„Die Zeit war knapp“Ärztin erläutert den Ablauf der umstrittenen Impfung in Wachtberg
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Zur Jahreswende wurde in den Seniorenheimen in der Region mit der Impfung begonnen. Inzwischen haben die Teams weitere Erfahrung mit dem Vakzin gesammelt.
Copyright: Martin Magunia
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Wachtberg – Rücktrittsforderungen, Neid, Unverständnis und nur wenig Ansehen für vorbildliche Impfbereitschaft hat es dem Wachtberg Bürgermeister Jörg Schmidt (57, CDU) eingebracht, dass er vorzeitig eine Impfgelegenheit genutzt hat. Dabei ist er nicht der einzige, der vom Impfteam in aller Eile mit einer Spritze versorgt wurde, damit sie nicht vergeudet ist. Die Rundschau hat mit der Ärztin Jacqueline Hiepler, der Vorsitzenden der Kreisvereinigung Rhein-Sieg in der Kassenärztlichen Vereinigung, gesprochen.
Laut Hiepler ging es um die erste Impfwoche. „Mit meinem Kollegen Oliver Funken aus Rheinbach habe ich an diesem Tag die Impfungen im Altenstift Limbach vorgenommen.“ An jenem Samstag sei der Impfstoff gegen 11 Uhr von einer Transportfirma mit Kühlschranktemperatur ins Limbachstift gebracht worden. Mitarbeiter von Funken hätten das Material, wie vorgesehen, mit einer Kochsalzlösung vorbereitet. „Ab diesem Zeitpunkt hält es etwa vier bis sechs Stunden, da es jetzt kühl war, eher fünf oder sechs Stunden.“ In dieser frühen Phase der Impfungen habe es im Erlass des Landes geheißen, ein Behälter ergebe fünf Spritzen, erklärt Hiepler: „Wir haben aber sechs und sieben Spritzen daraus füllen können, so dass wir letztlich 40 oder 50 Spritzen übrig hatten, so weit ich mich erinnere.“ Zu diesem Zeitpunkt war nur noch eine Stunde Zeit, um die Impfdosen zu verteilen. Zwei Stunden habe die Impfung der Bewohner in ihren Zimmern gedauert, etwa zwei Stunden die Impfung des Personals in einer eigens dafür aufgebauten Station im Altenstift.
Schnelles Handeln war gefragt
„Um die Impfdosen nicht wegkippen zu müssen, haben wir damals sofort an Polizei und Feuerwehr gedacht und auch den Pflegedienst gerufen. Die Zeit war knapp, und darum haben wir alle Menschen genommen, die wir erreichen konnten“, sagt Hiepler. „Wegkippen wäre ethisch und wirtschaftlich nicht vertretbar. Darum haben wir einfach eine Entscheidung als Ärzte getroffen.“ Es sei sogar ein Waldarbeiter herbeigerufen worden, der hinter dem Altenheim mit einer Kettensäge gearbeitet habe. „Der Mann hatte auch nicht die entsprechende Priorität, aber selbstverständlich sind alle, die an diesem Tag eine Spritze erhielten, auch für eine zweite Impfung vorgesehen. Sonst macht es keinen Sinn.“ Das gelte auch für Jörg Schmidt.
Laut Hiepler ist auf die Erfahrung aus der ersten Impfwoche umgehend reagiert worden. Inzwischen ist der Impfstoff für sechs Spritzen je Behälter zugelassen, und die Kreisverwaltung habe eine Liste mit priorisierten Personen erstellt, auf die über die Leitenden Notärzte zugegriffen werden könne, wenn bei einem Impftermin Reste blieben. Doch dies sei kaum noch der Fall. Reste gebe es inzwischen nur noch, wenn am Impftag die zu impfende Person plötzlich Fieber habe oder nicht da sei.