Köln – Ein gesundes Selbstbewusstsein kann viel bewegen. Der 1. FC Köln gibt in der noch jungen Saison 2020/21 der Fußball-Bundesliga ein prächtiges Beispiel dafür ab, was eine breite Brust und das richtige Selbstverständnis ausmachen können. Acht Punkte nach fünf Spieltagen, zu Hause noch ungeschlagen und Initiator einer heillosen Euphorie in der fußballverrückten Domstadt: Die Geißböcke glauben an ihre Möglichkeiten und haben in Steffen Baumgart einen Trainer, der ihnen das nötige Selbstbewusstsein täglich vorlebt. Auch vor der Partie am Samstag (15.30 Uhr, Sky) bei Europa League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt. „Ob Frankfurt mit Dreier- oder Viererkette spielt, ist fast egal. Wir wissen in beiden Fällen, wie wir anlaufen müssen. Wir wollen uns weiter belohnen und können auch mit dem Selbstbewusstsein auftreten, dort gewinnen zu können.“
Ein Blick auf den Datensatz der Deutschen Fußball Liga lässt vermuten, dass es im 91. Bundesliga-Duell zwischen Eintracht und FC ein ähnliches Spektakel wie beim jüngsten 1:1 des FC gegen RB Leipzig geben könnte. Mit Frankfurt und Köln treffen nämlich zwei der laufstärksten und schnellsten Teams der Liga aufeinander. In der Kategorie Laufdistanz liegt die Eintracht mit 590,8 Kilometern auf Platz zwei hinter Bielefeld (591,2) und dem FC (586). Wobei dem Baumgart-Team durch den Platzverweis von Florian Kainz in Freiburg sogar noch der ein oder andere Meter fehlt. Auch bei den Sprints (1246) liegen die Hessen auf Rang zwei, 105 Sprints und drei Plätze besser als der FC. In Sachen intensive Läufe erreicht Frankfurt mit 3695 gefolgt von den Kölnern (3680.) sogar den Liga-Bestwert.
Baumgart sendet Lob in Richtung Frankfurt
„Frankfurt gehört von den Daten her zu den fleißigsten Mannschaften und spielt mit hoher Intensität“, lobt Baumgart den Gegner und nimmt die Herausforderung an. Wer Bayern München an den Rand eines Remis gezwungen und RB Leipzig ein solches abgerungen hat, muss auch vor Frankfurt keine Angst haben. Zumal sich die Eintracht nach Trainer- und Sportchefwechsel noch in der Findungsphase aufhält und in ihren bisherigen sechs Pflichtspielen sieglos geblieben ist. „Man kann sagen, dass Frankfurt der Musik hinterher läuft. Das sehe ich anders. Sie haben auch erst ein Spiel verloren, das vergisst man“, rückt Baumgart die hohe individuelle Qualität des Eintracht-Kaders ins rechte Licht.
Großer Druck auf Eintracht-Trainer
Der Druck auf den aus Wolfsburg gekommenen Adi Hütter-Nachfolger Oliver Glasner auf der Trainerbank ist vor dem Gastspiel der Kölner aber größer geworden. Denn nach dem FC wartet in der Bundesliga ein Auswärtsspiel bei den Bayern auf die Frankfurter. Mit bislang nur vier Punkten ist ein Sieg gegen die Kölner Pflicht, sonst droht vor der nächsten Länderspielpause das Abrutschen in eine handfeste Krise. Die Experten diskutieren am Stadtwald schon leidenschaftlich über die Rückkehr zur Dreier- und die Schwachstellen in Glasners Viererkette. Die Medien haben den Eintracht-Trainer auch mehr oder weniger dazu aufgefordert mit einer Doppelspitze bestehend aus den Neuzugängen Sam Lammers und Rafael Borré aufzulaufen. Das solle die lahmende Offensive beleben.
Glasner: „Wollen das Spiel kontrollieren“
Glasner bittet derweil um Geduld und wünscht seinen Spielern mehr Lockerheit in ihren Angriffsaktionen. „Ein Müssen gibt es nicht im Sport. Wir dürfen nicht verkrampfen“, erklärte der Österreicher. So laufstark sein Team sich bislang auch präsentiert hat, so wenig ist dabei herausgekommen. Wobei Glasner mit viel laufen auch nicht unbedingt das Gleiche verbindet wie Baumgart. Auf ein wildes, rastloses Spiel wie zwischen dem FC und Leipzig verspürt der Eintracht-Coach jedenfalls wenig Lust. „Das Spiel wird sicher sehr, sehr intensiv und ein Schlagabtausch. Wir wollen das Spiel aber kontrollieren.“ Genau an diesem Punkt dürfte Steffen Baumgart mit seiner Philosophie ansetzen, in der Kontrolle immer auch etwas mit bremsen zu tun hat. „Wir wollen ihnen keine Ruhe lassen. Wenn wir dem Gegner Zeit geben, kann er auch mal in Ruhe aufbauen. Wenn wir ihn nicht in Ruhe lassen, wird es hektisch. Und das ist genau, was wir wollen“, erklärt der 49-Jährige. In diesem Bereich sieht der FC-Coach bei seinem Team sogar noch Luft nach oben. Das klingt nach dem Auftritt gegen Leipzig zwar danach das Optimum optimieren zu wollen, ist aber typisch für Baumgarts Anspruch: „Wir werden immer etwas finden, wo der Alte etwas zu Meckern hat.“
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Mit Blick auf die absolvierten fünf Liga-Spiele und die Konsequenz im Abschluss gibt der FC-Coach ein konkretes Beispiel: „Wir haben schon viele hochkarätige Torchancen liegen lassen. Bei manchen Bällen hatte ich das Gefühl, es war schwerer ihn vorbei als rein zu schießen“, denkt er an die Möglichkeiten von Mark Uth beim 1:1 in Freiburg und von Ondrej Duda in der letzten Minute gegen Leipzig. Für Baumgart, der am Freitag Innenverteidiger Timo Hübers als überzähligen Spieler aus dem Kader für Frankfurt streichen musste, könnte der letztjährige Fast-Absteiger FC also sogar schon zwölf Punkte haben. So etwas darf man wohl gesundes Selbstbewusstsein nennen.
Voraussichtliche Aufstellungen: Frankfurt: Trapp; da Costa, N’Dicka, Hinteregger, Durm; Hauge, Sow, Jakic, Kostic; Lammers, Borré. – Köln: T. Horn; Schmitz, Meré, Czichos, Hector; Skhiri; Ljubicic, Duda, Kainz; Modeste, Uth.