Die neue Netflix-Serie „The Residence“ ist eine Mischung aus Krimi und Komödie und glänzt mit Uzo Aduba als schräger Ermittlerin.
Neue Serie auf NetflixUzo Aduba ermittelt als schräge Detektivin in „The Residence“

„The Residence“ mit Uzo Aduba als Cordelia Cupp.
Copyright: Jessica Brooks/Netflix
„Wissen Sie, dass ich den Ruf haben, unlösbare Verbrechen aufzuklären?“ Wenn man sich Cordelia Cupp so anschaut, mag man es nicht glauben: In Outfits, die eher ein englischer Landadeliger tragen würde, steht sie im Garten des Weißen Hauses, das Fernglas im Anschlag, Ausschau haltend nach Vögeln, die im Umfeld des Regierungssitzes des Präsidenten der Vereinigten Staaten Luft und Bäume bevölkern.
Cordelias Hobby ist „Birding“, Vogelbeobachtung. Doch eigentlich soll sie herausfinden, wie es kommt, dass der Chief-Usher (quasi der Chef des Haushaltes) drinnen tot neben einem Billardtisch in einem der oberen Stockwerke liegt.
Übungen in Kompetenzgerangel
Und schon ist man mittendrin in der neuen Serie „The Residence“ (ab heute bei Netflix), einer Geschichte, die wirkt, als hätte Agatha Christie eine Komödie geschrieben. Aber eine ziemlich abgedrehte.
Alles zum Thema Netflix
- Serie soll Schulstoff werden Schon fast 100 Millionen Abrufe für Serienhit „Adolescence“ bei Netflix
- Netflix-Hit „Adolescence“ entfacht Debatte über Frauenhass bei Jugendlichen
- Neue Serie bei Netflix „Handbuch einer Anstandsdame“ ist eine spanische Kusine von „Bridgerton“
- Netflix-Hit „Adolescence“ ist die Antwort auf Andrew Tate und Trump, die es braucht
- Alles, was Sie wissen müssen Deswegen begeistert die Netflix-Serie „Adolescence“ weltweit Millionen
- Netflix-Hit Warum „Adolescence“ weltweit Millionen bannt
- Netflix-Serie „Totenfrau“ Zweite Staffel zeigt Blum als Rachegöttin auf der Ducati
Während die Jungs von CIA, FBI, Parkpolice und wie sie alle heißen sich in Kompetenzgerangel üben, der Berater des Präsidenten das Ganze am liebsten schnell unter „Suizid“ ablegen würde, lässt sich die Ermittlerin Zeit. Obwohl sich im Erdgeschoss ein Staatsbankett seinem Ende neigt und Kylie Minogue genötigt wird, ihren Auftritt unnötig in die Länge zu ziehen.
Kurz bevor die Gäste das Haus verlassen, setzt die Detektivin durch, dass alle bleiben müssen. Und eine lange Nacht der Befragungen beginnt ...
Die toughen Frauen von Shonda Rhimes
Cordelia Cupp ist wieder eine dieser toughen schwarzen Frauen, die sich in allen Serien-Projekten von Shonda Rhimes finden, angefangen von Miranda Bailey (Chandra Wilson) in „Grey’s Anatomy“ über Annalise Keating (Viola Davis) in „How To Get Away With Murder“ bis hin zu Lady Danbury (Adjoa Andoh) und Queen Charlotte (Golda Rosheuvel) in „Bridgerton“.
Und auch Uzo Aduba, bekanntgeworden als „Crazy Eyes“ in der Gefängnisserie „Orange Is The New Black“, ist wie ihre Vorgängerinnen in der Rolle der störrisch-stoischen Spürnase eine Wucht.
Verbeugung vor Agatha Christie
Sie lässt die abgedreht agierende Cupp in diesem Haufen Durchgedrehter und Geltungssüchtiger. Sie stellt keine Fragen, starrt ihr Gegenüber so lange an, bis er oder sie sich offenbart, um dann aber im eigenen Redefluss das rettende Ufer verpasst.
Dabei reiht sich die Figur nahtlos ein in die Regie der schrägen Ermittlerinnen und Ermittler, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen: schlau wie Jane Marple, exzentrisch wie Poirot. In den acht Folgen finden sich dazu einige Anspielungen und Verbeugungen vor der britischen Autorin.
Ein Stück Sozialkritik
Doch Produzentin Shonda Rhimes lässt nicht nur einen typischen Upstairs/Downstairs-Konflikt, also das bekannte „Oben“ gegen „Unten“ erzählen. Hier geht es auch um das Gegeneinander der zum Teil seit Jahrzehnten Festangestellten gegen alle die, die mit jeder neuen Administration in „ihr“ Haus gespült werden.
Und dass die Festangestellten in überwiegender Mehrzahl people of colour sind (von denen interessanterweise wiederum die Mehrheit schwarz ist), bringt auch ein Stück Gesellschaftskritik in den eigentlichen Spaß. Stark ist etwa eine Sequenz, in der fast nebenbei gezeigt wird, welche Odysseen mit Bussen und Bahnen die Mitarbeitenden auf sich nehmen müssen, um von ihrem jeweiligen Zuhause zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen.
Im Mittelpunkt stehen neben der Riege der Verdächtigen natürlich die Schauwerte des Weißen Hauses. Wie beseelt schweben die Kameras durch Treppenhäuser, über Flure, und in Zimmer hinein, um sich dann gen Decke und durch diese hindurch zu bewegen, um aus der Vogelperspektive einen neuen Blick zu gewähren.
Zwischendurch hat man das Gefühl, dass es hier und da etwas langatmig gerät. Doch jedes Mal zieht das Tempo rechtzeitig wieder an. Und gen Ende wird man dazu mit einer ganzen Reihe von Wendungen belohnt, so dass man bis zum Schluss rätselt: Wer hat den Chief-Usher auf dem Gewissen?
Acht Folgen (jeweils unter 60 Minuten) bei Netflix.