglicherweise handelt es sich jedoch um genau jenen Raum, in dem Jamie Miller, so der Name des Teenagers, gespielt von Owen Cooper, über das Internet mit frauenfeindlichen Ideologien konfrontiert wurde und in dem seine Radikalisierung begann, die schließlich im Mord an einer Mitschülerin gipfelte.

HANDOUT - 25.03.2025, Großbritannien, -: Erin Doherty spielt in der Rolle der Briony Ariston in der britischen Netflix-Serie «Adolescence».

Die vierteilige Serie ist seit dem 13. März 2025 auf Netflix verfügbar.

„Es geht darum, was in diesen Räumen geschieht, wenn wir nicht dabei sind“, so der Schauspieler Stephen Graham, der Jamies Vater spielt und Co-Autor der Serie ist. Wie werden junge Menschen radikalisiert? Wie entwickeln sich gefährliche Ideen und Weltbilder?

Netflix-Serie Adolescence: Echtzeit-Episoden ohne Schnitt

Das Netflix-Drama „Adolescence“ („Jugendphase“), dessen Drehbuch überdies von Jack Thorne stammt, trifft einen gesellschaftlichen Nerv. Der Vierteiler, der am 13. März erschien, wurde im Königreich und weltweit Millionen Mal abgerufen; und er hat eine breite Debatte darüber ausgelöst, wie der Medienkonsum von Kindern und Teenagern auf der Insel reguliert werden kann, um eine Radikalisierung zu verhindern.

Der 13-Jährige wird in der Serie verdächtigt, eine Mitschülerin ermordet zu haben.

Der 13-Jährige wird in der Serie verdächtigt, eine Mitschülerin ermordet zu haben.

Schließlich schildert das Drama einen Albtraum aller Eltern. Jamies Vater und Mutter werden als vollkommen ahnungslos dargestellt. Die Tatsache, dass ihr Kind offenbar durch antifeministische, sogenannte Manosphere-Ideologien beeinflusst, zu einem Mord fähig war, ist für sie ein Schock. Die Serie beeindruckt jedoch auch durch ihre außergewöhnliche Machart: Die Echtzeit-Episoden wurden ohne Schnitt aufgenommen und drehen sich weniger um die Tat selbst als um die Zeit nach der Verhaftung des Jungen – die Beweise für seine Schuld sind erdrückend – und wie es dazu kommen konnte.

Im Zwiegespräch mit einer Psychologin zeigt sich im dritten Teil das Ausmaß der Wut des 13-Jährigen. Er verwandelt sich vom stillen, in sich gekehrten Jungen zu einem emotional entgleisten Jugendlichen, dessen aufgestaute Verachtung sich selbst und seiner Mitschülerin gegenüber unkontrolliert an die Oberfläche drängt.

Adolescence“ macht deutlich: Frauenhass durchzieht digitale Räume und nimmt neue gefährliche Formen an. Besonders bedrohlich zeigt sich diese Entwicklung der sogenannten Incel-Szene, einem Online-Milieu, das real existiert und mit der in der Serie auch Jamie konfrontiert wird.

„Diese Räume in den sozialen Medien sind weder harmlos noch neutral – und schon gar nicht auf das Wohl von Kindern ausgerichtet“, sagt Daisy Greenwell von der britischen Elterninitiative „Smartphone Free Childhood“ („Smartphone-freie Kindheit“). Premierminister Keir Starmer, der die Serie gemeinsam mit seinen jugendlichen Kindern gesehen hat, wie er sagte, warnte vor einigen Tagen im britischen Unterhaus vor der wachsenden Radikalisierung.

Die in dem Vierteiler dargestellte Gewalt nannte er „abscheulich“. Er pochte auf mehr Aufklärung sowie eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Drehbuch-Autor Thorne forderte indes entschlossenere Schritte von der Regierung. Ihm zufolge sollte Jugendlichen unter 16 Jahren der Zugang zu sozialen Medien untersagt werden.

„Adolescence“ selbst gibt jedoch keine einfachen Antworten. Das Drama zeigt ein breites Versagen: von überforderten Lehrkräften über unaufmerksame Eltern bis hin zu einer Polizei, die digitale Jugendkultur nicht versteht. Die zentrale Botschaft, so Thorne: Nicht nur die Technik ist schuld – das gesamte gesellschaftliche Umfeld trägt Verantwortung. „Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“, zitierte er das bekannte Sprichwort. Doch es brauche ebenso „ein Dorf, um ein Kind zu zerstören“. Mit „Adolescence“ wolle er genau dieses Dorf dazu bewegen, den Kindern zu helfen.