Robert F. Kennedy Jr. zeigt sich beim Tennis mit Novak Djokovic. Beide verbindet nicht nur sportliche Leidenschaft.
Djokovic und Kennedy„Helden“ – Tennisstar und Trumps Minister werden von Impfgegnern gefeiert

Novak Djokovic am Sonntag (23. März) in Miami. Der Serbe gilt als Impfgegner
Copyright: Getty Images via AFP
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat ein Bild von sich zusammen mit Tennisstar Novak Djokovic beim Kurznachrichtendienst X, ehemals Twitter, gepostet. Das Foto zeigt den ehemaligen Weltranglistenersten auf einem sonnigen Tennisplatz, wie er den Arm um den Politiker legt. Beide sind braungebrannt, tragen Sportkleidung und haben einen Schläger in der Hand. Kennedy lobt den Serben und fragt scherzhaft, wer das Match wohl gewonnen habe.
Djokovic nimmt derzeit am ATP-Masters in Miami in Florida teil, wo vermutlich auch das Bild entstanden ist. In der dritten Runde besiegte der Serbe am Sonntag (23. März) den Argentinier Camilo Ugo Carabelli in zwei Sätzen. Bei seinen letzten Turnieren war Djokovic nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Nun steht er in Miami in der Runde der letzten 16.
Kennedy Jr. ist Impfgegner
Das Foto vom Tennisplatz hat viele Reaktionen nach sich gezogen. Insbesondere Djokovic wird kritisiert, sich mit dem umstrittenen Politiker in dieser Form gezeigt zu haben. Der Neffe des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy ist in der Vergangenheit mit zahlreichen Verschwörungstheorien aufgefallen. Vor allem gilt er als Impfgegner. Die Kritik an der Personalie des neuen US-Präsidenten Donald Trump war daher groß. Insbesondere in der Coronazeit verbreitete er Falschinformationen, oft auch mit rassistischem Inhalt.
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Kritik gibt es aktuell am Gesundheitsminister aufgrund von zunehmenden Masernfällen in den USA. Zwar hatte Kennedy die Masernimpfung in den vergangenen Wochen nicht mehr komplett abgelehnt, aus Sicht von Experten aber auch viel zu wenig Initiative gegen die gefährliche Infektionskrankheit gezeigt. Kennedy befürworte außerdem Behandlungen wie Lebertran, Steroide und Antibiotika, von denen keine dafür bekannt ist, gegen Masern wirksam zu sein, schreibt das Magazin „Nature“. Vor allem aber habe Kennedys jahrelange Agitation gegen Impfungen Misstrauen in der US-Bevölkerung gesät.
Trump selbst hatte während seiner ersten Amtszeit die Gefahr des Coronavirus oft verharmlost. Zu Beginn der Pandemie hatte er das Malariamittel Hydroxychloroquin als wirksam gegen Covid propagiert – allerdings ohne jegliche wissenschaftliche Evidenz. Später empfahl er der Bevölkerung dann allerdings, sich im impfen zu lassen.
Novak Djokovic lehnte Coronaimpfung ab
Besondere Brisanz erhält der gemeinsame Auftritt des Tennisstars und des Politikers durch Djokovics Positionierung während der Pandemie. Der Serbe hatte im Gegensatz zum Großteil prominenter Sportler eine Impfung gegen das Coronavirus abgelehnt und damit viel Kritik auf sich gezogen. Er erklärte, gegen einen Zwang zur Impfung zu sein, um reisen zu können. Dafür wäre er bereit, auf weitere Titel zu verzichten. Er wolle „alleiniger Eigentümer seines Körpers sein“ und sehe die Impfung als Bedrohung.
2022 kam es jedoch zum Eklat, weil der Serbe an den Australien Open teilnehmen wollte, das Land aber nach einer tagelangen Posse wieder verlassen musste. Der damals ungeimpfte Weltranglistenerste hatte sich lediglich auf eine Ausnahmegenehmigung aufgrund einer überstandenen Coronainfektion berufen. Australiens Einwanderungsminister entzog Djokovic das Visum jedoch wieder.
2023 erklärte der Tennisprofi, die Leute versuchten, ihn „zum Impfgegner zu erklären“. In Wahrheit sei er aber weder gegen eine Impfung noch dafür. Nach seinem Auftritt mit Kennedy Jr. unterstellen ihm allerdings viele Menschen, ein „Bruder im Geiste“ zu sein. Der Politiker scheint Djokovic für genau diese Ablehnung der Impfung in seinem X-Post zu loben, wenn er ihn als „First in courage“, also sinngemäß vorbildlich in Sachen Mut beschreibt.
In den Kommentaren gibt es genau deswegen aber auch viel Zuspruch für das Foto. Userinnen und User gehen auf Kennedys deutliche Anspielung ein. „Niemand musste auf internationaler Ebene mehr Hass und Verfolgung ertragen als dieser Mann“, wird beispielsweise an der Legende von den verfolgten Impfgegnern gestrickt. Ebenso wird der Verschwörungsmythos bedient, allein die Pharmaindustrie hätte von der Impfung profitiert. Andere Sportler wie NFL-Spieler Travis Kelce hätten deren Dollars ja gerne für Werbung angenommen, heißt es, Djokovic sei dagegen standhaft gewesen. Kelce war damals in einem Spot für Pfizers Präparat Comirnaty erschienen.
„Sie sind beide Helden, weil Sie die Covid-Impfung ablehnen!“, schreibt eine Userin. Jemand anders meint, Djokovic und Kennedy seien „zwei brillante Männer mit Integrität und weltweiter Beliebtheit“. Andere Impfgegner sind offenbar enttäuscht von Kennedy seit dessen Amtsantritt. Djokovic habe sich „gegen die Tyrannei gestellt“, er weigerte sich, die „tödlichen mRNA-Injektionen“ zu nehmen, lautet ein anderer Kommentar. Wann der neue Gesundheitsminister aber nun endlich anfange, seine Arbeit im Sinne seiner Anhänger zu machen, will der User wissen.