Leonie Wagner trainiert auf dem Liblarer See für ihre Einsätze in der Nationalmannschaft im Kanupolo.
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Erftstadt-Liblar – „Der See ist so schön.“ Leonie Wagner lässt den Blick über die Wasserfläche schweifen, sie klingt ein bisschen sehnsüchtig. Denn normalerweise ist der Liblarer See ihr Revier, genauer gesagt: das Spielfeld am Gelände der Wassersportfreunde Liblar. Die 23-Jährige spielt Kanupolo, sie gehört der Nationalmannschaft an. Das verschafft ihr immerhin einen Vorteil gegenüber den Vereinskameraden. Sie darf trainieren, allerdings nur allein. Die anderen dürfen nicht mal ihre Boote herausholen.
Die Corona-Bestimmungen haben zwar das sportliche Leben weitestgehend beendet, die Pläne zur Erweiterung des Vereinsheims halten sie aber nicht auf. Vorsitzender Jürgen Schreiber ist ungebrochen optimistisch: „Im Februar reichen wir den Bauantrag ein.“ Bis dahin träfen sich die Verantwortlichen noch zweimal – digital, versteht sich. „Zu zweit sind wir nur auf dem Gelände, wenn wir etwas ausmessen oder gemeinsam besichtigen müssen.“
Jürgen Schreiber, der Vorsitzende des Wassersportfreunde, hat den Häcksler angeworfen, um Ordnung auf dem Gelände zu schaffen.
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Lagerräume, neue Duschen und Umkleiden sollen entstehen, das Land fördert das Projekt mit 84.600 Euro. Und eine Terrasse soll angelegt werden, sechs mal sechs Meter groß, von der aus man auf den See sehen kann.
Vereinsheim und Gelände in Schuss zu halten sei unter Corona-Bedingungen eine Herausforderung, erzählt Schreiber. Im Frühjahr mussten ein paar Bäume gefällt werden: sechs Robinien, eine Eiche, zwei Birken und eine Buche, die abgestorben waren. Dort wuchert jetzt das Unterholz, das in Schach gehalten werden muss. Nach drei trockenen Sommern müssen immer wieder abgestorbene Äste aus den Bäumen geschnitten oder vom Rasen gesammelt werden. „Rund 400 Stunden Arbeit mussten so koordiniert werden, dass die Leute sich nicht zu nahe gekommen sind“, sagt der Vorsitzende. Wenn allerdings einer am Steg arbeite und einer das Geländer am Haus streiche, sehe er da kein Problem. Die Wassersportfreunde hatten die Zahl der Anwesenden auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Gelände auf jeweils 50 begrenzt. Anmelden musste man sich per App, vor Ort eintragen in eine Liste. „Auf den Waldwegen ging es enger zu als bei uns auf dem Gelände“, ist Schreiber sicher.
Ein Anbau auf der Rückseite des Vereinsheims und eine neue Terrasse links davon sollen entstehen.
Copyright: Skizze: Schreiber
Leonie Wagner ist jedenfalls meistens ganz allein, wenn sie in diesen Tagen ihr Kanu zum Wasser trägt. Zwei bis dreimal in der Woche paddelt sie hinaus, um wenigsten Ausdauer und Geschmeidigkeit zu trainieren, wenn schon nicht ans Üben mit der Mannschaft zu denken ist. Selbst wenn einer der drei anderen Nationalspieler, die Mitglied im Erftstädter Verein sind, mit ihr auf dem Wasser wäre, dürften sie nur mit Abstand paddeln, die beiden Tore, die im See stehen, müssten ungenutzt bleiben.
Die Sportstudentin freut sich jedenfalls auf den Anbau ans Vereinsheim. Vor allem wegen der Umkleiden. Denn wenn sie sich jetzt im Winter nach den Trainingsfahrten in einem der Pavillons am Ufer aus dem Neoprenanzug schäle, werde ihr schon ganz schön kalt.