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TraditionsbetriebWarum vor 20 Jahren die Talstation der Drachenfelsbahn in Königswinter umgebaut wurde

Lesezeit 3 Minuten
Die Glasfassade am Eingang der Drachenfelsbahn, im Hintergrund eine grüne Lok, die als Denkmal installiert ist.

Vor 20 Jahren wurde die modernisierte und umgebaute Talstation der Drachenfelsbahn in Königswinter eingeweiht.

Vor 20 Jahren wurde der „Tourismus Bahnhof“ der Drachenfelsbahn in Königswinter eingeweiht. Unterstützt wurde das Projekt aus dem Bonn-Berlin-Topf.

Seit dem Juli 1883 rattert eine Zahnradbahn von Königswinter aus auf den Sagen umwobenen Drachenfels. Doch es ist gar nicht so lange her, da drohte der damaligen Bergbahnen im Siebengebirge AG das Aus. „Damals stand das Unternehmen auf der Kippe, definitiv“, sagte Fiona Streve-Mülhens Achenbach am Donnerstag.

Da stand sie in der Talstation der Drachenfelsbahn beziehungsweise im „Drachenfels Tourismus Bahnhof“, der am kommenden Montag vor genau 20 Jahren (31. März 2005) durch den damaligen „Superminister“ Wolfgang Clement eingeweiht wurde.

Eine Million Euro stammten aus dem Bonn-Berlin-Ausgleichstopf

Das Zwei-Millionen-Euro-Projekt bedeutete ein Stück weit die Rettung der historischen Drachenfelsbahn, die damals mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen hatte. Knapp eine Million Euro investierte 2005 die Eigentümerfamilie Streve-Mülhens („4711-Dynastie“) in den Umbau der Talstation, weitere rund eine Million Euro flossen aus dem Bonn-Berlin-Topf.

Die bis dahin offene Bahnhofshalle wurde geschlossen, die Talstation erhielt eine geschwungene Glas-Stahl-Fassade, der komplette Eingangsbereich entstand neu. Die wartenden Besucher sind seither nicht mehr Kälte und Wind ausgesetzt.

Zwei Männer und eine Frau, im Hintergrund historische Aufnahmen einer Ausstellung.

Zogen eine Bilanz der letzten 20 Jahre: (v.l.) Oliver Bremm, Thomas Scharf und Fiona Streve-Mülhens Achenbach.

Nur noch rund 170.000 Kunden verzeichnete damals das heute als Bergbahnen im Siebengebirge GmbH firmierende Unternehmen, sagte am Donnerstag Thomas Scharf, wie Fiona Streve-Mülhens Achenbach Geschäftsführer des Betriebs mit seinen 16 Beschäftigten. Heute sind es 350.000 Menschen, die mit der Zahnradbahn auf den Berg fahren. Noch einmal etwa genau so viele besteigen den Fels zu Fuß.

Die Verdoppelung ist nicht zuletzt den „Leuchtturmprojekten“ am Drachenfels zu verdanken. Schloss Drachenburg wurde für mehr als 32 Millionen Euro restauriert und gilt heute als Ikone der Rheinromantik. Die Regionale 2010 spülte zig Millionen Euro in die Stadt, unter anderem für das neue Drachenfelsplateau mit dem modernen Glaskubus. Später wurde auch die Nibelungenhalle restauriert.

In die neue Talstation ist seinerzeit auch die Tourismus Siebengebirge GmbH eingezogen. Die Zusammenarbeit des privaten Unternehmens und der kommunalen Gesellschaft habe seither „riesig gut geklappt“, betonte Oliver Bremm, der Chef der Tourismusgesellschaft.

Es habe damals durchaus auch kritische Stimmen gegeben, doch die Partner hätten „erfolgreich kooperiert“, so Bremm, dessen Gesellschaft fünf fest Angestellte und bis zu sieben Aushilfen beschäftigt, die sich unter anderem um den Ticketverkauf kümmern.

Bauarbeiten für Großprojekte in der Altstadt auch ein Grund zur Sorge

In der Talstation habe es immer mal wieder Veränderungen gegeben, sagte Fiona Streve-Mülhens Achenbach, schließlich habe das Unternehmen zwei Weltkriege überstehen müssen. Die Zwei-Millionen-Euro-Investition in den Tourismus-Bahnhof sei aber die größte Veränderung gewesen.

Eine Treppe führt zu Glastüren, darüber der Schriftzug Drachenfelsbahn.

So sah die Talstation der Drachenfelsbahn in Königswinter vor dem Umbau vor 20 Jahren aus.

Die Familie Streve-Mülhens habe seinerzeit die Hoffnung gehabt, dass davon auch „die Altstadt Früchte tragen“ könnte. Doch das sei kaum passiert. „Da fehlt noch was“, sagte die Geschäftsführerin, die sich über einen intensiveren Austausch mit der Stadt freuen würde. Es gebe noch viel Raum für neue Konzepte.

„Die Welt schläft nicht, der Tourismus entwickelt sich weiter. Wir dürfen uns nicht auf der Arbeit der letzten 20 Jahre ausruhen.“ Zu vielen Gesprächen werde die Bahngesellschaft aber gar nicht eingeladen. Ein Stück weit mit Sorgen schaut die Unternehmerin auf die bevorstehenden Großprojekte, nämlich den Bau der Bahnunterführung an der Drachenfelsstraße und die Umgestaltung von Rheinallee und Rheinpromenade.

„Wir reden von einem Zeitraum von 2026 bis 2030, wenn denn alles funktioniert“, sagte Streve-Mülhens Achenbach. Für alle Unternehmen und Geschäfte sei ganz entscheidend, dass sie auch in dieser Phase erreichbar und geöffnet sein könnten. Oliver Bremm verspricht sich von den Maßnahmen „für die Altstadt und den Berg einen Schub nach vorne“. Es sei „gut, dass was passiert“.