Köln – Der 1. FC Köln kennt sich mit Unwägbarkeiten ja nun wirklich bestens aus. Trotz dieser Erfahrung gab es am Sonntag große Zweifel, dass der Fußball-Bundesligist den Auftakt der neuen Saison erfolgreich wird gestalten können. Nicht nur, dass mit Mark Uth und Timo Hübers zwei tragende Säulen verletzt ausfielen, am Morgen des Spieltags verabschiedete sich auch noch Anthony Modeste in Richtung Dortmund (siehe Bericht unten).
Der Torjäger, der vergangene Saison mit 20 Toren die Lebensversicherung des FC auf dem Weg in die Conference League war und von den Fans auf Händen getragen wurde. Als die 90 Minuten gegen Aufsteiger FC Schalke 04 beendet waren, gab es keine Zweifel mehr.
Baumgart muss geplante Startelf umbauen
Die Geißbocke hatten allen Schwierigkeiten getrotzt und nach einer beherzten Leistung beim 3:1 (0:0) die ersten drei wichtigen Punkte der Saison eingefahren. Steffen Baumgart musste also kurzfristig und mit keiner allzu guten Laune seine Startformation umkrempeln.
Der FC-Coach entschied sich aufgrund der Kopfballstärke für Florian Dietz als Modeste-Ersatz und zog Jan Thielmann vom rechten Flügel in die Spitze vor. Kingsley Schindler besetzte den rechten Flügel.
Neuzugang Adamyan zunächst auf der Bank
Etwas überraschend blieb Neuzugang Sargis Adamyan damit zunächst auf der Bank. Eine Aufstellung, die auch wegen der Ausfälle von Uth und Hübers so alles andere als geplant und gewollt war.
Rechnet man den Abgang von Salih Özcan nach Dortmund dazu, fehlte den Kölnern im Vergleich zur vergangenen Saison eine komplette Achse aus Abwehrchef, Sechser, Spielmacher und Torjäger.
Videoassistent nimmt Schalke-Tor zurück
Durchaus erstaunlich also, dass das Baumgart-Team nur knappe zehn Minuten benötigte, um all das Unvorhergesehene und Verwirrende im Vorfeld des Auftaktspiels sortiert zu bekommen.
Unterstützung erhielten die Gastgeber zudem von Sören Storks. Der Videoassistent schaltete sich ein, nachdem Rodrigo Zalazar einen von FC-Kapitän Jonas Hector zu kurz abgewehrten Freistoß in den Winkel geknallt hatte (10.). Das Tor fand aber keine Anerkennung, weil Storks eine Abseitsstellung von Maya Yoshida erkannt hatte, und Schiedsrichter Robert Schröder dieser Meinung nach Ansicht der Bilder folgte.
Früher Platzverweis für Drexler
Der Schalker Kapitän hatte FC-Torwart Marvin Schwäbe im Moment von Zalazars Schuss aktiv die Sicht genommen. Es sollte nicht Storks letzter Einsatz zugunsten des FC bleiben. In der 35. Minute schickte der Videoassistent Schröder erneut in die Video-Area.
Alle im Stadion gingen davon aus, dass ein Ellbogenschlag von Kölns Luca Kilian gegen Tobias Mohr im FC-Strafraum überprüft wird, doch es war ein fieser Tritt von Dominick Drexler in die rechte Wade von Jonas Hector. Schröder blieb keine andere Wahl, als dem Ex-Kölner wegen groben Foulspiels vom Platz zu stellen.
Dominante Kölner mit Chancen
Die Geißböcke bestimmten das Geschehen allerdings schon bevor sie in Überzahl kamen. Jeff Chabot nach Kainz-Ecke (17.) und der fleißige Dietz hätten für das 1:0 sorgen können. Der Mittelstürmer, vergangene Saison noch für die U21 des FC in der Regionalliga aktiv, scheiterte erst aus spitzem Winkel (21.) und dann nach Flanke von Benno Schmitz aus fünf Metern freistehend per Kopf an Schalke-Keeper Alexander Schwolow (25.).
Den Kölnern gelang sicher nicht alles, aber in puncto Einsatz und Leidenschaft war ihnen nichts vorzuwerfen. Und sie setzten Baumgarts Spielidee mit Flügelspiel und aggressivem Anlaufen konsequent um.
Kilian mit der Führung für die Kölner
Dejan Ljubicic, der Mark Uth auf der Zehn sehr gut vertrat und es aimmer wieder aus der Distanz versuchte, prüfte Schwolow mit einem Schlenzer (36.). Die Kölner Führung lag bei 16:3-Torschüssen und 70 Prozent Ballbesitz in der Luft und fiel direkt nach dem Seitenwechsel im Anschluss an die siebte Ecke.
Nach kurzer Ausführung fand Ljubicic Hector im Strafraum, der quer an den Fünfer zu Luca Kilian passte. Der “Holzfuß” machte sich lang und grätschte den Ball zum umjubelten 1:0 über die Linie (49.).
Wieder Video-Glück für den FC: Kainz erhöht auf 2:0
Schalke fand in Unterzahl keinen Weg mehr in die Offensive, auch weil der FC den Druck hochhielt - und ein drittes Mal von Sören Storks profitierte. Der Mann im Kölner Keller wies auf eine Fehlentscheidung hin, als Robert Schröder dem 2:0 von Florian Kainz die Anerkennung wegen eines vermeintlichen Foulspiels an Schwolow verweigerte.
Weil es aber kein Foul gab und auch keine Abseitsstellung des gerade eingewechselten Adamyan vorlag, durfte sich der Österreicher über seinen ersten Saisontreffer freuen (64.). Der erste Saisonsieg blieb danach ungefährdet, weil die Kölner das eher zufällige 2:1 durch Marius Bülters Kopfball (76.) unbeeindruckt wegsteckten und durch ihren Besten wieder erhöhten.
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Ljubicic köpfte eine Thielmann-Flanke an den Innenpfosten, an Schwolows Hacke und von dort zum 3:1 ins Tor (80.). Der Rest war Jubel und kein Gedanke mehr an Anthony Modeste, der seit Sonntag ein Teil der FC-Geschichte ist. (ms)