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Nach Pokal-BlamageXabi Alonso nimmt sich selbst in die Pflicht

Lesezeit 3 Minuten

„Großer Rückschlag“: Trainer Xabi Alonso macht das peinliche Pokal-Aus der Werkself zu schaffen.

Der Trainer von Bayer Leverkusen will aus dem Desaster bei Arminia Bielefeld lernen. Gegen den 1. FC Heidenheim braucht es am Samstag eine Reaktion der Werkself.

Natürlich konnte er nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Xabi Alonso, der in seiner Spielerkarriere jeden wichtigen Titel im Weltfußball gewonnen und vor zweieinhalb Jahren zu einer ähnlich erfolgreichen Trainerkarriere angesetzt hat, versuchte gar nicht erst, das Debakel von Bielefeld kleinzureden. Drei Tage nach der peinlichen 1:2-Niederlage im Halbfinale des DFB-Pokals räumte der Coach von Bayer 04 Leverkusen am Freitag ein: „So einen großen Rückschlag hatten wir noch nicht. Wir haben in den letzten 25 Monaten viel gewonnen, aber jetzt ist die Situation eine andere.“

Der Doublesieger hat sich innerhalb von drei Wochen aus der Champions League und dem DFB-Pokal verabschiedet. Die Folgen werden erst in den kommenden Wochen vollumfänglich zu spüren sein. Dann nämlich werden die Titel in der Königsklasse und im nationalen Cup-Wettbewerb ohne die Werkself vergeben. Für Siegertypen wie Xabi Alonso und Florian Wirtz stellt dies sicherlich nicht die erhoffte Perspektive dar. Die spannende Frage lautet daher, ob das Duo unter diesen Voraussetzungen seine Zukunft über den Sommer hinaus in Leverkusen sieht.

Ich hoffe, dass ich als Trainer daraus lernen kann. Wenn nicht, bin ich sehr dumm.
Xabi Alonso, Trainer Bayer Leverkusen

Vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim am Samstag (15.30 Uhr/Sky) war der Meistertrainer aber nicht mit seiner eigenen Zukunft oder der seines derzeit verletzten Ausnahmespielers beschäftigt. Pflichtbewusst hatte Xabi Alonso die Schmach von Bielefeld im Video analysiert, nun präsentierte er seine Erkenntnisse. Zunächst in eigener Sache: „Ich hoffe, dass ich als Trainer daraus lernen kann. Wenn nicht, bin ich sehr dumm“, nahm Alonso sich selbst in die Pflicht. Der desolate Auftritt beim Drittligisten sorgte hinter den Kulissen für viele Gespräche. „Es ist normal, dass wir miteinander sprechen und unsere Emotionen teilen“, sagte Alonso. „Natürlich ist der Schmerz noch da. Der Pokal war ein sehr, sehr wichtiges Ziel für uns.“

Leverkusens Trainer steht nun vor der Aufgabe, die Enttäuschung über den leichtfertig vergebenen Final-Einzug in eine angemessene Trotzreaktion zu verwandeln. Im Sport müsse man auch „harte Niederlagen“ akzeptieren und diese beiseiteschieben, forderte Xabi Alonso. „Jetzt können wir uns wirklich nur auf die Bundesliga fokussieren“, hielt der Trainer des Tabellenzweiten vor dem Duell beim Relegationsplatz-Inhaber fest. Bayer 04 darf davon ausgehen, dass die abstiegsbedrohten Heidenheimer den Bielefelder Stil als Blaupause nehmen und die Werkself mit aggressivem Mittelfeldpressing stressen werden. „In Wolfsburg haben sie es so gemacht“, erklärte Alonso mit Blick auf den 1:0-Sieg des FCH in Niedersachsen. „Sie werden drücken und uns nicht so viel Zeit geben.“

Bayer Leverkusen: Superstar Florian Wirtz könnte gegen Union Berlin in den Kader zurückkehren

Um im Meisterrennen mit Bayern München die Chance auf den letzten verbliebenen Titel zu wahren, brauche es nun „Vertrauen“, sagte Alonso. „Wir müssen an uns glauben, vor allem mit dem Ball.“ Prädestiniert dafür wäre natürlich Florian Wirtz. Der am Knöchel verletzte Ideengeber absolvierte am Freitag den ersten Teil des Mannschaftstrainings, ein Einsatz in Heidenheim kommt aber zu früh. Im darauffolgenden Spiel gegen Union Berlin am 12. April könnte Wirtz aber in den Kader zurückkehren.

Über die Abhängigkeit von seiner Nummer zehn wollte Alonso vor dem 28. Spieltag ebenso wenig reden, wie über vermeintlich falsch bewässerte gegnerische Rasenplätze. „Das ist keine Ausrede und kein Grund“, unterstrich der Bayer-Coach und schaltete in den Angriffsmodus: „Jetzt gibt es für uns nur noch die Bundesliga. Dort sind wir in einer interessanten Position. Also wollen wir für alles kämpfen und es versuchen.“

Voraussichtliche Aufstellungen:Heidenheim: Müller; Mainka, Gimber, Siersleben; Busch, Schöppner, Dorsch, Krätzig, Traoré, Beck; Pieringer. – Leverkusen: Hradecky; Mukiele, Tah, Hincapie; Frimpong, Xhaka, Garcia, Grimaldo; Adli, Schick, Tella. – SR.: Stieler (Sölden).