Pappelallee abgeholztBUND ist über Vorgehen der Gemeinde Wachtberg entsetzt

Die Pappeln hinter dem Gut Haus Holzen sind alle gefällt und das Holz aufgestapelt.
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Wachtberg – Die Pappelallee hinter dem Gut Haus Holzem zwischen Berkum und Arzdorf steht nicht mehr. In Stücke geschnitten liegen die Stämme und Äste an dem Weg, der laut Gemeinde ein überregionaler Radweg werden soll. Die Kreisgruppe Rhein-Sieg des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND ist entsetzt. Ihr Sprecher Achim Baumgartner erklärte: „Die Rigorosität, mit der die Fällungen nun durchgeführt wurde, ist überzogen.“ Im November sei vor Ort ein ganz anderes, behutsameres Vorgehen abgestimmt gewesen.
Die Allee nun einfach als „zu erntenden Wald“ zu deklarieren, werfe Fragen auf. Etwa: „Wie sollen überwinternde Fledermäuse bei Dauerfrost in gefällten Bäumen geborgen und gerettet werden?“ Zudem müsse gemäß dieser Betrachtungsweise nun der Eigentümer des Waldes für Gutachten, Fällung, Artenschutzmaßnahmen und Baumpflanzungen aufkommen.
Pappeln mussten für den Radweg weichen
Baumgartner: „Warum wurde der Wunsch des BUND, den Eingriff zu minimieren, gesunde Bäume zu erhalten und zumindest einzelne Stämme stehend für die Fledermäuse und Spechte zu bewahren, in den Wind geschlagen? Sieht so die Naturschutzpolitik der neuen Koalition in Wachtberg bzw. des Rhein-Sieg-Kreises aus?“
Das Fällen der Pappeln soll laut Gemeinde „eine der wichtigsten Lücken im Wachtberger Radwegenetz“ zwischen dem Ortsausgang Berkum und dem Gut Haus Holzem schließen. Es gehe um einen Teil der überregionalen Radwegroute 2, die von Bonn über Wachtberg in den Kreis Ahrweiler führe. Jahrelange Bemühungen beim Landesbetrieb Straßen NRW seien vergeblich gewesen. Darum habe die Gemeinde mit dem Fahrradclub ADFC seit 2018 eine Alternative entwickelt, die gemeindeeigene Wirtschaftswege nutze.
Schonzeit
Am 1. März beginnt die alljährliche Schonzeit für Hecken und Gebüsche. Wer vorhat, Pflanzen in seinem Garten im Frühling stark zurückzuschneiden oder sogar auszumachen, sollte sich beeilen. Denn bis zum 30. September ist das Schneiden dann verboten. Diese Schonzeit gilt laut Rhein-Sieg-Kreis den heimischen Vögeln, Insekten, Säugetieren, Reptilien und Amphibien, die Hecken und Büsche zum Schutz aufzusuchen. Die Gehölze dienen ihnen nicht nur als Schlaf- und Ruheplätze, sondern auch zur Aufzucht des Nachwuchses. Früchte, Samen, Knospen und Blätter der Pflanzen sind wertvolles Futter für die Tiere.
Das Zurückschneiden austreibender Zweige ist erlaubt. Ebenso ein Rückschnitt, wenn Zweige und Blätter in Fußgängerwege oder Fahrbahnen hineinwachsen. „Hecken und Gebüsche sind die Lebensgrundlage für viele Vögel und andere Tiere“, erklärt Rainer Kötterheinrich, Leiter des Amtes für Umwelt- und Naturschutz. Wer in der Schonzeit zum „Kahlschlag“ ansetzt, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz und riskiert ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro.
Laut BUND ist dieser „Lückenschluss eine Erfindung zur Rechtfertigung dieses umfangreichen Eingriffs“. Die Zickzack-Führung der Route über die Felder ohne soziale Kontrolle und Alltagstauglichkeit sei untauglich. Der Gemeine fehle einfach die Energie, eine Trasse entlang der Straße durchzusetzen.
Die Gemeinde argumentierte, die Pappelallee sei in einem „schlechten Zustand“ gewesen. Ein Baumsachverständiger habe sie kontrolliert und als „überwiegend mangelhaft“ bewertet. Absterbende Kronen- und Kronenteile seien festgestellt worden, ebenfalls starke Schäden am Holzkörper und massives Totholz in der Krone. Die Lebenserwartung sei wegen des Zustands „gering“. Zudem werde der Radwegebau in die Wurzeln eingreifen, womit „zusätzliche erhebliche Schädigungspotenziale“ einhergingen und der Erhaltungsaufwand sich erheblich erhöhe.
BUND zweifelt an zugrundeliegendem Gutachten
Laut Gutachten gehe von den Bäumen auch ohne den Wegebau eine Gefahr für den Gutshof und Nutzer des Wirtschaftswegs aus. Darum empfahl er eine vollständige Entfernung und Neuanlage einer zweireihigen Baumreihe mit einheimischen Bäumen. Dem sei das Amt für Umwelt- und Naturschutz beim Rhein-Sieg-Kreis laut Gemeinde „vollumfänglich gefolgt“. Zudem habe das Regionalforstamt der Fällungen zugestimmt. Das Artenvorkommen sei kartiert und bewertet worden. Baumgartner hält entgegen: Hohlstellen in Pappeln seien nicht unbedingt ein Zeichen für fehlende Standsicherheit.
„Die Pappelreihe hat viele Jahre das Landschaftsbild um Gut Haus Holzem geprägt“, sagte Swen Christian. Ihn schmerze dieser „jetzt notwendige Einschnitt“. Christian baut darauf, dass die neu zu pflanzenden Bäume wesentlich weniger anfällig für Schädlinge sein dürften: „Damit schaffen wir an dieser Stelle ein zwar optisch neues Bild, aber dafür einen ökologisch sicheren Baumstreifen, an dem sich auch noch unsere Kindeskinder erfreuen werden.“
Fällaktionen gehen weiter
Bis Ende Februar geht die Fällaktion in vielen Teilen der Gemeinde weiter, denn insgesamt wurden etwa 100 Bäume als massiv verkehrsgefährdend, abgestorben oder absterbend deklariert. Bei 70 Bäumen sei Eile geboten- Insgesamt unterliegen etwa 10 000 Bäume der Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde. Größtenteils erledigt der Bauhof die Arbeiten selbst. Was er jetzt nicht schafft, soll er im Herbst erledigen.
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Die Sicherheit von Gesundheit und Leben geht laut Gemeinde vor. Gleichwohl bleibe es Ziel, so viel Biomasse wie möglich zu erhalten und gefällte Bäume „durch Überkompensation“ zu ersetzen. Christian: „So werden an der Mehlemer Straße in Niederbachem zwei gefällte Bäume durch 18 neue ersetzt.“